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17.12.2005 - 11:01

Ruf nach Vollkasko-Staat muss aufhören.

Hohenlohekreis (kobinet) Heute berichtet die Hohenloher Zeitung (HZ) über die Streichung der Weihnachtsbeihilfe für Heimbewohner. Redakteur Hagen Stegmüller kommentiert, mehr Privatinitiative auch für Bedürftige sei gefordert.

Im Artikel der HZ erklärt der Vorsitzende der Liga der freien Wohlfahrtspflege, Hansjörg Böhringer, den Alten und Kranken dürfe das kleine Geschenk oder der Besuch zu Weihnachten nicht verwehrt werden. Das sei unwürdig. Die (Heim- Anm.) Bewohner stünden "schon jetzt am äußersten Rand mit brüchigen Kontakten zu Familien und Freunden". Bernd Bareis, Leiter zweier Pflegeheime hingegen meint, er kenne keinen, der sich über die Streichung der Weihnachtsbeihilfe beschwert habe. Von Heimbewohnern, die von Sozialhilfe lebten, würden die Angehörigen ohnehin kein Geschenk erwarten. Sozialamtsmitarbeiter Willi Frank weist Kritiken gegen die Streichung mit der Begründung, man würde sich an die Empfehlung des Landkreistages halten, zurück.

In seinem Kommentar schreibt Hagen Stegmüller: "Verzichten fällt schwer. Daher ist es verständlich, wenn Heimbewohner gerne ihre Weihnachtsbeihilfe behalten hätten … Die Schulden von Bund, Land und Kreisen sind auf ein unerträgliches Maß geklettert. Der Ruf nach dem Vollkasko-Staat muss aufhören … Gefordert ist mehr Privatinitiative, auch für Bedürftige. Das geht vom Spendensammeln bis zur immatriellen Nächstenliebe". elba
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Johann Kreiter schrieb am 21.12.2005, 13:00

Vollkaskomentalität

Was sind das bloss für Menschen, die solch eine Sprache wählen und solch assoziales Gedankengut von sich geben. Klar das der Typ keinen Mensch in seiner Anstalt kennt der sich beschwert hätte, so wie er redet agiert er wahrscheinlich auch in seinem Haus. Wer von Vollkaskomentalität redet, darf ruhig auch von den Manager reden, die auf Kosten von Stellenabbau Milliarden einsparen und danach dies sich in Ihren Gehältern niederschlägt. Was ist das für eine Mentalität? Sind wir hier ein Rechtstaat oder ein "Rechts - Staat". Fast jeder Politiker nutzt seine Stellung um noch schnell ein paar Euros in die Tasche zu schieben, siehe "Gerdgas" (Schröders neuer Job), oder Harzt4 wo es denn kleinen an den Kragen geht, aber der Gestalter dieser Pläne wahrscheinlich in den Armen von Nutten sich mit seinen Freunden, Gedanken darüber gemacht hat, wie er denn kleinen Mann/Frau aus dem sozialen Leben kickt. Das ist die Mentalität die in diesem unserem Lande um sich greift. Jedem der sich diesen Kotzbrocken in den Weg stellt wird platt gemacht. Da sind die Wirtschaftbosse, die Millionenschwere Umsätze anstreben, Krankenkassen die nur noch von Gewinn reden, all diese machen das auf Kosten derjenigen, die auf der Kehrseite mit jedem Gent rechnen müssen. Wie lange lassen wir uns dies noch gefallen?

Ilja Seifert schrieb am 19.12.2005, 12:51

verräterische Sprache - verräterisches Denken

Ich danke Elke Bartz, daß sie diese verräterische Sprache aus dem Dunkel einer Provinzzeitung ins grelle Licht der Öffentlichkeit holt.
Wir haben richtige Gegner. Sie sind mächtig. Klug. Und sie verfügen über vielfältige Mittel, uns klein zu halten. Eines davon ist, unser Denken zu manipulieren. Zum Beispiel über die Sprache.
Das Wort "Vollkasko-Mentalität" (und zahlreiche Varianten davon) ist ein giftiger Kampfbegriff all derjenigen, denen selbst das jetzige Sozialstaatsniveau "viel zu üppig" ist. Sie ignorieren einfach, daß es Millionen von Menschen - mit und ohne (sichtbare) Behinderungen - gibt, deren Leben alles andere als "würdig" genannt werden kann.
Und sie finden immer wieder (willige oder dumme?) Vasallen, die ihre Kampfbegriffe nachplappern. Das macht sie dann so alltäglich, so "selbstverständlich".
Dabei geht es gar nicht um (Voll)Kasko! Es geht um Würde! Um Ansprüche. Um den Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile. Nicht um "Luxus".
Ich bin froh, daß auch in den Kobinet-Nachrichten darauf geachtet wird, daß dieses gefährliche Gift nicht unbemerkt auch noch in unsern eigenen Sprachgebrauch übergeht.

Ilja Seifert, Berlin

Elisabeth Riediger-Wirthensohn schrieb am 18.12.2005, 08:09

Ruf nach Vollkasko-Staat muss aufhören

Es mag ja zutreffen, dass Bund, Länder und Kommunen verschuldet sind, aber "Heimbewohner" tragen bestimmt nicht dazu bei, dass "Steuergelder" an anderer Stelle wegen der sozialen und sonstigen Aufgaben des Staates verschwendet werden.

"Heimbewohner" sichern z.B. vielen Arbeitnehmer/innen ihren Arbeitsplatz und damit ihr Einkommen, damit diese und ihre Familien nicht zu Leistungsempfängern aus dem "untersten sozialen Netz" absteigen.

So gesehen, ist es absolut unmenschlich und unsolidarisch, nun "Heimbewohnern" das Weihnachtsgeld zu streichen.

Grüsse E.Riediger-Wirthensohn

Manfred Keitel schrieb am 17.12.2005, 13:46

Menschenwürde?

Widerlich! Das Wort sagt bereits alles über die Streichung und der Leugnung des weiter verschärften Mangels aus.

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