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30.12.2005 - 07:23

Marktwirtschaftliche Regulierung.

Essen / Hollenbach (kobinet) Der Verband deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB) befürchtet Insolvenzen in den Reihen der Pflegeheimbetreiber. Das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.) begrüßt den Wegfall jedes einzelnen Heimplatzes.

Im Rahmen einer Presseerklärung erläutert der VDAB die Gründe seiner Befürchtungen. Darin heißt es unter anderem:

Wegfall der Bedarfssteuerung führt zu Leerständen in Pflegeheimen. (Dem) Pflegemarkt drohen zahlreiche Insolvenzen. Durch den Wegfall der staatlichen Steuerung des Pflegeplatzangebotes entstehen derzeit erhebliche Überkapazitäten an Pflegeplätzen. Dieses Überangebot führt zu Leerständen in Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe". Sinke der Auslastungsgrad der Einrichtung, sei diese in ihrer wirtschaftliche Existenz gefährdet, meint der Bundesvorsitzende des VDAB, Artur Geisler. Derzeit würden die Tagessätze für Aufwendungen im investiven Bereich in nordrhein-westfälischen Pflegeeinrichtungen mit einer Auslastungsquote von 95 Prozent ermittelt. "Bei einer Auslastung von unter 95 Prozent können Heime ihre Kosten für Darlehen oder Mieten nicht mehr decken", erklärt Geisler weiter. "Ein Ausgleich durch Einsparungen in den Bereichen Pflege oder Unterkunft und Verpflegung ist nicht möglich. Es drohen zahlreiche Insolvenzen."

Die kobinet-nachrichten fragten die Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.), Elke Bartz, wie sie die Äußerungen des VDAB bewerte. "Durchaus nicht so negativ wie der VDAB. Im Gegenteil, wir begrüßen die Auflösung jedes einzelnen 'Heim'platzes und erst recht jeder kompletten Einrichtung. Wenn der gesetzlich manifestierte Vorrang 'ambulant vor stationär' sich nicht (alleine) durch die Gesetzgebung bzw. den Willen des Gesetzgebers umsetzen lässt, kann das Problem anscheinend marktwirtschaftlich leichter gelöst werden". Alte Menschen und Menschen mit Behinderungen dürften nicht länger als "Füllmasse" für Einrichtungen missbraucht werden, sondern müssten auf ambulante Hilfen zurückgreifen können. "Es ist mehr als begrüßenswert, wenn durch den Wegfall von Subventionen und 'Steuerung durch öffentliche Mittel' endlich klar wird, dass 'Heime' nur durch einen permanenten finanziellen Dauertropf überhaupt existieren können".

"Auch wenn die Bedürfnisse von 'Heim'bewohnern nach einem Leben mitten in der Gesellschaft zugunsten der Eigeninteressen von 'Heim"betreibern häufig ignoriert werden, können wir das in Einrichtungen frei werdende Personal beruhigen. Sie werden ihre Arbeitsplätze zwar im stationären Bereich verlieren, aber neue im ambulanten finden. Wir jedenfalls begrüßen jede Mauer, die fällt und zwar je eher desto besser". hjr
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Manfred Keitel schrieb am 30.12.2005, 15:43

Silberstreif am Horizont

Auch ich fände es klasse, wenn der Markt dazu führe, daß weniger behinderte Menschen gezwungen werden, ohne echten Wohnraum in Einrichtungen kaserniert zu werden.

Daß die Kassen der "Pflegeversicherung" durch "Heim"plätze leer gemacht werden, wurde über längere Zeit mehrfach in den Kobinet-Nachrichten angeschnitten, auch das materielle und soziale Elend in diesen Häusern.

Viele Betreiber und Unterstützer solcher Institutionen haben ein geringes (Un-)Rechtsempfinden. Zitat zum kürzlich gestrichenen Weihnachtsgeld (maue 36 Euro, aber für Bewohner ein Vermögen): "Bernd Bareis, Leiter zweier Pflegeheime (...) meint, er kenne keinen, der sich über die Streichung der Weihnachtsbeihilfe beschwert habe." Und das, obwohl das Geld auch so kaum für Versicherungen, Getränke oder lebensnotwendige Medikamente ausreicht? Hallo?! Geht es noch??

Ich persönlich kenne Mitarbeiter, die in solchen Einrichtungen arbeiteten und sehr unter den Arbeitsbedingungen in der Anstalt litten. Auch für diese Menschen könnten bessere Zeiten anbrechen.

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