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13.01.2006 - 10:07

Am Berliner Flughafen Tegel diskriminiert.

Berlin (kobinet) Martin Ladstätter wurde am Berliner Flughafen Tegel genötigt, sich aus "Sicherheitsgründen" von seinem Faltrollstuhl in einen Flughafenrollstuhl umzusetzen. Die für ihn extrem aufwendige und schmerzhafte Prozedur war diskriminierend. Der Wiener schaltete deshalb Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein ein. Es sollen "rechtliche Schritte geprüft" werden, damit sich "dieser Unsinn" in Zukunft nicht wiederholt. Der Vorfall ereignete sich vor dem Flug AB 8762 am 10. Dezember 2005, mit dem der kobinet-Redakteur nach seiner Teilnahme an der Verleihung des BIENE-Awards für die besten barrierefreie Webseiten im deutschsprachigen Raum wieder nach Wien zurückkehren wollte. Sein Faltrollstuhl wurde ihm genommen, was ihm selbst bei einer Flugreise in den USA nicht passiert ist. "Sachlich gerechtfertigt dürfte es auch nicht sein, weil es andere Methoden gibt, Faltrollstühle zu überprüfen bis hin zur Suche nach verstecktem Sprengstoff", sagte Ladstätter heute dem Berliner kobinet-Korrespondenten. Die Berliner Flughafen-Gesellschaft hält in einem Schreiben ihres Beschwerdemanagements eine Röntgenkontrolle aller an Bord eines Flugzeuges mitzuführenden Gegenstände unter Berufung auf "Luftsicherheitsbestimmungen" weiterhin für erforderlich. Das Umsetzen von behinderten Passagieren in einen Standardrollstuhl können ihnen nicht erspart werden. Allerdings bestehe nach Aussagen des Bundesgrenzschutzes noch die Möglichkeit, "im Einzelfall direkt vor Ort durch das Sicherheitspersonal anders entscheiden zu können". Für Ladstätter ist diese Antwort nicht befriedigend. In Kenntnis der österreichischen Gleichstellungsgesetzgebung erwartet er auch vom Benachteiligungsverbot im deutschen Behindertengleichstellungsgesetz, dass diskriminierende Behandlung ausgeschlossen bleibt. Der Flughafen Köln-Bonn, der früher eine ähnliche Praxis ausübte, lässt nach Protesten behinderter Fluggäste Reisende im Rollstuhl ohne Umsetzen durch die Sicherheitskontrolle. Artikel 1 der gerade beschlossenen Verordnung des Europäischen Parlaments über die Rechte von Flugreisenden eingeschränkter Mobilität sieht deren unbehinderte Gleichstellung vor: "Der Binnenmarkt für Luftverkehrsdienste sollte den Bürgern im Allgemeinen zugute kommen. Daher sollten behinderte Menschen und Personen eingeschränkter Mobilität, unabhängig davon, ob die Ursache dafür Behinderung, Alter oder andere Faktoren sind, die gleichen Flugreisemöglichkeiten wie andere Bürger haben. Behinderte Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität haben die gleichen Rechte wie andere Bürger auf Freizügigkeit, Wahlfreiheit und Nichtdiskriminierung. Dies gilt für Flugreisen wie für andere Lebensbereiche." sch  

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Johann Kreiter schrieb am 15.01.2006, 08:25

Flughafentegel

Leider ist es Tatsache, dass im Flughafen Berlin Tegel, Rollstuhlfahrer sich umsetzen müssen. Mir ist es allerdings gelungen, dass mein Rollstuhl erst nachdem ich im Flugzeug saß, auf Sprengstoff kontrolliert wurde. Dies ist der Grund dafür, warum dies gemacht wird. Die EU-Richtlinien besagen dies. Allerdings ist es nur in Berlin Tegel so umständlich, weil dort direkt von der Flughalle in die Wartehalle zum Flug gegangen (gerollt) wird. In den anderen Flughäfen ist es so, dass Du nach dem einchecken, wo bereits der Koffer untersucht wurde, durch die Personenkontrolle kommst. Da wird von Deinem Rollstuhl ein Staubtest entnommen, dieser wird an Ort und Stelle kontrolliert und du kannst dich frei im Rollstuhl auf den ganzen abgesicherten Passagierhallen bewegen.
Der Flughafen Tegel ist baulich leider nicht so, dass in dieser Reihenfolge gehandelt werden kann. Wie gesagt, ich bin durchgekommen, allerdings hatte auch ich eine sehr unangenehme Diskussion mit dem Personal und zu guterletz mit dem Grenzschutz, inklusive Drohung, dass ich den Flug nicht mitmachen werde. Erst nachdem ein Mensch mit Hirn den Vorschlag erbrachte, mich in den Flieger zu setzen und dann den Rollstuhl zu testen, wurde ich mit meinem Rollstuhl durchgelassen. Mir ist schon von mehreren Personen dieses unmögliche Vorgehen geschildert worden. Ich selbst bin letztes Jahr mindestens 12 x geflogen, kein anderer Flughafen macht dies so. Zuletzt war ich in München auf einem Stop Over mit Weiterflug nach Stuttgart. Auch dort wurde nur mit Hilfe einer Folie Staub vom Rolli genommen. Ich konnte sitzen bleiben. Innerhalb von 2-3 Minuten kam das OK und ich wurde zum anderen Gangway gebracht.
Dies sind Zustände die so nicht tragbar sind. Leider musste ich dabei feststellen, dass Behinderte dann auf einen rechthaberischen, schwierigen Menschen in aller öffentlichkeit reduziert werden. Das die Beamten dort, es an mangeltem Einfühlungsvermögen und logischem Sachverstand fehlt, sieht keiner.

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