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14.01.2006 - 00:08

Modellprojekt 'Persönliches Budget für Menschen mit Behinderung' positiv.

Stuttgart (kobinet) Baden-Württembergs Sozialminister Andreas Renner hat eine positive Bilanz eines Modellprojekts gezogen, bei dem es um das persönliche Budget für Menschen mit Behinderungen geht. "Die wissenschaftliche Auswertung des Projekts belegt eine große Zustimmung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das ist ein ermutigendes Ergebnis und bestätigt den neuen Ansatz in der Behindertenhilfe. Jetzt gilt es das Persönlichen Budget bei den Adressaten bekannt zu machen, damit möglichst viele Menschen in den Genuss der Vorteile kommen, die diese neue Leistungsform bietet.", sagte Renner. Die Begleitforschung zum Persönlichen Budget habe ergeben, dass die Geldleistung anstelle der Sachleistung vielen Menschen mit Behinderung unter bestimmten Rahmenbedingungen erhebliche Vorteile bringe.

"Viele Menschen, die sich für das Persönliche Budget entschieden haben, haben einen großen Zuwachs an Lebensqualität erfahren. Ihnen haben sich mehr Spielräume eröffnet, ihr Leben selbst bestimmt zu gestalten: Mit einem Persönlichen Budget können Menschen mit Behinderung sich die Leistungen, die sie sich wünschen, maßgeschneidert einkaufen. Sie sind nicht mehr allein Hilfeempfänger, sondern können auf gleicher Augenhöhe mit dem Anbieter Leistungen einkaufen. So können diese Menschen, die zuvor vielleicht in einer stationären Einrichtung gewohnt haben, weitere Schritte in ein eigenständigeres Leben machen. Sie können sich mit dem Budget, so weit es geht, von institutionellen Strukturen lösen", so Renner.

Gleichzeitig bedeute diese Lösung keine endgültige Abkehr von den institutionellen Strukturen. "Der Betroffene hat die Möglichkeit, bei Bedarf in sein altes Umfeld zurückzukehren. Diese Sicherheit ist nicht nur für den Menschen mit Behinderung selbst, sondern auch für seine Angehörigen wichtig", erklärte der Minister.

Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland im Oktober 2002 damit begonnen, ein trägerübergreifendes Modellprojekt "Persönliches Budget für Menschen mit Behinderung" auf der Grundlage des SGB IX ("Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen") zu starten.

Menschen mit Behinderung sollen statt einer ihnen zustehenden Sachleistung, wie etwa dem Wohnen im Heim, eine Geldleistung erhalten. Damit können sie die benötigten Hilfen eigenverantwortlich einkaufen. Sie können damit selbst bestimmen, durch wen und wie die benötigte Hilfe erbracht wird.

Dadurch sollen die
  • Wahlmöglichkeiten gefördert
  • die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung gestärkt
  • die gleichberechtigte Teilhabe verbessert werden


So können Persönliche Budgets in der Praxis aussehen:
Ein geistig behinderter Mann lebt mit seiner alten Mutter zusammen, die die Situation inzwischen nicht mehr allein bewältigt. Durch ein Persönliches Budget kann er sich Hilfe durch die Nachbarin einkaufen sowie Unterstützung durch eine Sozialarbeiterin. Beides ermöglicht ihm, in der bisherigen Wohnung zu bleiben. Ohne diese Hilfeform müsste er ins Heim übersiedeln. js
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Elisabeth Riediger-Wirthensohn schrieb am 17.01.2006, 22:56

Wegen behinderungsbedingter Bedarfe auswandern?

Der Landtag des Bundeslandes in dem ich lebe, hat eine "Weiterentwicklung des sog. "persönlichen Budgets" abgelehnt. Also kann ich mir die behinderungsbedingte Bedarfe nicht selbst einkaufen. Dies bedeutet weiter "Einzelkampf" mit den Leistungsträgern nach dem SGB XII. Grüsse, Elisabeth Riediger-Wirthensohn

Rocky *** schrieb am 14.01.2006, 09:43

Wirklich zufrieden

Sozialminister Renner bewertet das baden-württembergische Modellprojekt zum persönlichen Budget als positiv. Und wie sieht es mit den behinderten Menschen aus? Diejeinge, die es erhalten, dürften es tatsächlich ebenfalls (zumindest überwiegend) positiv beurteilen. Wer jedoch hinter die Kulissen blickt, wird schnell merken, "wo der Hase im Pfeffer liegt". Die angestrebt Teilnehmerzahl am Modell wurde nur zu einem Bruchteil erreicht (keine 20 %). Das liegt unter anderem daran, dass die baden-württenbergischen Budgets so stark limitiert sind, dass sie nur ein Bruchteil des Bedarfes schwer (Körper-)Behinderter decken, also zu völliger Unterversorgung geführt hätten. In den "Genuss" kommen konnten also die Menschen mit niedrigen Hilfebedarf oder mit hoher ergänzender Hilfe auf ehrenamtlicher Basis.

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