
Von Françoise Letroite Paris (kobinet) Zweimal reiste Wolfgang Amadeus Mozart in die französische Hauptstadt. Dessen 250. Geburtstag feiert die Welt am 27. Januar. Die Pariser Oper eröffnet an diesem Tag das Mozartjahr mit einer Neuinszenierung des "Don Giovanni". Der Geburtstag von Mozart (1756-1791) ist Auftakt zahlreicher Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Als siebenjähriges "Wunderkind" wurde Mozart bei seinen Konzerten in Paris umjubelt. Hier komponierte er seine ersten Werke, Sonaten für Violine und Klavier. Im Amphithéâtre Bastille hat die Pariser Oper am 11. Februar zu einem ganztägigen internationalen Colloque über das Werk und die Persönlichkeit des Komponisten eingeladen. Namhafte Historiker, Philosophen, Schriftsteller und Künstler werden erwartet. Nach neueren Forschungen wird vermutet, Mozart habe mit dem Tourette-Syndrom gelebt, benannt nach dem Neurologen Georges Gilles de la Tourette von der Pariser Universitätsklinik Salpêtrière. Die Maladie de tic wurde erstmals 1825 in der Wissenschaft erwähnt. 1885 hat der französische Arzt sie dann ausführlich beschrieben. Bis heute gibt es keine Therapie, die zu einer Heilung der chronischen Krankheit führt. Aufgrund historischer Dokumente wird diskutiert, ob auch Napoleon, Peter der Große und Wolfgang Amadeus Mozart ein Tourette-Syndrom hatten. Schilderungen von Zeitgenossen werden erwähnt, nach denen Mozart häufig gestolpert, unvermittelt in Gelächter ausgebrochen oder unruhig, mit unmotivierten Bewegungen im Zimmer herumgelaufen sei. In diesem Zusammenhang wird auch Mozarts Briefwechsel etwa mit seiner Cousine Maria Anna Thekla in Augsburg genannt, der oft ins pubertär Obszöne umgeschlagen sei. Selbsthilfegruppen und allerdings nur wenige spezialisierte Ärzte wissen heute in den meisten europäischen Ländern, wie mit dieser Behinderung umgegangen werden kann. Zahlreiche Menschen mit Tourette-Syndrom beweisen ihre Kreativität und Kompetenz im Berufsleben. In den in Europa kooperierenden Organisationen der Betroffenen wird viel getan, um Eltern und Lehrer darüber aufzuklären, wie Symptome des Tourette-Syndroms bei Kindern und Heranwachsenden zu erkennen sind. Vor allem aber sind sie auf die Entwicklung der Selbsthilfe von Menschen gerichtet, die nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden dürfen. Das Mozartjahr könnte genutzt werden, auch für sie neue Chancen ihrer beruflichen Integration zu eröffnen. sch www.tourette.de