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30.01.2006 - 09:57

Selbstbestimmung statt Ausgrenzung finanzieren.

Selb (kobinet) Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) will verstärkt dafür eintreten, dass behinderte Menschen ambulant statt stationär unterstützt werden. Die "Anstalten" gehörten der Geschichte an und müssten auch dementsprechend aufgelöst werden, erklärte Uwe Frevert vom Vorstand der ISL im Anschluss an eine Klausurtagung des ISL-Vorstandes am Wochenende in Selb. "Wir von der ISL wollen uns in Zukunft verstärkt gegen das große Schweigen der Aussonderung behinderter Menschen stellen und offensiv dafür eintreten, dass behinderte Menschen ambulant statt stationär unterstützt werden. Denn das "Anstaltswesen", dem behinderte Menschen immer noch massenhaft ausgeliefert sind, gehört schlichtweg der Geschichte an", erklärte Uwe Frevert. Der Elektrorollstuhlnutzer hat selbst Erfahrungen mit der Ausgrenzung in Sondereinrichtungen gemacht und will sich für die ISL zukünftig verstärkt dafür einsetzen, dass Sondereinrichtungen abgeschafft und ambulante Alternativen aufgebaut werden. "Wir haben mittlerweile viele ambulante Angebote und Dienste, zudem haben wir behinderte Menschen immer wieder bewiesen, dass ein Leben in der Gemeinde mit der entsprechenden Unterstützung möglich ist und letztendlich zeigen vielfältige internationale Erfahrungen, dass ein Umstieg auf ambulante statt stationäre Hilfen nicht nur möglich, sondern auch im Sinne der Menschenrechte behinderter Menschen angesagt ist. Doch hierzulande wird dies nach wie vor verdrängt, Eigeninteressen von Verbänden und Trägern von Einrichtungen sind daran genauso schuld wie eine phlegmatische und zum Teil noch mittelalterliche Politik und Verwaltungspraxis. Diesen Trends sagen wir nun den Kampf an", erklärte Uwe Frevert. Die ISL will sich zukünftig mit Aktionen und Veranstaltungen, aber auch mit konkreten Gesetzesvorschlägen für einen radikalen Perspektivenwechsel in diesem Bereich stark machen. "Denn solange behinderte Menschen in 'Anstalten' abgeschoben werden, wo ihre Freiheit massiv eingeschränkt wird, ist dies eine Bedrohung für alle behinderten Menschen", so Frevert. omp 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Gustav Zechmeister schrieb am 30.01.2006, 16:35

Die Wahl ist manchmal Qual

Die Wahlfreiheit ist manchmal nicht für alle bequem. Ich kenne in Kassel einen Kämpfer der ersten Stunde. Der bei der Entstehung und Umsetzung vieler neuer Ideen dabei war und für die Zukunft sich ein Leben an der Seite seiner Eltern im Altersheim wünscht. Da frage ich warum? Hat die Planung des Selbstbestimmt Lebens versagt oder hat ihn bis jetzt das Konzept nicht überzeugt?

Gustav Zechmeister

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