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06.02.2006 - 00:43

Und wieder eine neue Werkstatt.

Bonn (kobinet) Trotz aller Bemühungen für unterstützte Beschäftigung und integrierte Arbeitsplätze wird schon wieder eine neue Werkstatt für behinderte Menschen neu gebaut. Dieses Mal in Bonn-Beuel, wo 1,2 Millionen Euro Zuschuss aus Mitteln des Landschaftsverbandes Rheinland gezahlt werden. Dieser Mitteleinsatz für aussondernde Einrichtungen wird heftig vom Forum selbstbestimmter Assistenz kritisiert. "Mit Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und des Landes Nordrhein-Westfalen errichtet die GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn GmbH in Bonn-Beuel eine neue Werkstatt für psychisch behinderte Menschen. Der Leiter des Rheinischen Sozialamtes beim LVR, Klaus Heuser, übergab jetzt die Förderbescheide für Bau- und Ausstattungskosten in Höhe von insgesamt rund 1,2 Millionen Euro. Davon übernimmt das Integrationsamt des LVR mit rund 690.000 Euro den größten Anteil", meldete der LVR. Der Neubau werde insgesamt rund 1,8 Millionen Euro kosten. Die Bundesagentur für Arbeit und die Gemeinnützigen Werkstätten selbst finanzieren den restlichen Anteil. Entstehen sollen mit diesen Mitteln 80 Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Behinderung. Sie sollen Arbeit finden in Versand, Verpackung und Konfektionierung, bei der Lagerwirtschaft und im Hauswirtschaftsbereich. "Es ist zum Mäuse melken. Da denkt man an einem Ende, dass jemand mal verstanden hat, warum integrierte Arbeits- und Wohnplätze so wichtig sind und kaum dreht man sich um, entsteht auf der anderen Seite schon wieder eine neue Aussonderungseinrichtung. Dieser ineffektive und aussondernde Geldeinsatz wird dann auch noch groß gefeiert. Das ist höchst ärgerlich", erklärte Elke Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen. Auch Stefan Göthling von Mensch Zuerst ist verärgert. Werkstätten für behinderte Menschen seien in der Regel wie eine abschüssige Einbahnstraße. "Man kommt leicht rein, aber so gut wie nicht mehr raus", sagte Göthling. Dieses Beispiel zeigt nach Ansicht von Uwe Frevert von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, dass wir hierzulande eine radikalere Gangart gegen Aussonderungseinrichtungen einschlagen müssen. "Denn das Geld, dass in solche Bauten gesteckt wird, fehlt schlichtweg an sinnvollen Projekten mit integrativem und individuellem Charakter. "Das Persönliche Budget wird auf der einen Seite gepredigt, um auf der anderen Seite weitere Mauern aufzubauen", so Frevert. Daher sei es an der Zeit, dass der Gedanke von Persönlichen Budgets und integrativen Beschäftigungsprojekten mit unterstützter Beschäftigung endlich konsequent voran getrieben werden. "Es wird zukünftig mit Protesten gegen eine Behindertenpolitik des 19. Jahrhunderts zu rechnen sein", so Uwe Frevert. omp 

 
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