
Berlin (kobinet) Auf dem Rücken einer behinderten Autokäuferin liefern sich zwei Autoumrüster einen Kleinkrieg. In der Zwischenzeit kann die Auftraggeberin sehen, wie sie so lange ihr Leben und ihre Arbeit ohne Auto organisiert. Fast 46 Millionen PKWs besitzen Deutschlands Autofahrer. Trotzdem stellt der Kauf eines neuen Autos immer noch etwas Besonderes dar. Wie das Beispiel von Eileen Moritz zeigt, kann sich Vorfreude auf das neue Fahrzeug auch schnell in Stress und Ärger verwandeln. Die 42-jährige, berufstätige Berlinerin ist kleinwüchsig. Deshalb benötigt sie ein Auto, das auf ihre speziellen Bedürfnisse umgerüstet ist. Dass sie, oder besser ihr zukünftiges neues Auto, einmal als "Pfand" bei Zwistigkeiten zwischen dem Autoumrüster Paravan und der Firma paramobil Berlin dienen sollte, konnte sie nicht ahnen. kobinet-Redakteurin Elke Bartz sprach mit Eileen Moritz über ihre Erlebnisse. kobinet-nachrichten: Eileen Moritz, Sie haben vor einem Jahr beim Arbeitsamt die Kostenübernahme für die Umbauten eines für sie geeigneten Autos beantragt. Ist das Ihr erstes Auto? Eileen Moritz: Nein, ich hatte bereits ein Auto mit einem "ladeboy Einzugssystem", mit dem ich einen E-Fix (Anm. d. Red.: ein spezieller Rollstuhl mit elektrischem Antrieb) transportieren konnte. kobinet-nachrichten: Warum können oder wollen Sie Ihr altes Auto nicht mehr länger nutzen? Eileen Moritz: Um meinen E-Fix mit dem Ladeboy ins Auto zu verladen musste ich um das Auto herumlaufen. Und das ging eigentlich schon lang nicht mehr. Inzwischen brauche ich einen Elektrorollstuhl, der in mein jetziges Auto nicht rein passt. kobinet-nachrichten: Was für ein Auto wird das neue sein? Eileen Moritz: Ja, ja das neue Auto. Wenn es denn mal mein sein wird, ... wird ein Kia Carneval sein, mit einer Unterflurrampe, so dass ich mit dem Elektrorollstuhl direkt hinter das Lenkrad fahren kann. kobinet-nachrichten: Wie war das mit der Antragstellung? Haben Sie die Kostenzusage unproblematisch bekommen; oder war sie mit Auflagen verbunden? Eileen Moritz: Das Arbeitsamt hatte Vorbehalte gegen den Autoumrüster paravan und wollte unter keinen Umständen, dass der gesamte Umbau-Auftrag an diese Firma ging. Eventuell wollte das Arbeitsamt auch, dass das Geld für die Umbauten regional eingesetzt wird. Das ist ja erst mal eigentlich nicht schlecht. Und außerdem dachte ich, dann habe ich für die Garantie usw. auch einen Ansprechpartner in Berlin. Daher suchte ich eine Firma in Berlin, eben Paramobil, die mit paravan kooperiert. Paramobil Berlin hat dann vom Arbeitsamt den Auftrag erhalten und dann paravan den Umbau für die Rampe in Auftrag gegeben, weil dies in Berlin nicht auf entsprechend angeboten wird. kobinet-nachrichten: Was geschah dann? Eileen Moritz: Na, eben gar nichts... Im August wurde mein Kia zu paravan verbracht. Monatelang rief ich alle 14 Tage bei paramobil Berlin an, die immer meinten, das Auto sei nicht fertig. Auch bei paravan erhielt ich immer wieder diese Aussage. Erst dachte ich, nun ja, ein schwerer Umbau braucht Zeit. Dabei dürfen Sie nicht vergessen, dass ich ja inzwischen keinen Rollstuhl mehr verladen konnte. Also musste mich jeden Morgen jemand ans Auto bringen; ich fuhr zur Arbeit und eine Arbeitskollegin brachte mir meinen Elektrorollstuhl, den ich inzwischen auf der Arbeit abgestellt hatte. Also alle anderen Fahrten wie z.B. Schwimmen, Krankengymnastik, Einkaufen, ein Treffen in der Kneipe waren nicht mehr möglich, weil ich ja keinen Rollstuhl mitführen konnte mit dem ich allein fahren konnte. - Als dann auch noch mein bisheriges Auto am 9. Januar einen Totalmotorschaden erlitten hat und ich massiven Druck ausübte, kam Herr Arnold, Chef von paravan, raus mit der Sprache... Und nun halten Sie sich fest: Der Wagen ist bereits seit Mitte November 2005 fertig !!!!! Er behält ihn nun, weil paramobil Berlin ihm noch Geld schulden würde. Ich war einfach fassungslos. Da ich wusste, dass das Arbeitsamt überwiesen hatte, fragte ich nur noch, ob die Überweisung für die Umbauten meines Wagens denn angekommen sei. kobinet-nachrichten: Und dann? Eileen Moritz: Er sagte ohne jedes Unrechtsbewusstsein 'ja' und meinte, ich solle mal mit paramobil Berlin sprechen, damit die ihre Schulden bezahlen. Sicherlich können Sie sich vorstellen, dass ich da am Telefon nicht mehr so ganz formvollendet war und meine Stimme sich etwas schrill überschlug, als ich meinte, was ich wohl mit den Schulden von paramobil Berlin zu tun hätte, und ob ich wohl sein Schuldeneintreiber sei! Daraufhin legte er auf... kobinet-nachrichten: Wie fühlen Sie sich angesichts der geschilderten Probleme? Eileen Moritz: Naja, erst wird man als Kunde hofiert. Zugeständnisse werden gemacht: der Umbau sei in drei Monaten fertig (nicht das ich das geglaubt hätte, so naiv war ich dann doch nicht). Und dann plötzlich sind die, die sich vermeintlich für die Interessen behinderter Menschen einsetzen bereit, das Auto drei Monate zurückzubehalten, um ihren Kleinkrieg mit einer anderen Firma auszutragen. Wobei paramobil Berlin "mitspielt" und mir auch nicht mitteilte, was wirklich los ist. Sonst hätte ich ja viel schneller reagieren können. - Ich weiß auch, dass ich einmal bei paravan erzählt habe, dass ich eine Stunde vor dem Haus warten musste weil die Freundin, die mich an dem Abend wieder ins Haus bringen sollte, beruflich aufgehalten worden ist. Da wurde mir Mitgefühl ausgesprochen. Dabei stand der Wagen bereits fertig bei denen vor der Tür. Da fühlt man sich einfach nur fassungslos, ohnmächtig und so gar nicht mehr als Kunde... Denn die Rechnung für den Umbau ist ja bereits vom Arbeitsamt bezahlt worden. Da kann ich mich auf den Kopf stellen; ich habe ja nicht wirklich eine Möglichkeit Druck auf die Firmen auszuüben. Fragen Sie sich doch nur mal, ob sich dies ein nicht behinderter Autokäufer hätte bieten lassen. Der wäre doch einfach vom Kaufvertrag zurückgetreten, hätte den Preis gedrückt usw. Solche Kostenübernahmen vom Arbeitsamt oder anderen Kostenträgern müssten - von mir aus auch über ein geschütztes Konto - ähnlich wie ein Persönliches Budget den Antragstellern zur Verfügung gestellt werden. Damit könnten sie Kunden bleiben, nicht nur bis zur Kostenübernahme - denn da musste ich bei paramobil Berlin als erstes eine Abtrittserklärung unterschreiben - sondern bis zur Auslieferung und Überprüfung des Wagens! kobinet-nachrichten: Ich danke für das Gespräch.
koller peter schrieb am 27.04.2008, 23:19
Ich fand es echt toll,mal andere Berichte zu lesen die eine Negative meinung von Paravan haben.Bei meiner lebensgefährin ist es das gleiche.Man ist bis zum erhalt des Autos der beste Kunde aber wehe man hat das Autos dann geht der stress erst richtig los.
Egal was kommt wenn man probleme mit dem von Paravan umgebauten auto hat,sagen sie immer Bedien fehler doch sie sagen nicht das auch sie fehler machen.Es vergeht keine woche an dem der kia kein mängel aufweist und das in der Garantie zeit.Irgendwann kann und will man nicht mehr.
Letzte Woche war das Auto in der Werkstadt und kann zurück.Ich habe sofort bemerkt das sie eigentlich nichts gemacht haben und als ich sie zurrede stellte sagten sie wieder es würde gehen man muß es nur richtig bedienen.Voll angelogen.
Es stimmt wenn man ein Auto gefördert bekommt hat man keine chance druck auszuüben,im gegenteil man will einem den Mud stopfen in dem man ein Schreiben unterschreiben muß oder einem das Auto wieder weggenommen wird.
Und jetzt verliert meine Freundin so langsam den spass und das vertrauen am Fahrzeug.Wenn es unsere 130.000 euro wären dann hätten sie das Auto wieder.
Sollte irgend jemand schlechte erfahrung zu diesen Thema haben bin ich froh wenn ich drüber lesen könnte.
Thomas Zyw schrieb am 11.10.2006, 21:22
Ich hoffe sehr für sie das diese "unglaubliche" Geschichte sich zum guten gewendet hat.
Ich selber bin Handwerker im Angestelltenverhältniss in dieser Branche, seit nunmehr 8 Jahren.
In allen Berufen giebt es Fachleute für jegliche Aufträge.
In diesem Fall hat Ihnen hoffentlich aich ein Fachmann geholfen. -- Ein Rechtsanwalt.
Selbst der dümmste Rechtsanwalt dieser Welt leckt sich nach dieser Geschichte die Finger,
weil er nie einen Fall leichter gewinnen könnte.
Innerhalb kürzester Zeit wird er eine Einstweilige Verfügung erwerben und sie haben Ihr Eigentum zurück.
Der Staatsanwalt kümmert sich um den Rest.
Ich denke es kommt nicht einmal zur Hauptverhandlung.
Ich hoffe es ist so passiert.
Viele Grüße aus Norddeutschland
Thomas
Hans-Reiner Bönning schrieb am 10.02.2006, 20:30
Danke an Eileen Moritz und an kobinet für die ausführliche Darstellung.
Dass bei Auto-Umbauten - nicht nur die beiden genannten Firmen - nur selten auf zeitliche Absprachen und Qualität Verlass ist, ist vielen Betroffenen bekannt.
Bei den Firmen Paravan und Para mobil scheint hier allerdings ein Entwicklungsstand erreicht,
der nicht nur kundenunfreundlich, sondern eindeutig kriminell ist:
- In dem geschildeten Fall geht es zumindest um Diebstahl und Nötigung,
außerdem um Betrug und Veruntreuung.
Hier sollte umgehend mit juristischen Mitteln eigegriffen werden und die jeweils zuständigen Handwerkskammer informiert werden.
In einem anderen Fall, in dem diese beiden Firmen verwickelt sind, geht es um Pfusch, Verschleppung von notwendigen Reparaturen während der Garantiezeit - bis diese abgelaufen ist.
Auf diesem Hintergrund erscheint auch die Werbemasche beider Firmen besonders bedenklich:
Beide werben auf ihren Webseiten nicht nur mit ihrer tollen Qualitätsarbeit, sondern tun auch noch so (besonders Paravan), als wären sie zugleich eine Art Behindertenorganisation ...
Die Beschäftigung eines angeblichen Ombudsmann (siehe vorigen Leserbrief) erscheint so eher als Kundentäuschung und als Trick, um Beschwerden abzufangen.
Die Firma Paravan hatte vor einiger Zeit zwei behinderte Mitarbeiter, mit denen sich die Firma bei behinderten Kunden als besonders vertrauenswürdig einschmeichelte ... Diese Mitarbeiter waren genausolange beschäftigt, wie ihre Arbeitsamtszuschüsse reichten und bis mit ihren Arbeitsplatzzuschüssen die Rollitoilette für die Kunden und diverse Rampen bezahlt waren ...
Otto Engel schrieb am 09.02.2006, 13:48
Bei meinen Nachforschungen zur Firma Paravan bin ich im Kobinet-Archiv vom 14.02.04, 14.35 Uhr auf den Ombudsmann für gehandicapte Autofahrer, Herrn Oliver Raach, bundesweiter Ansprechpartner
Tel. 07388/999566 aufmerksam geworden.
In der Kobinetmeldung steht weiter, Herr Raach ist 39-jäh-
riger Kfz-Meister und arbeitet als Diplom-Betriebswirt für die
Firma Paravan.
Für mich ist das Verhalten der Firma Paravan total unverständlich.
Kurzer Anruf von Eileen Moritz
bei Herrn Raach würde das Problem sicherlich lösen.
Viel Erfolg!
Otto Engel aus Bremerhaven
(Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger Menschen e.V.)