![]()
Druckversion
kobinet-nachrichten
17.02.2006 - 13:53
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Berlin (kobinet) Für die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung ist die Beteiligung der Betroffenen als Experten in eigener Sache von zentraler Bedeutung. Im Rahmen einer gemeinsamen Tagung der Behindertenbeauftragten und der Lebenshilfe zur Barrierefreiheit für Menschen mit geistiger Behinderung betonte Karin Evers-Meyer, dass die Betroffenen ein Recht darauf haben, mitzubestimmen, wo und wie sie wohnen, arbeiten und leben wollen. Im Kleisthaus, dem Dienstsitz der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, haben sich am 15. und 16. Februar rund 50 Menschen mit und 50 ohne Behinderungen mit den Fragen beschäftigt: Was ist für Menschen mit geistiger Behinderung oder mit Lernschwierigkeiten wichtig, um selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können? Welche Barrieren gibt es? Was muss verändert werden? Menschen mit Behinderungen, Verbändevertreter, Behindertenbeauftragte von kommunaler und Länderebene, Vertreter der Deutschen Bahn, Stadt- und Verkehrsplaner und Dienstleister aus den verschiedensten Bereichen haben in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die unterschiedlichen Lebensbereiche unter die Lupe genommen und herausgearbeitet, wo die Probleme liegen und welche Lösungsansätze es geben kann. Einige gute Beispiele, wie man Informationen, bauliche Anlagen und Dienstleistungen so gestalten kann, dass auch Menschen mit geistiger Behinderung oder Lernschwierigkeiten sie verstehen und nutzen können, gibt es in Deutschland nach Informationen der Behindertenbeauftragten schon. Sie müssten weiter entwickelt und zur Selbstverständlichkeit werden, denn davon könne jeder profitieren. "Das Wichtigste jedoch ist - wie sich hier wieder gezeigt hat - die unmittelbare Beteiligung Betroffener als Experten in eigener Sache. Sie haben ein Recht darauf, mitzubestimmen, wo und wie sie wohnen, arbeiten und leben wollen. Die Gesellschaft muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft allen Menschen ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe möglich ist. Grundlegende Voraussetzung dafür ist die Verwendung einer einfachen Sprache, die jeder versteht. Viele Menschen werden ausgegrenzt, weil die Sprache zu schwierig ist," erklärte Karin Evers-Meyer. "Ich werde mir die Ergebnisse dieser zwei Tage sehr genau anschauen. Ihre Arbeit als Experten in eigener Sache ist ein wichtiger Impuls für meine politische Arbeit. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir Ihren Vorschlag, einen runden Tisch zum Thema leichte Sprache zu veranstalten, bald gemeinsam realisieren können," erklärte Karin Evers-Meyer in ihrer Abschlussrede. Waltraud David vom Vorstand von Mensch Zuerst, dem Netzwerk People First Deutschland, zeigte sich erfreut darüber, dass ein runter Tisch zur leichten Sprache eingerichtet werden soll. "Dabei ist es für uns selbstverständlich, dass die Betroffenen selbst mit einbezogen werden. Denn gerade für uns Menschen mit Lernschwierigkeiten ist eine schwere Sprache eine der größten Barrieren, die uns das Leben schwer machen", erklärte Waltraud David. Deshalb sei es wichtig, dass die Aktivitäten für eine leichte Sprache zusammen geführt und die Betroffenen dabei stets einbezogen werden. omp
Hans-Reiner Bönning schrieb am 18.02.2006, 23:30
Sicher "könnte man", auch "frau" könnte, liebe Frau Riediger-Wirthensohn -
warum tun sie´s nicht direkt, so wie es viele Menschen mit Behinderung (egal, wodurch und seit wann sie behindert sind) selber tun - darauf bezieht sich ja diese kobinet-Meldung! - und auch viele Mütter und (na ja: wahrscheinlich noch nicht so viele) Väter?
Oder suchen Sie einfach Kontakt zu engagierten MitstreiterInnen?
Den fänden Sie bestimmt allein schon über die Links der kobinet-Seite zu verschiedenen Vereinen und Gruppen.
Ihnen viel Mut und Erfolg!
Herzliche Grüße,
Hans-Reiner Bönning
reiner.boenning@bzsl.de
Elisabeth Riediger-Wirthensohn schrieb am 17.02.2006, 22:27
Ich würde mir in naher Zukunft den gleichen Einsatz der Behindertenbeauftragten für geburtsbehinderte Menschen, die nicht oder nicht mehr erwerbstätig sein können und vielleicht zusätzlich in Eltern/Einelternverantwortung stehen, wünschen.
Vielleicht gibt es eine politische Vertretung für diesen Personenkreis, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen.
Man könnte z.B. anregen, dass die Familienpolitik auf Landes- und Kommunalebene eben die behinderungsbedingten Bedürfnisse dieser Menschen mitberücksichtigt.
Als ehemalige ehrenamtliche Landrätin kennt Frau Karin Evers-Meyer die kommunalen Strukturen und weiß wo es für behinderte Menschen dort im Argen liegt; bei allen guten Ergebnisen allgemein für behinderte Menschen.
Grüsse, Elisabeth Riediger-Wirthensohn
© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten