
Berlin (kobinet) Wie nah die theoretische Beschäftigung mit dem Thema Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten und die Praxis auf der Straße zusammen liegen kann, musste vor kurzem Petra Groß von Mensch Zuerst, dem Netzwerk People First Deutschland, in Berlin erleben. "Die Türen waren lang genug auf", meinte ein Berliner Busfahrer nachdem er die Bustür sozusagen vor der Nase von Petra Groß von Mensch Zuerst einfach geschlossen hatte. Zuvor zeigte sich der Busfahrer bereits nicht sonderlich erfreut darüber, dass Waltraud David vom Vorstand von Mensch Zuerst mit dem Rollstuhl in den Bus, der über einen Hublift verfügt, einsteigen wollte. "Das war echt der Hammer. Nachdem Waltraud David mit dem Rollstuhl über den Hublift eingestiegen ist, wartete ich bis dieser wieder eingefahren war. Ich wollte da nicht drauf treten, weil der sonst ja kaputt gehen konnte. Doch bevor ich richtig schalten konnte, hatte der sehr unfreundliche Busfahrer mir die Tür vor der Nase zugemacht. Ich stand draußen und konnte nicht mit den anderen mit", beschreibt Petra Groß den Vorgang. Alles Klopfen und Protestieren von Petra Groß half nichts. Auch die Unterstützung einiger Fahrgäste und der Unterstützerin von Petra Groß, die bereits im Bus waren, konnten den Busfahrer vom Abfahren nicht hindern. Und selbst der Hinweis darauf, dass Petra Groß zur Gruppe gehöre, konnte den Busfahrer nicht erweichen, sondern nur zur Aussage "die Türen waren lange genug auf" verleiten. Als die Unterstützerin von Petra Groß den Busfahrer an der Endstation am Bahnhof Zoo nach seinem Namen fragte, weigerte er sich, ihr diesen zu sagen und drohte damit, dass wenn sie nicht gleich aussteige, er weiterfahren würde. Nach diesem Ausschluss aus dem Bus musste sich Petra Groß allein durch Berlin zum Tagungsort ins Kleisthaus durchschlagen. Dort fand eine gemeinsame Veranstaltung der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung und der Lebenshilfe zur Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten statt. "Ich hatte großes Glück, dass ich mich schon ein bisschen auskannte und mir Leute beim Durchfragen geholfen haben. Sonst wäre das ein echtes Problem für mich geworden", erklärte Petra Groß. Sie will sich nun bei den Berliner Verkehrsbetrieben beschweren. Denn es kann nicht sein, dass ein solcher Busfahrer weiter sein Unwesen treibt, ohne dass er eine Ermahnung erhält und lernt, freundlicher zu werden, meint Petra Groß. omp