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18.02.2006 - 08:50

Sozialstation befürchtet Verlust von Arbeitsplätzen.

Ladenburg/Schriesheim/Hollenbach (kobinet) Wie die Geschäftsführerin der Initiative Selbsthilfe Multipler Sklerose Kranker (MSK), Rita Dittmann, heute gegenüber kobinet mitteilt, hat die Rhein Neckar Zeitung kürzlich von "den Sorgen der Sozialstation Unterer Neckar" berichtet. Diese befürchte laut Zeitungsmeldung, dass durch den illegalen Einsatz ausländischer Pflegekräfte in deutschen Privathaushalten ihre Arbeitsplätze gefährdet seien. Dagegen solle laut stellvertretender Pflegedienstleiterin Karin Weinheimer die Politik regelnd eingreifen. Sie könne nicht verstehen, dass in den Privathaushalten keine Kontrollen wie in der Ernte- und Baubranche durchgeführt würden. Schon jetzt sei die Situation eingetreten, dass mangels Kapazitäten zwei Stellen für Zivildienstleistende nicht mehr besetzt werden könnten.

Rita Dittmann, die selbst ihren an Multipler Sklerose erkrankten Mann pflegt, ist empört und wütend zugleich: "Sollen jetzt in den Haushalten alter und behinderter, pflegebedürftiger Menschen Razzien wie bei Schwerverbrechern stattfinden?" Sie verstehe, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlieren will, doch: "Was uns besonders 'aufstößt' ist, dass hier nur die Ängste um den eigenen Arbeitsplatz bejammert werden".

Die Mitarbeiter der Sozialstation gingen dabei in keiner Weise auf die Situation der alten und behinderten Menschen ein, die auf umfangreiche Hilfen bis rund um die Uhr angewiesen seien. "Das kann doch zu den Kostensätzen der Sozialstationen, wenn sie überhaupt diese umfangreichen Leistungen erbringen können, niemand bezahlen. Die Leistungen der Pflegeversicherung reichen dafür hinten und vorne nicht aus; und die Kostenträger wie die Sozialämter weigern sich die ungedeckten Kosten zu übernehmen. Lieber versuchen sie die Pflegebedürftigen in Anstalten abzuschieben". Und dass sei ja angesichts der Erfahrungsberichte von Heimbewohnern und deren Angehörigen in den meisten Fällen unzumutbar.

"Wir sind auch nicht glücklich darüber, dass ausländische Pflegekräfte zu Dumpinglöhnen - und dazu oft sogar illegal - in den Haushalten arbeiten. Wir setzen uns seit vielen Jahren dafür ein, dass Pflege- und Assistenzpersonen in regulären Beschäftigungsverhältnissen zu regulären Löhnen beschäftigt werden können. Das muss dann auch für alle gelten und nicht nur für eine 'Elite', die es geschafft hat, die Kostenübernahmen dafür durchzusetzen", erklärte Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.) "Doch welche Alternativen haben die Betroffenen? Sollen sie unterversorgt zuhause bleiben, weil sie sich die Hilfe nicht leisten können? Oder sollen sie in die Einrichtungen mit der Aufgabe von Selbstbestimmung und Lebensqualität ziehen?"

Bartz berichtete, dass ihr Familien bekannt seien, die sich bemüht hätten, für ihre pflegebedürftigen Angehörigen deutsche Kräfte legal zu beschäftigen. "Das war aber unmöglich. Niemand war bereit, intensive Beaufsichtigung und Unterstützung zu leisten. Ihnen blieb nur die Wahl, die Angehörigen 'abzuschieben', wenn die Familie die Hilfe nicht mehr leisten konnte - oder eben ausländische Kräfte zu nehmen. Wer will ihnen das verdenken?"

"Ich finde es entsetzlich, wenn diejenigen, die vorgeben sich für behinderte und alte Menschen einzusetzen, zwar die eigene Situation beklagen, ja sogar Kontrollen im intimsten und geschützten Bereich der Familien durchführen lassen wollen, ansonsten aber keine Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, die den Betroffenen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen", so Bartz. omp
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Elisabeth Riediger-Wirthensohn schrieb am 18.02.2006, 11:23

Behinderte bleiben aufz.B. auf Sozialstationen ang

Für behinderte Menschen, die aus privaten Mitteln z.B. zu über Sozialhilfeträger finanzierte Haushaltshilfekosten aufbringen müssen, da es keine einkommensunabhängige Leistungen für geburtsbehinderte Menschen, die nicht erwerbstätig sein können gibt, kann sich die Frage auftun, ob sie diese festgesetzten Eigenanteile für den Lebensunterhalt ihrer minderjährigen Kinder einsetzen und dann wegen Geldmangel notgedrungen auf Haushaltshilfeeinsätze verzichten müssen (Kind geht vor!).

Privat zu organisierende Hilfen kann man unter Umständen wenig Vertrauen entgegenbringen, wegen Unzuverlässigkeit oder häufigem Wechsel usw.

Kommt es dann noch zu Diebstahl bei privaten oder institutioneller Inanspruchnahme einer Haushaltshilfe, die man nicht nachweisen kann, weil man als behinderter Mensch niemals damit rechnen würde, solche Eingriffe im intimsten und geschützten Bereich der Familie hinnehmen zu müssen, bleibt man eben im Nachhinein "unterversorgt".

Man ist in keiner Weise vor Unzulänglichkeiten privater Hilfen oder bestimmten Personal aus Institutionen geschützt.

Damit tut sich evt. ein Dilemma für behinderte Menschen auf, die selbstbestimmt im Leben stehen wollen:

Schutz der Privatsphäre oder Kontrolle in Haushaltshilfeeinsätzen!

Auf kommunaler Ebene, im Wohnungsumfeld bleibt es behinderten Menschen, ohne das Vorhalten von Träger unabhängigen Beratungsangeboten, überlassen, wie sie z.B. Haushaltshilfeeinsätze organisieren und finanzieren.

Dies kann eine zusätzliche "Problemlage" im Alltag behinderterter Menschen bedeuten.

Hierfür interessiert sich keine politische Instanz.

Grüsse, Elisabeth Riediger-Wirthensohn

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