Kopf-Werbung und Navigation überspringen
Kopf-Werbung überspringen

Werbung
Werbebanner zu Urlaub in Sachsen ohne Barrieren
Werbebanner zu Beratungstelefon Persönliches Budget
Werbebanner zu Hier könnte Ihre Werbung sein
Werbebanner zu Alle inklusive! Die neue UN-Konvention
Link zur Startseite Link zur Inhaltsübersicht Link zu Informationen Link zur Kontaktseite
Druckversion
21.02.2006 - 09:46

Menschenrechtsverletzung an deutschen Schulen.

Rheinsberg (kobinet) In einem offenen Brief wenden sich 14 ProfessorInnen, sowie mehr als 70 Fachpersonen an den UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz, der derzeit die Situation hinsichtlich von Menschenrechtsverletzungen an deutschen Schulen untersucht. Heute Nachmittag wird dieser seinen Bericht präsentieren.

Die ProfessorInnen und Fachpersonen betonen, dass im deutschen Bildungssystem keine Chancengleichheit besteht. Während der 20. Jahrestagung zur Integrationsforschung wurde mit neuen empirischen Ergebnissen diese Ungleichheit belegt. Die Forscherinnen und Forscher sprechen von einer strukturellen Menschenrechtsverletzung an deutschen Schulen. Im folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten den Offenen Brief. omp


Offener Brief (Resolution) der 20. Tagung zur Integrationsforschung 2006

Sehr geehrter Herr Muñoz,

auf der 20. Tagung der Integrationsforscher/innen aus deutschsprachigen Ländern haben sich die Teilnehmer/innen vorrangig mit dem Thema Inklusion, der vollen und gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Sprache, Behinderung und sozialer Herkunft beschäftigt.

In den Vorträgen und Arbeitsgruppen wurde festgestellt, dass in der Bundesrepublik Deutschland sowohl gesamtgesellschaftlich als auch insbesondere im Bildungssystem keine Chancengleichheit besteht. Die Befunde gleichen sich seit über 30 Jahren.

In den Sonderschulen (Förderschwerpunkt Lernen) findet sich
- eine Überrepräsentanz der Kinder nichtdeutscher Herkunft,
- eine Überrepräsentanz der Armen,
- eine Überrepräsentanz der Jungen,
- eine Überrepräsentanz von Kindern arbeitsloser Eltern,
- eine Überrepräsentanz der Kinderreichen und
- eine Überrepräsentanz von Kindern, die von kultureller Armut betroffen sind.

Es konnte nachgewiesen werden, dass die Sonderschule nicht in der Lage ist, diese Benachteiligungen zu verringern. Dennoch werden Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gegen ihren und den Willen ihrer Eltern nach wie vor gezwungen, Sonderschulen zu besuchen. Es ist anzunehmen, dass diese Ergebnisse auch auf andere aussondernde Bildungsinstitutionen zutreffen.

Wir betrachten diese Tatsachen als eine strukturelle Menschenrechtsverletzung.

Auf der anderen Seite wurde in den letzten 30 Jahren durch vielfältige Forschung und Praxis eindrucksvoll belegt, dass gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung geeignet ist,

- die kognitive und sozialemotionale Entwicklung zu befördern,
- ihre soziale Integration zu unterstützen,
- das Miteinander der Verschiedenen zu gestalten und
- wechselseitige Akzeptanz aufzubauen.

Dies mit hoher Effizienz für das Lernen des Einzelnen.

Anstoß dieser Entwicklung vor 30 Jahren waren Eltern von Kindern mit und ohne Behinderungen, die den Wert der gemeinsamen Erziehung und Unterrichtung erkannt haben.

Bei der Einlösung dieser menschenrechtsbasierten Möglichkeiten liegt die Bundesrepublik Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück, obwohl sie mit der Unterzeichnung der Erklärung von Salamanca und der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention völkerrechtliche Verpflichtungen eingegangen ist.

Mit ihrem Besuch in Deutschland verbinden Eltern und die Fachöffentlichkeit die Erwartung, dass Sie in entscheidender Weise zur Realisierung dieser Menschenrechte in unserem Land beitragen.

Mit freundlichen Grüßen

stellvertretend für das Netzwerk Integrationsforschung
Prof. Dr. Jutta Schöler
Prof. Dr. Reinhard Burtscher


Unterschriftenliste, Samstag, 18. Februar 2006, Rheinsberg

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 20. Tagung zur Integrationsforschung in deutschsprachigen Ländern

1. Achermann, Bruno, Luzern
2. Alavanda, Gabriele, Neunkirchen
3. Amrhein, Bettina, Köln
4. Anken, Lars, Landau
5. Babilon, Rebecca
6. Behr, Isabel, München
7. Behrendt, Hansjörg, Berlin
8. Benkmann, Rainer, Prof. Dr., Erfurt
9. Bönning, Hans-Reiner, Dipl. M., Berlin
10. Brill, Werner, Dr., Bielefeld
11. Brokamp, Barbara, Köln
12. Brugger Paggi, Edith, Bozen
13. Burtscher, Reinhard, Prof. Dr., Berlin
14. Degen, Christoph, Neuberg
15. Deliry, Franziska, Berlin
16. Demmer-Dieckmann, Irene, Dr., Berlin
17. Deppe, Helga, Prof. Dr., Frankfurt
18. Doose, Stefan, Lübeck
19. Dreher, Walther, Prof. Dr., Köln
20. Düring, Katrin, Dr., Schönwalde
21. E. Prammer, Eva, Diplpäd., Bad Leonfelden
22. Eichfeld, Christian, Leipzig
23. Feuser, Georg, Prof. Dr., Zürich
24. Feyerer, Ewald, Linz
25. Forcher, Heinz, Elmen
26. Garber, Franziska, Bozen
27. Geiling, Ute, Prof. Dr., Halle
28. Gille, Nicola, Halle
29. Ginnold, Antje, Berlin
30. Gloystein, Dietlind, Berlin
31. Goeke Stephanie, Ludwigsburg
32. Günther, Grit, Birkenwerder
33. Hagemann, Christine, Bielefeld
34. Hanke, Friederike, Köln
35. Hausmanns, Sibylle, Frankfurt
36. Heck, Georges, Belgien - Elten
37. Hohn, Kirsten, Hamburg
38. Hömberg, Nina, Berlin
39. Homburg, Ines, Fulda
40. Jerg, Jo, Dipl. Päd., Ludwigsburg
41. Katzenbach, Dieter, Prof. Dr., Frankfurt
42. Komorek, Michael, Berlin
43. Korff, Natascha, Bremen
44. Krämer-Kilic, Inge, Dr., Hannover
45. Kron, Maria, Prof. Dr., Siegen
46. Ladenthin, Jens, Birkenwerder
47. Mahnke, Ursula, Dr., Berlin
48. Maikovski, Rainer, Dr., Berlin
49. Mandratzi, Styliani, Berlin
50. Matt, Hedwig, Dipl. Päd., Berlin
51. Merz-Atalik, Kerstin, Prof. Dr., Ludwigsburg
52. Müller, Frank, J., Berlin
53. Münch, Jürgen, Dr., Köln
54. Niehues, Ulrike, Köln
55. Obenaus, Harald, Brandenburg
56. Paulmann, Regina, Berlin
57. Petzold, Karin, Berlin
58. Pietsch, Ina, Birkenwerder
59. Platte, Andrea, Dr., Heidelberg
60. Prammer, Willi, Linz
61. Prengel, Annedore, Prof. Dr., Potsdam
62. Preuss-Lausitz, Ulf, Prof. Dr., Berlin
63. Renner, Gregor, Dr., Berlin
64. Schnell, Irmtraud, Dr., Frankfurt
65. Schöler, Jutta, Prof. Dr., Berlin
66. Schultz, Christian-Peter, Berlin
67. Schumann, Brigitte, Essen
68. Schumann, Monika, Prof. Dr., Berlin
69. Schumann, Werner, Prof. Dr., Berlin
70. Seitz, Simone, Prof. Dr., Bremen
71. Solms, Katrinka, Berein
72. Sven, Jacobs, Dr., Flensburg
73. Terfloth, Karin, Dipl. Heilpäd., Köln
74. Textor, Annette, Berlin
75. Thiel, Maren, Halle
76. Thümmler, Ramona, Tübingen
77. Tuschel, Sonja, Dr. Wien
78. Voigt, Kathrin, Birkenwerder,
79. Weiss, Susanne, Salzburg
80. Wetzel, Kathleen, Berlin
81. Wilhelm, Marianne, Dr. Wien
82. Windisch, Matthias, Dr., Kassel
83. Wocken, Hans, Prof. Dr., Hamburg
84. Woldrich, Angela, Innsbruck
85. Wycisk, Dagmar, Birkenwerder
86. Zeisler, Katrin, Berlin
87. Ziemen, Kerstin, PD. Dr., Halle

Rheinsberg, 18. Februar 2006
Leserbrief schreiben
Artikel versenden

Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Peter Hilpmann schrieb am 21.02.2006, 15:13

Korrekturen

Kinder mit normaler Begabung dürfen nicht auf die Sonderschule abgeschoben werden. Hauptschüler schikanieren die Sonderschüler weil sie nicht das letzte Glied in der Kette sind.

Peter Hilpmann schrieb am 21.02.2006, 15:04

Die Sonderschule ist schlecht

Ich besuchte auf Grund meines Stotterleidens und der damit verbundenen Artikulationsschwierigkeiten die Sonderschule. Heute bin ich für diesen Schulbesuch doppelt rehabilitiert. Durch meinen Beruf und durch ein Schreiben. Jeder der Pädagogik studiert hat, weis das Grundschullehrer Kinder die Ihnen unbe-quem sind auf die Sonderschule abschieben obwohl Kinder mit normaler Begabung nachdem Gesetz nicht abgeschiben werden dürfen. In so einer Situation kann man den Be-
troffenen Eltern nur die Daumen drücken, das beim pschychologischen eine normale Begabung festgestellt wird. Eltern und Kinder werden von der Umwelt schikaniert. Am schlimmsten sind die Hauptschüler. Ich erfuhr von zwei unterschiedlichen Fachleuten folgendes : Die Sonderschüler stellen den Hauptanteil der Analphabeten. Die Hauptschüler schikanieren die Hauptschüler weil sie nicht das letzte Glied in der Kette sind

Mit freundlichem Gruß

Peter

Dipl.-Soz.Arb. Uwe Heineker schrieb am 21.02.2006, 11:37

Wie lange ...

... muss denn die Integration noch "erforscht" werden ... ?! Seit 30 Jahren sind längst die Vorzüge integrativer Erziehung bekannt - nun müssen Worten TATEN folgen!

Druckversion
Seitenanfang
Startseite

an den Anfang springen
Impressum

Validiert nach
Valid HTML 4.01
Mediadaten

© 2002-2009 kobinet-nachrichten

Dieser Internetauftritt wurde mit dem Content Management System @it
der dimedis GmbH, Köln erstellt.