Druckversion
kobinet-nachrichten
03.03.2006 - 14:19
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Kassel (kobinet) Anlässlich der Enthüllungen über die Misshandlungen von Heimkindern, die aktuell in dem Buch "Schläge im Namen des Herrn" von Peter Wensierski aufgedeckt wurden, bekennen sich die LWV-Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP zu der Verantwortung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV), der in dieser Zeit unter anderem Heime in Biedenkopf, Wabern, Guxhagen und Idstein betrieben hat. In einem jetzt eingebrachten Resolutionsantrag der drei Fraktionen in die Verbandsversammlung des LWV heißt es: "Der Landeswohlfahrtsverband Hessen erkennt an, dass bis in die 70er Jahre auch in seinen Kinder- und Jugendheimen eine Erziehungspraxis stattgefunden hat, die den damaligen gesellschaftlichen Werte- und Rechtsvorstellungen entsprochen hat, die aber aus heutiger Sicht erschütternd ist. Der LWV bedauert, dass vornehmlich in den 50er und 60er Jahren Kinder und Jugendliche auch in seinen Heimen alltäglicher physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt waren. Der Landeswohlfahrtsverband spricht sein tiefstes Bedauern über die damaligen Verhältnisse in seinen Heimen aus und entschuldigt sich bei denjenigen ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern, die körperliche und psychische Demütigungen und Verletzungen erlitten haben. Der Landeswohlfahrtsverband Hessen wird sich weiterhin offensiv mit diesem Kapitel seiner Vergangenheit auseinandersetzen und sich den Fragen und Unterstützungsersuchen ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner stellen sowie die in seinen Möglichkeiten liegende Unterstützung leisten." Die Fraktionsvorsitzenden Fritz Kramer (CDU), Holger Heupel (Grüne) und Ferdinand Walther (FDP) gehen davon aus, dass dieser Antrag in der nächsten Sitzung der Verbandsversammlung einstimmig verabschiedet wird. Heute Abend findet im Kasseler Haus der Jugend eine Lesung mit anschließender Diskussion mit dem Autor des Buches "Schläge im Namen des Herrn", Peter Wensierski, statt. omp
asdsfdsdf fsdfasdfs schrieb am 13.09.2007, 23:43
wann kommen die Verbrecher endlich vor Gericht ???????????
Es kann nicht angehen, dass die damaligen Opfer ihren Peinigern
heute die Rente zahlen.
Es gibt noch zu viele fette Arschlöcher die fette Renten beziehen
anstatt im Knast zu sitzen !
bis in die 80 er Jahre wurden Kinder in staatlichen und kirchlichen
Heimen gequält !!!!!!!
Leider sind gewisse Staaten im Gegensatz zu Irland und Kanada
ZU FEIGE es zuzugeben und sich zu entschuldigen !!!!
Geschweige denn ihre Verbrechen mit Geld einigermaßen
wieder gut zu machen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Alles redet über die RAF .... aber das zur gleichen Zeit staatlicher
und kirchlicher Massenterror gegen Heimkinder stattfand, das möchte
man lieber unter den Tisch kehren !!!! Das war meiner Meinung nach
-.1000 mal schlimemr als alles was die RAF gemacht hat
Inge Grimmig schrieb am 19.04.2006, 13:46
Was mich bei der ganzen, durchaus wichtigen und längst nötigen Veröffentlichung stört ist die Tatsache, dass nur von kirchlichen Heimen berichtet wird. Ich war sehr lange in unterschiedlichen staatlichen Heimen, von 1961 - 1974. 1961 wurde ich vor meinem Elterhaus in Braunschweig von Mitarbeitern des Jugendamtes "eingeladen" und in ein Kinderheim nach Frankenberg/Eder gebracht. Meine erste Erinnerung: Ich wachte in einem fremden Bett auf, hatte eingenässt und eine fremde Frau verprügelt mich daraufhin mit einem Handfeger. Danach musste ich das Bett neu beziehen und die Wäsche waschen. Ich war vier Jahre alt! Ich bekam Prügel, weil ich "unachtsamerweise" in einen Teich fiel, hier sollte ein durchnässtes und verängstigtes Kind doch eher getröstet werden? Waren diese Methoden früher rechtens? Wenn meine Schwester Prügel bezog, machte sie sich vor Angst oft in die Hose mit dem Ergebnis, dass sie vorher zur Toilette geschickt wurde. Sie wusste also dass sie Schläge bekam, wenn eine Erzieherin sie zur Toilette schickte. Ich könnte Romane über meine Erlebnisse in staatlichen Heimen schreiben. Ich wurde zuletzt in ein Heim für schwer erziehbare Mädchen in osnabrück eingelifert, weil mein Stiefvater übergriffig wurde und ich darüber redete, man mir jedoch nicht glaubte. Die damalige gängige Praxis. (1972) Warum gilt die Aufmerksamkeit nur den kirchlichen Einrichtungen????
Heinz Peter Junge schrieb am 04.04.2006, 16:59
Wie ich dem Artikel von omp entnehme, soll am 5.4.06 über die Resolution abgestimmt werden. Das was hier als Resolution vor lieg ist doch eine Verhöhnung der ehemahligen Insassen der Heime. Für mich als betroffener, der schwere Prügel bekommen hat und Gedehmüdigt wurde eine Beleitigung, auch den anderen gegenüber die leiden mussten.
Da heißt es, "Der Landeswohlfahrtsverband Hessen erkennt an, dass bis in die 70er Jahre auch in seinen Kinder- und Jugendheimen eine Erziehungspraxis stattgefunden hat, die den damaligen gesellschaftlichen Werte- und Rechtsvorstellungen entsprochen hat, die aber aus heutiger Sicht erschütternd ist.
Hat man gar vergessen das es schon ab 1949 Menschenrechte gab, und Kinderarbeit verboten war, sowie auch Schläge, misshandlungen und missbrauch an Kinder und Jugendlichen.
Die Zeit in dem Erziehungsheim war für das schlimmste was was erlebt habe, und was mein halbes Leben zerstört hat. Diese aussage in der Resolution empfinde ich als eine Beleitigung.
Ich sehe dies verhältnis, was bisher ein gutes war, als gefährtet an. Man sieht wider mal wie weit weg die Politik von der wirklichkeit ist, und noch immer nicht begriffen hat was wir ehemaligen empfinden.
H.P.Junge
Gertrud Zovkic schrieb am 30.03.2006, 20:06
Grundsätzlich ist zu begrüßen. dass der LWV- Hessen sich bei den ehemaligen Heimkindern für das zugefügte Unrecht entschuldigt.
Die Entschuldigung ist jedoch halbherzig, denn die Behauptung, dass die damals angewandten Erziehungsmethoden den gesellschaftlichen Werte-und Rechtsvorstellungen entsprochen haben, stimmt nicht, denn es gab das Grundgesetz und sowohl die Prügelstrafe wie auch die Anwendung körperlicher Gewalt in der öffentlichen Erziehung waren verboten. Ich habe als Psychologin und Kindertherapeutin von 1966 bis 1970 im Heilerziehungsheim Kalmenhof in Idstein gearbeitet und in dieser Zeit permanent für die Rechte der Kinder gekämpft und das Unrecht wie auch die Mißstände angeprangert. Weil man nicht bereit war die Mißstände zu beheben, betrachtete man mich als "Sand im Getriebe" und wurde wegen" Störung des Betriebsfrieden"entlassen.
Gertrud Zovkic
Diplom Psychologin
Gertrud Zovkic schrieb am 30.03.2006, 19:38
Grundsätzlich ist zu begrüßen, dass der LWV-Hessen sich bei den ehemaligen Heimkindern entschuldigt. Die Behauptung, dass die
Heinz A. schrieb am 12.03.2006, 11:34
Dass Wensierski primär die entsetzlichen Zustände in den kirchlichen Heimen thematisiert, liegt natürlich daran, dass die meisten damaligen Erziehungsanstalten unter kirchlicher Verantwortung geleitet wurden. Man muss auch nicht ausgebildeter Pädagoge sein, um Kindsmisshandlungen (die Sie als ‚Fehler’ bezeichnen) zu ächten, damals wie heute. Ebenso wenig ist die Beachtung der Menschenwürde eine finanzielle Frage, wie Sie indirekt unterstellen. Armut verdient aus weltlicher wie kirchlicher Sicht keine Schläge sondern Unterstützung, Dass die Jugendämter genau wie die von Ihnen gelobte staatliche Heimaufsicht als staatliche Kontrolle versagte, ist offenkundig. Den betroffenen Priester und Nonnen wünsche ich, erst ihre eigene Erbsünde brechen, um gute Christen zu werden - hierauf fehlt auch bei Ihnen ein entsprechender Hinweis.
Hans Dieter L schrieb am 09.03.2006, 15:46
Ich bin eine Betroffener der damaligen Heimerziehung .War auch von 1957 bis 1974 in konfessionelle Heime. Das Buch,"Schläge im Namen des Herren" von Peter Wensierski,trifft den Nagel auf dem Kopf. Wir waren ja schon als Erbsünde an gesehen ,nur weil wir keine Eltern mehr hatten.
Nächstenliebe habe ich nicht erfahren aber dafür tägliche schwere Misshandlungen die heute sogar als Folter bewertet würden, ausgesetzt war.
Wer diese Kindheit nicht so erlebt hat , der sollte sich am besten überhaupt nicht da zu äußern. Ich leide noch heute an den Folgen und kann nur jedem sagen:"Seid froh nicht hinter diesen Mauern 20 Jahre eingesperrt und dem "UN"gebildetem Personal hilflos ausgeliefert gewesen zu sein!" Die Wechsel in andere Heime hatte System, bis hin zur Versklavung.
Mir fehlen 6 Jahre in meinem Rentenbescheid von 1967 bis 1974.
Hans Dieter
Hans Dr. Fiedler schrieb am 08.03.2006, 11:15
Anlässlich einer Besprechnung des Buches in unserer Heimatzeitung habe ich nachstehenden Brief geschrieben:
Sehr verehrte Frau Wörmann.
Sie haben das Buch von Peter Wensierski: „Schläge im Namen des Herrn“ in ihrem Artikel kommentiert und somit auch die damaligen Zustände in den Fürsorgeerziehungheimen – mit allen Auswüchsen – wiedergegeben.
Was mich bei Wensierski stört, ist die Tatsache, dass er allein die konfessionellen Heime für die Zustände verantwortlich macht.
Diese Feststellung ist unrichtig, denn es gab und gibt auch staatliche Heime, die in der damaligen Zeit unter gleichen Bedingungen arbeiten mussten, Fehler machten und es gab immer eine Heimaufsicht als staatliche Kontrolle.
Davon ist keine Rede in seinem Buch. Auch werden die „Werkhöfe“ der damaligen DDR, in denen noch bis 1990 schlimme Zustände herrschten, nicht erwähnt.
Als intimer Kenner der Heimerziehung vermisse ich ebenfalls die Schilderung der damaligen Situation.
Es gab keine ausgebildeten Erzieher oder Sozialpädagogen, es gab einen staatlichen Pflegesatz den man heute unter dem Existenzminimum bezeichnen würde.
Ebenso wird die Nachkriegssituation mit Zwang als Erziehungsmittel – obwohl seit ca. 1850 praktiziert – nur dem damaligen, hilflosen Personal angelastet.
Es fehlen z.B. Hinweise auf die Pflicht der Jugendämter, wissenschaftliche Untersuchungen von den ansässigen Psychiatern durchführen zu lassen, die in der Regel negative Attribute, bis zum „Psychopaten oder unwertes Leben“ als Ergebnis hatten.
Wie sollten Ordensfrauen oder Kriegsteilnehmer, die als Erzieher eine Anstellung fanden, ein positives Menschenbild entwickeln.
Hinzu kommt natürlich noch der von Priestern vorgebrachte Hinweis, auf die Erbsünde, die im Menschen „gebrochen“ werden muss, um Christ zu werden.
Wensierski macht es sich einfach, wenn er Negativbeispiele, die der Wahrheit entsprechen, aneinandereiht. (Ich habe Dutzende Beispiele der damaligen Fehlentwicklung öffentlich dokumentiert)
Bei diesen Anschuldigungen und dem Leid, das vielen Kindern zugefügt wurde, dürfen wir jedoch nicht die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den damaligen Heimen vergessen, die aus einem tiefen Mitgefühl geholfen haben das Elend der Kinder in der Nachkriegszeit zu lindern.
Herr Wensierski scheint sich auf die kirchlichen Einrichtungen und deren Vertreter „eingeschossen“ zu haben. (Buch über Priesterkinder) Es ist sicher unsere Pflicht Missstände sichtbar zu machen, dabei darf man jedoch nicht die Objektivität verlieren und persönliche Aversionen sichtbar machen.
Auch stimmt der Hinweis auf die RAF nicht, die durch Heimkampagnen für Änderungen gesorgt hat. Es gab damals eine große Bewegung von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern der „ersten Stunde“, die besonders in der Heimarbeit Perspektiven erarbeitet und gesetzliche Änderungen erwirkt haben. Ich selbst habe z.B. Fr. Meinhof im Beirat des AFET (Allgemeiner Fürsorgeerziehungstag) erlebt, die keinen konstruktiven B
Heinz A. schrieb am 06.03.2006, 21:20
Entsprach die Aussetzung von körperlicher und psychischer Gewalt tatsächlich den moralischen und rechtlichen (kirchlichen) Vorstellungen dieser Zeit? Für mich persönlichen als Betroffener war diese Praxis schon damals als erschütternd und menschenrechtsverletzend erkennbar. Existierte denn damals nicht schon das Grundgesetz mit seiner Froderung nach Achtung der Menschenwürde und das Gebot christl Nächstenliebe?
© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten