Von kobinet-Redakteur Martin Ladstätter
Wien (kobinet) Woran es liegt, dass eine Spendenkampagne Monate lang kaum Widerstand erregte und nun auf Druck eingestellt wurde, ist schwer erklärbar. Faktum ist, dass die Christoffel-Blindenmission bewusst das - nun als diskriminierend erkannte - Plakat über einen längeren Zeitraum einsetzte.
Widerstand eines Einzelnen
Der blinde Entwicklungshelfer Norbert Kather erfuhr vom dargestellten Motiv zufällig, wie er in der Radiosendung "Update" von ohrfunk.de am 2. März 2006 erzählte: "Ich war Anfang Januar in Berlin gewesen und war mit Freunden in der U-Bahn unterwegs. Und während wir auf den Zug warteten erzählte ein Freund: Das ist ein merkwürdiges Plakat. Menschen, die eigentlich schön aussehen, aber mit Geldschlitzen. Was ist denn das?"
CBM: "Bewusst provokantes Motiv gewählt"
Die Antwort auf die Frage "Was ist denn das?" ist schnell erklärt. "Die Augen sind durch Geldschlitze ersetzt worden. Wir wollen so die Wirkungsweise zwischen der Spende hier und der Hilfe vor Ort bewusst provokant darstellen", erläuterte Martin Georgi, Kommunikationsdirektor der Christoffel-Blindenmission, in einer Presseaussendung aus dem Jahr 2003 (!).
Die Spendenaktion dürfte finanziell sehr erfolgreich gewesen sein und so entschloss sich die Christoffel-Blindenmission wieder eine breit angelegte Kampagne zu starten, wie sie im Dezember 2005 bekannt gab.
Humanistische Union greift Kritik auf
Die Humanistische Union hat die Kritik von Norbert Kather aufgegriffen und ist direkt an die Christoffel-Blindenmission herangetreten. Franz-Josef Hanke (Humanistische Union Hessen) erläutert: "Und viele Leute mit denen ich gesprochen habe, haben gesagt: Das ist geschmacklos, weil man suggeriert, dass Blinde dadurch sozusagen zur Sparbüchse degradiert werden."
Franz-Josef Hanke vermutet im ohrfunk-Interview, das CBM "nicht sensibel genug" ist, weil dort fast keine behinderten Mitarbeiter arbeiten". Da "werde Spendewerbung häufig zu einer Mitleidstour".
Behinderte Menschen wehren sich
Langsam dürfte es der Christoffel-Blindenmission gedämmert haben, dass diese Art der Spendenwerbung nicht mehr akzeptiert wird. Die umstrittene Plakat-Aktion wurde für beendet erklärt. Ein kluger Schritt um dem geballten Groll, der entstehen könnte, zuvor zu kommen.
Bekanntlich beschloss im Vorjahr der deutsche Presserat - nach öffentlich wirksamer Intervention behinderter Menschen - ein Diskriminierungsverbot von behinderten Menschen und heuer sprach der deutsche Presserat eine Missbilligung gegen "Die Welt" wegen eines diskriminierenden Artikels aus.
Braunreiter: "Zweck darf nicht die Mittel heiligen"
Es bestehe grundsätzlich bei Spendenkampagnen die Gefahr, dass "behinderte Menschen als reine Geldempfänger dargestellt werden", hält Mag. Michaela Braunreiter von MAIN_Medienarbeit Integrativ in einem BIZEPS-Interview fest und fordert: "Der Zweck darf nicht die Mittel heiligen."
Man müsse zwar im Kopf haben, für wen man spendet, "aber die Person darf in der Darstellungsform und vom Image her darunter nicht leiden", so Braunreiter. sch