Sestriere (kobinet) Mit spannenden Wettkämpfen wie gestern Abend beim Schlitten-Eishockey-Halbfinale Deutschland gegen Kanada (0:5) und heute im nordischen Staffel-Wettkampf und der Fortsetzung beim alpinen Riesenslalom begeistern die Athleten eine große Öffentlichkeit. Sie nutzen das Medieninteresse auch für Kritik an der Förderpraxis. Es war Torhüter Rolf Rabe zu verdanken, dass das deutsche Team bis zur Mitte des zweiten Drittels auf den Finaleinzug hoffen durfte. Vor 3.680 Zuschauern waren die Kandadier von Beginn an hoch überlegen. Nach dem Spiel waren die Männer von Trainer Gursinsky aber keineswegs enttäuscht. Kapität Marius Hattendorf sagte: "Wir haben gut gespielt, aber die Kanadier waren einfach eine Klasse besser. Dennoch schauen wir positiv nach vorn und hoffen, dass wir noch einmal gegen die USA erfolgreich sein können. Das was wir bis jetzt geschafft haben war schon der Wahnsinn und die Stimmung ist sensationell." Am Samstag wollen die Deutschen im Spiel gegen die USA die Chance auf Bronze nutzen. Mit dem Staffelwettbewerb steht am siebten Wettkampftag einer der Höhepunkte im nordischen Skisport auf dem Programm. Gegen die starke Konkurrenz aus Russland, der Ukraine und Norwegen kämpft das deutsche Trio mit Schlittenfahrer Michael Weymann, Frank Höfle und Willi Brem um eine Medaille. Edelmetall im Visier haben erneut die Paralympicsieger Martin Braxenthaler (Monoski) und Gerd Gradwohl beim zweiten Teil des Riesenslaloms in Sestriere-Borgata. Gegenüber Journalisten äußerten die deutschen Behindertensportler ihre Sorgen über die gegenwärtige Förderpraxis. "Das Top Team ist schön und gut, aber mit der Förderung ein halbes Jahr vor den Paralympics zu beginnen, kann nicht ausreichen", sagte Biathlet und Langläufer Thomas Oelsner aus Oberhof. Auch Aktivensprecher Frank Höfle aus Isny, der sich in Turin für das Athletenrat des Internationalen Paralympischen Komitees zur Wahl stellt, fordert eine Eingliederung der Behindertensportler in die Strukturen des Deutschen Sportbundes und vor allem ein dauerhaftes Förderprogramm. "Feuerwehraktionen helfen nicht. Wir brauchen klare Aussagen für die Zukunft", wird Höfle in der Presse zitiert. Gerd Schönfelder, der mit zwölf Goldmedaillen erfolgreichste alpine Rennläufer, hofft heute in einem taz-Interview, "dass die Leute merken, dass wir nicht arme, kleine Behinderte sind. Wir wollen keine Almosen und Spenden, eine Aktion Sorgenkind schon gar nicht." Schönfelder beklagt ein eklatantes Missverhältnis. zwischen dem, was die Deutsche Sporthilfe für die Olympia-Sieger ausschüttete und den für die Paralympics-Sieger in Aussicht gestellten Beträgen. "Dabei ist es für mich nach der Reduzierung auf nur noch drei Behindertenklassen (sitzende Sportler, stehende und blinde; d. Red.) gar nicht mehr so einfach, Goldmedaillen zu gewinnen. Und dann kommt noch dazu, dass, je mehr Sieger wir haben, der Betrag immer kleiner wird. Diese 75.000 Euro müssen wir uns alle teilen." Heute wird zu den Paralympics in Turin Innenminister Wolfgang Schäuble erwartet, in dessen Verantwortung auch die Sportförderung liegt. Am Wochenende will Karl Quade, Vizepräsident des Deutschen Behindertensportverbandes, die Sorgen der Athleten in Sestriere bei Minister Schäuble vorbringen. sch