Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl Berlin (kobinet) Bei den Winterspielen von Turin standen sie im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Nach Empfängen in der Heimat, Presseterminen und Gesprächen mit Sponsoren holt sie der Alltag wieder ein. Das gilt für Frankreichs paralympische "Königin" Solène Jambaqué ebenso wie für den einzigen Schweizer Medaillengewinner Thomas Pfyl oder die Deutschen Frank Pfortmüller und Josef Giesen aus Niedersachsen (Foto). Die Jüngste im französischen Team war in den alpinen Disziplinen auf der Piste von Sestriere Borgata kaum zu schlagen und wurde mit den routinierten deutschen Profis Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler verglichen. Wie die 16-jährige Schwarzwälderin Andrea Rothfuß muss sie nun intensiv die Schulbank drücken um nachzuholen, was wegen der Vorbereitung auf die erfolgreiche Jagd nach Medaillen versäumt wurde. Solène Jambaqué wird am 14. April 18 Jahre alt und will mit einem guten Abitur ihre Berufschancen wahren. Verena Bentele, die blinde blinde Biathletin und Langläuferin aus Tettnang am Bodensee, hatte ein Urlaubssemester ihres Germanistik-Studiums in München eingelegt, um sich möglichst professionell auf die Paralympics vorbereiten zu können. Jetzt nimmt sie ihr Studium mit dem Berufswunsch wieder auf, später als Rhetorik-Trainerin für Sportler und Sportlerinnen zu arbeiten. Sie hat erfahren, dass gerade im Fernsehen, aber auch für alle anderen Medien immer wichtiger wird, sich überzeugend und intelligent zu präsentieren. Die 35-jährige Salzburgerin Danja Haslacher will sich jetzt auf die Ausbildung zum Behindertenlehrwart konzentrieren. "Ich war dreimal dabei, das erste Mal in Nagano 1998. Insgesamt habe ich sechs Medaillen - fünf Gold und einmal Bronze - gewonnen. 2010 ist zu weit weg und nicht realistisch", sagte die Technische Bauzeichnerin. Der 19-jährige Thomas Pfyl, der Silber und Bronze aus Sestriere mitbrachte, wird dem Schweizer Team bei der Auswertung des enttäuschenden Abschneidens der Eidgenossen helfen müssen. Delegationsleiter Hugo Wölfli meinte: "Aus dem Ergebnis von Turin müssen wir eine Lektion ziehen in Hinblick auf Vancouver 2010." Die aktuellen Strukturen machten es schwieriger, noch konkurrenzfähig zu sein, etwa gegenüber den osteuropäischen Nationen. Besonders in den nordischen Disziplinen müssen auch für die Deutschen bessere Bedingungen geschaffen werden, um in dem immer professioneller betriebenen Hochleistungssport mithalten zu können. Thomas Oelsner aus Oberhof wie Aktivensprecher Frank Höfle aus Isny haben sich in dieser Hinsicht unmissverständlich geäußert. Der 35-jährige Thüringer Werbekaufmann und Mitinhaber einer Gaststätte in Oberhof, der für seine Bronzemedaille und die vorderen Platzierungen hart trainiert hatte und viel Zeit für den geliebten Sport aufbrachte, will vielleicht auch mal daran denken, "langsam Geld zu verdienen".
Das Team BEB, vom gleichnamigen Erdgas-Unternehmen und weiteren Sponsoren gefördert, ist ein Markenzeichen für den Leistungssport Behinderter in Niedersachsen geworden. Biathlet Josef Giesen aus Herzlake eroberte Silber. Der alpine Rennläufer Frank Pfortmüller aus Hannover schrammte knapp an einer Medaille vorbei. Mit diesem Team hat der Behinderten-Sportverband Niedersachsen eine für die weitere Förderung wichtige aktuelle Pressearbeit betrieben und tolle Fotos nicht nur vom Turnier der Eisschlittenflitzer (hier eine Szene im Sledge-Hockey-Duell zwischen Schweden und Deutschand) geliefert.
Als "überwältigend" bezeichnete Sozialministerin Christa Stewens die hervorragenden Leistungen der bayerischen Athleten. "Sie zeigen uns auf einzigartige Weise, was behinderte Menschen zu leisten im Stande sind. Diese Leistungen geben allen unseren behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern Selbstvertrauen", sagte die Ministerin. Am 2. Mai will sie zusammen mit dem Behinderten- und Versehrten-Sportverband Bayern bei einem Empfang der Sportler und ihrer Betreuer die Leistungen würdigen.