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30.03.2006 - 19:39

Es fehlte der Landesbehindertenbeauftragte - mal wieder.

Weimar/Erfurt (kobinet) Um Tourismus als Chance für alle ging es bei einer Veranstaltung gestern in Weimar. Mit kritischen Anmerkungen von Teilnehmenden wurde das Fernbleiben des Thüringischen Landesbehindertenbeauftragten Dr. Brockhausen registriert.

"Der Landesbehindertenbeauftragte versteht sich als Ohr der Landesregierung, unternimmt aber kaum Anstrengungen, die Stimmen behinderter Menschen zu hören", erklärte Heide Hasse, Öffentlichkeitsreferentin der Erfurter Grenzenlos GmbH, heute gegenüber kobinet.

Gestern Abend hätten sich im Weimarer "mon ami" die Friedrich-Ebert-Stiftung und der Verband der Behinderten getroffen und mit Tourismusexperten, Behinderten, Projektgruppen, Wissenschaftlern und Unternehmern über das Thema "Alter und Behinderung: Tourismus für alle als Chance für Thüringen" diskutiert.

"Auch wenn sich Thüringen auf dem hart umkämpften Reisenmarkt immer besser behaupten kann; eine Ausrichtung auf Barrierefreiheit ist im Tourismuskonzept des Freistaats bisher nicht festgeschrieben. Dabei stellt der Tourismus in Thüringen den zweitstärksten Wirtschaftsfaktor dar und die Nachfrage Älterer und die von Menschen mit Handicap ist größer als das Angebot. Für das Thema soll sensibilisiert werden. Städte wie Erfurt und Weimar haben mit hochinteressanten Projekten auf sich aufmerksam gemacht. Erste Schritte sind gemacht. Doch der Weg ist noch weit. Barrierefreier Tourismus könnte ein originäres Markenzeichen und ein Zugpferd für Thüringen werden, wenn es gelingt, endlich auch ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, dass barrierefreier Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Alle in der sehr gut besuchten Veranstaltung sind sich darüber einig, von der Geschäftsführerin der Thüringer Tourismusgesellschaft bis zum Vorsitzenden des Naturparks Thüringer Wald", sagt Hasse.

Dass bei diesem wichtigen Treffen ausgerechnet der Landesbehindertenbeauftragte, der zunächst zu- dann aber aus persönlichen Gründen abgesagt hatte, konnten viele der Teilnehmenden nicht nachvollziehen. Die Kritik sei vor allem auch deshalb geäußert worden, weil Brockhausen nicht zum ersten Mal wichtigen Veranstaltungen ferngeblieben sei. Das sei beispielsweise bei der Konferenz zur Qualifizierung des Thüringer Gleichstellungsgesetzes der Fall gewesen. Der Gesamtverband von Menschen mit Behinderungen hatte Experten und Betroffene ins Erfurter Rathaus geladen, darunter die Behindertenbeauftragten aus Hessen und Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Foto zeigt Dr. Paul Brockhausen auf seiner Webseite
Dr. Brockhausen im Web

"Der Thüringer Landesbehindertenbeauftragte fehlte wegen Krankheit. Ein Beamter aus dem Sozialministerium verlas sein Grußwort, eine einzige Replik über den Satz: 'Wir haben kein Geld'. Zwei Tage später war Dr. Brockhausen wieder gesund und gab ein Interview unter der Überschrift 'Der Freistaat ist kein Ölstaat'. Auch mit seinen positiven Äußerungen zur geplanten Abschaffung des Blindengeldes und den negativen zum Antidiskriminierungsgesetz machte er sich keine Freunde unter den Betroffenen", erklärte Hasse den Unmut. Brockhausen habe ein Akzeptanzproblem bei behinderten Menschen in Thüringen. Er begreife seine Funktion eher als eine ministeriale, während behinderte Menschen sie als eine behindertenorientierte sähen. Daher sei sein Satz "Ich verstehe mich als 'Ohr der Landesregierung'" von den Betroffenen mit dem Zusatz "… und nicht als Stimme behinderter Menschen" ergänzt worden.

Als größte Herausforderung seines Amtes habe er das Herstellen der Barrierefreiheit in den Köpfen benannt. "Da sollte er sich nicht ausnehmen", so Hasse. "In vier Wochen, am 27. April, wird es eine weitere Konferenz in Weimar geben: 'Barrierefreier Tourismus für alle - Projekte stellen sich vor'. Die Teilnehmer erwarten, dass Dr. Brockhausen diese Veranstaltung wahrnimmt. Als 'Ohr' und Informationstransporteur zur Landesregierung ist er willkommen." elba
 

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