
Krüppelstadt (kobinet) In Krüppelstadt wird heute das neue Behindertenheim für AktivistInnen der Behindertenbewegung "Haus Heldenruh" eingeweiht. Der Einrichtung, die von dem neuen Global Player am Heimmarkt, der CarAwoNie, betrieben wird, ist es mit ihrem Konzept der vereinnahmenden Beteiligung gelungen, die Behindertenbewegung als treibende Kraft für das neue Teilhabeprojekt zu gewinnen. Die US amerikanische Behindertenrechtlerin Judith Heumann und Dr. Adolf Ratzka aus Schweden werden heute zu den Feierlichkeiten unter dem Motto "Endlich zurück ins Heim" in Krüppelstadt erwartet. "Nachdem wir hinter verschlossenen Türen lange verhandelt haben, wie das neue Heim gestaltet und geführt werden soll, sind wir froh, dass es uns nun gelungen ist, dieses neue modellhafte Projekt zu starten. Immer wieder haben wir Anfragen von müden und ausgebrannten AktivistInnen der Behindertenbewegung nach einem Ort der Ruhe und Besinnung bekommen. Viele sind es einfach leid, ständig ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu müssen und selbst entscheiden zu müssen, was und wann sie Essen wollen, wann sie ins Bett gehen oder mit wem sie zusammen wohnen sollen. Mit diesem bestimmenden Modellprojekt der führenden Hand haben wir jetzt endlich eine Heimstätte für gut 300 Personen für diese unruhigen und verlorenen Seelen gefunden", erklärte Uwe Frevert, der für den Vorstand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) die Verhandlungen für dieses Projekt geführt hat. Probleme in den Verhandlungen habe es noch an dem Punkt der Größe der Einrichtung gegeben, gibt Frevert selbstkritisch zu. Zwischen wirtschaftlichen und menschlichen Abwägungen sei jedoch ein guter Kompromiss mit der Zahl von 300 BewohnerInnen gefunden worden. "Das ist ein echter Beitrag zur Deinstitutionalisierung, denn in manchen Städten leben schließlich Tausende von behinderten Menschen, unsere Kleinsteinrichtung sticht da richtig positiv hervor - vor allem ist da jetzt endlich alles so schön barrierefrei", so Uwe Frevert. Entsprechend seinem Wahlspruch "Ich tu niemand etwas an, was ich nicht selbst ertragen kann" wird Uwe Frevert der erste neue Heimbewohner sein, der heute sicherlich unter dem Jubel der tausenden BesucherInnen das Band durchfahren und in die neue Heimstätte einrollen wird. "Ich freue mich riesig darauf, denn endlich haben wir nach den Jahren des Klagens und Demonstrierens mal richtig was zu feiern", so Frevert. Der Vater von zwei Kindern findet im Haus Heldenruh nun ein helles und geräumiges Doppelzimmer von 16 qm vor, dass dieser mit dem von ihm äußerst geschätzten Vorstandskollegen Michael Gerr aus Würzburg teilen darf. Auch Michael Gerr freut sich riesig auf die neue Heimstätte, hofft aber, dass die Frau und die beiden Kinder von Uwe Frevert nicht dauernd auf Besuch kommen, "denn dann könnte es in unserem geräumigen Zimmer mit Blick über's Tal doch etwas eng werden", so Michael Gerr. Barbara Vieweg, die Geschäftsführerin der ISL, Michael Spörke, der neue Mitarbeiter der Organisation und Barbara Stötzer-Manderscheid haben sich ebenfalls schon angemeldet. Sabine Weigelt vom Vorstand der Organisation habe sich auch breit schlagen lassen, mit einzuziehen, nachdem Barbara Vieweg ihr versprochen hatte, das Zimmer mit ihr zu teilen. "Dann können wir endlich noch viel enger zusammen arbeiten", freut sich Sabine Weigelt nun. "So wichtig es für uns ist, uns von den Irrungen und Wirrungen unseres fehlgeleiteten Engagements für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen der letzten Jahre erst einmal richtig zu erholen, so ist es doch selbstverständlich, dass wir uns im Heimbeirat unserer tollen Einrichtung engagieren werden. Zusammen mit Ottmar Miles-Paul stellen die bereits Genannten nämlich den neuen Heimbeirat, der in einer Art "Spätzlerunde" bereits im Januar bei einer Klausurtagung der ISL gewählt wurde. "Wir überlassen eben nichts dem Zufall", kommentierte der Schwabe dieses ungewöhnliche Vorgehen. Lediglich im Hinblick auf die Satzung der Heimordnung herrscht noch Uneinigkeit. "Deshalb haben wir uns für die nächsten Wochen vorgenommen, täglich nach dem gemeinsamen Frühstück jeweils einen Paragraphen der neuen Satzung zu diskutieren", so Ottmar Miles-Paul. "Das wird uns voll und ganz ausfüllen, wir sind aber sicher, dass die Heimordnung in ein bis zwei Jahren zu aller Zufriedenheit beschlussreif ist". Der neue Heimvater der Einrichtung Klaus Oberschlau hatte bereits angekündigt, dass der Heimvertrag auf jeden Fall in leichter Sprache erstellt wird, da sich auch aus dem Umfeld von Mensch Zuerst, dem Netzwerk People First Deutschland schon Interessierte für den Einzug ins Heim gemeldet haben. Stefan Göthling, der vor kurzem erst eine neue Wohnung in Leinefelde bezogen hat, habe beispielsweise auch schon zugegeben, dass die Gefahr der Vereinsamung in der eigenen Wohnung recht groß sei. "Immer nur allein zu Hause sitzen ist auch nichts, da freut man sich doch, wenn man mal unter Menschen kommt und mit gleichgesinnten Schicksalsgefährten sein Zimmer und sein Leben teilen kann", so Göthling. Wie aus gut informierten Kreisen verlautete liefen derzeit auch Verhandlungen der Heimleitung mit dem Weibernetz, da der bisherige Bewohnerkreis ganz und gar noch nicht dem Prinzip des Gender Mainstreamings entspreche. Frauen seien schlichtweg noch unterrepräsentiert, woran ein erstes von der EU gefördertes Gender-Training durch Barbara Stötzer-Manderscheid bisher auch noch nichts geändert habe. Der anfängliche Widerstand gegen das neue Kleinstheim von Elke Bartz vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) konnte vonseiten der ISL schnell entkräftet werden. "Wir erfüllen alle Forderungen für eine bedarfsgerechte Assistenz. Es ist immer jemand bei uns im Heim da und unser Persönliches Budget verwaltet der Heimvater selbstverständlich in unserem Sinne. Herr Oberschlau hat sich fast sein ganzes Leben für uns Behinderte stark gemacht, so dass wir keinerlei Zweifel an seiner Integrität haben. Toll ist auch, dass wir gar nicht mehr aus dem Heim raus müssen, wo wir doch nun alle so schön zusammen sind", entgegnete Uwe Frevert den anfänglichen Zweiflern an dem neuen Projekt. Die Europäische Union habe sogar erklärt, dieses neue Modell in seine Liste der Beispiele of good practice mit aufzunehmen. Mit der UNESCO liefen Verhandlungen das Gelände des Haus Heldenruh als Welterbe anzuerkennen. "Auf die internationale Anerkennung sind wir besonders stolz", so Barbara Vieweg. Das schlagende Argument für Elke Bartz, demnächst auch den Einzug in das neue Heim anzutreten war jedoch die Tatsache, dass durch dieses Zusammenwohnen viele bisher mühsame Reisen eingespart werden können. "Das spart uns viel Zeit und Generve mit unzugänglichen Verkehrsmitteln und Unterkünften. Hier sind wir zusammen und können jeden Tag ausführlich über unsere Ziele diskutieren und die Kampagne "Run ins Heim" viel gezielter voran treiben. Toll ist vor allem, dass jetzt alle Tagungen bei uns stattfinden und viele PolitikerInnen schon zugesagt haben, regelmäßig bei uns vorbei zu schauen und sich unser Lob über ihre tolle Politik anzuhören. Doch heute wird erst einmal kräftig gefeiert", so Elke Bartz. Noch seien einige wenige Plätze in der neuen Einrichtung frei, eine schnelle Anmeldung werde jedoch empfohlen. omp Link zur Online-Anmeldung für das neue Heim "Haus Heldenruh"
Maik Nothnagel schrieb am 01.04.2006, 21:13
nA ENDLICH HABEN ES AUCH DIE EWIG MEKERNDEN UND UNDANKBAREN "Behinis" der ISL begriffen, dass wir uns doch wirklich in unseren tiefsten inneren nach einer führenden Hand in einer hygienschen, sauberen und gut durchorganisierten Großeinrichtung sehnen. In der uns das Denken und eigene Handeln abgenommen wird.
Ein guter Scherz Leute um auf die Realität, die für viele unserer Peers leider heute noch Alltag ist. Aber wollt Ihr mir denn noch die letzte Hoffnung nehmen, von einer besseren und selbstbestimmten Welt der "Behinis". Ich bin jetzt nicht durch meine Chemo, so geistig verwirrt, das ich glauben muß im falschen Film zu sein. Freunde bleibt zu Hause, bitte.
Maik Nothnagel
Behindertenpolitischer Sprecher der Linkspartei.PDS im Thüringer Landtag
Ihsan Özdil schrieb am 01.04.2006, 19:50
liebe leser/in,
mit mein lottogewinn habe ich papstgeburtshaus in bayern gekauft! da ist es schön und immer sonne naürlich rolli-gerecht!
meldet euch baldmöglichst um einen platz.
heiliger vater. rom/vatican
Regine Planer-Regis schrieb am 01.04.2006, 15:57
:-)
Wenn Ihr Euch da mal nicht zu viel vorgenommen habt.
Ottmar Miles-Paul schrieb am 01.04.2006, 12:15
Lieber Ilja,
das freut mich, dass du wieder einmal von unseren Ideen so begeistert bist, dass du gleich mit dabei bist. Das zeichnet dich aus, dass du immer auf der Höhe der Zeit bist.
Ich muss aber leider zugestehen, dass wir deinem Einzug erst nach Verabschiedung der Heimordnung zustimmen können, denn sonst würden wir statt zwei Jahren über die einzelnen Paragraphen fünf Jahre diskutieren. Auch könnte das morgendliche Abspielen von Arbeiterliedern, das aus deinem Zimmer dringen könnte, uns zu sehr an die harte Zeit unserer Arbeit für die Bewegung erinnern. Das ist nicht gut für die Psyche - und das verstehst du sicher auch.
Vor allem konnten wir noch keinen geeigneten Zimmergenossen für dich finden. Christian Schröder können wir nicht auf dein Zimmer legen, denn sonst würdet ihr ständig schmutzige Lieder singen und Gedichte über die anderen BewohnerInnen machen. Wir suchen also noch, doch sei nicht traurig, du bist auf der Warteliste und wir werden das bei der Bundesregierung nutzen, um für eine Erweiterung des Heims auf 500 Plätze vorstellig zu werden.
Dein hoffentlich bald Heimgenosse
Ottmar Miles-Paul
Ilja Seifert schrieb am 01.04.2006, 11:06
Wenn ich ständige Ausgrenzung und Ignoranz nicht gewohnt wäre, könnte ich fast beleidigt sein, daß mir nicht angeboten wurde, zu den Erst-Bewohnern dieses hervorragenden Projektes gehören zu dürfen.
Immerhin wäre es dann möglich, mit direkt-Schaltungen in den Bundestag das wirkliche Leben freier Bürgerinnen und Bürger ins Parlament zu bringen. Ich müßte mich nicht mehr zu den Plenarsitzungen hinquälen. Zwischenfragen könnten - nach kollektiver Absprache mit dem Heimbeirat - direkt vom Pflegebett aus per Video-Übertragung an die jeweiligen Minister/innen herangetragen werden.
Also: liebe Heimbewohner/innen: Seid so lieb und rückt noch ein Stückchen zusammen, um auch mich von dem Großstadtmief zu befreien und in Eure Kleinsteinrichtung aufzunrehmen!
Mit vorauseilendem unterthänigstem Dank
Euer
Ilja Seifert