
Neunkirchen (kobinet) Seit kurzem ist Waltraud David Ansprechpartnerin für Behindertenfragen der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft in Neunkirchen. Ein Modell, von dem die blinde Rollstuhlfahrerin vom Vorstand von Mensch zuerst findet, das auch von anderen Wohnbaugesellschaften umgesetzt werden könnte. Waltraud David ist dafür bekannt, dass sie eine scharfe Zunge hat und rhetorisch so manchen Bürokraten zum Schwitzen bringen kann. Die blinde Rollstuhlnutzerin, die einmal als bildungsunfähig eingestuft wurde, hält also nicht mit ihrer Meinung hinterm Berg, wenn es irgendwo ungerecht zugeht oder wenn sie etwas stört. So war dies auch in ihrem Wohnumfeld. Immer wieder hat sie ihre Kritik über Unzulänglichkeiten gegenüber der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft in Neunkirchen geäussert. Die neuen Mülleimer, die für Rollstuhlnutzer nicht nutzbar waren und mit einem Chip kompliziert geöffnet werden mussten, brachten sie auf die Palme. Einem Verwaltungsangestellten, der zu ihr meinte, dass sie ja jemand um Hilfe bitten könne, bot sie schlichtweg an, dass sie sein Angebot nett fände und dass sie ihn dann immer anrufen würde, jagte sie einen kräftigen Schrecken ein. Diese und manche andere Kritik auch von anderen Mietern führte letztendlich dazu, dass die Siedlungsgesellschaft eine Wohnumfeldumfrage durchführte. Dabei ging es nicht nur darum, welche Verbesserungsvorschläge es gibt, sondern auch, wer welche Hilfen für die Verbesserung des Wohnumfeldes anbieten könne. Dies reichte vom Babysitten bis zur Bereitschaft Ansprechpartner für bestimmte Fragen zu sein. Waltraud David ließ diese Chance nicht aus und gab ihre Fähigkeiten an. Die Siedlungsgesellschaft reagierte darauf auch prompt und fragte Waltraud David, ob sie als Ansprechpartnerin für Behindertenfragen für die Siedlungsgesellschaft und für andere BewohnerInnen fungieren würde. "Natürlich war ich dazu bereit. Denn wer meckert, muss auch Farbe bekennen - auch wenn sie blind ist. Und ich kenne mich nach meinen vielen Auseinandersetzungen mit Behörden auch gut mit dem Behindertenrecht aus und kann da anderen gute Tipps geben", kommentierte Waltraud David ihr Engagement. Waltraud David hofft nun, dass dieses Modell auch bei anderen Wohnungsbaugesellschaften Schule macht. "Denn wenn wir von Mensch zuerst - dem Netzwerk People First Deutschland - dafür eintreten, dass behinderte Menschen in einem ganz normalen Wohnumfeld wohnen, dann brauchen wir solche Modelle, die die Menschen zusammen bringen und die Bedingungen für ein gleichberechtigtes Miteinander verschiedener Menschen schaffen. omp