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kobinet-nachrichten
14.12.2003 - 12:57
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Hollenbach (kobinet) Unter dem Titel www.heuteihrmorgenwir.de ist der erschütternde Bericht einer Tochter erschienen, die ihre an Demenz erkrankte Mutter auf einer Odyssee durch neun Pflegeheime begleitet hat. Auf knapp 150 Seiten schildert Astrid Wörn die Leidensgeschichte ihrer Mutter, die beginnt, als sie diese nicht mehr zuhause pflegen kannt und sie einem Pflegeheim anvertraut. Sie zeigt ihr Bemühen auf, alles zu tun, damit ihre Mutter ihren Lebensweg in Würde und Selbstbestimmung bis zum Ende gehen kann. Dass sie zwischendrin immer wieder scheitern muss, liegt nicht an einem persönlichen Versagen, sondern am Versagen des unmenschlichen Systems von Minutenpflege, Überbürokratisierung, aber auch am Wegsehen und Ignorieren derer, die es eigentlich besser wissen müssten: dem Pflegepersonal, den Heimleitungen, Ärzten und der Heimaufsicht. Aber auch andere Angehörige von Pflegeheimbewohnern sehen in ihrer hilflosen Verzweiflung oft eher weg, anstatt gemeinsam gegen die Missstände vorzugehen. Diejenigen, die keine engagierten Angehörigen wie Astrid Wörn haben, die bis zum bitteren Ende für sie eintreten, sind die Verlierer dieses grausamen «Spiels». Astrid Wörn klagt nicht undifferenziert an. Sie versucht Erklärungen dafür zu finden, warum Verantwortliche menschenverachtende Behandlungen alter Menschen zulassen, warum Wegsehen zum Standard geworden ist. Sie kann keine Erklärung finden, denn es gibt keine für das Verhalten einer humanitären Gesellschaft, die dieses Attribut angesichts ihres Umgangs mit den Schwächsten kaum noch verdient. Wörn will mit ihrem Bericht aufrütteln und Mut machen, sich zu solidarisieren, damit Missstände beseitigt werden und jeder Mensch ohne Angst und in Würde altern kann. Ergänzt wird das im Vektor-Verlag unter der ISBN 3-929304-50-3 erschienene Buch (Preis 14 Euro) von einem Vor- und Nachwort von Claus Fussek, der oft pathetisch als «Engel der Alten» bezeichnet wird, weil er sich für alte Menschen einsetzt. Dabei ist Fussek wahrlich kein Engel. Vielmehr ist es ihm gelungen, sich seine Menschlichkeit zu bewahren. elba
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