
Berlin (kobinet) Für Behinderte gibt es wenig barrierefreie Reiseangebote, schreibt die Berliner Zeitung. Das Blatt beruft sich auf eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, die heute in Berlin vorgestellt werden soll. Für Menschen mit Behinderungen, die Urlaub machen wollen, scheitere eine Reise oft schon während der Vorbereitungen. «Schauen sie sich doch nur mal um, wie viele Reisebüros für Rollstuhlfahrer überhaupt zugänglich sind», sagt Undine Kurth, tourismuspolitische Sprecherin der Grünen. Weitere Probleme gäbe es mit Flugzeugen, Hotels und Veranstaltungsangeboten, die nicht entsprechend ausgestattet sind. «Dabei bietet dieser Reisemarkt unglaubliche Wachstumspotenziale», sagt Kurth. Für die Studie des Wirtschaftsministeriumns gaben Behinderte Auskunft über ihr Reiseverhalten. 37 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mindestens schon einmal auf eine Reise verzichtet haben, weil das entsprechende Angebot fehlte. Fast die Hälfte der Befragten würde gern häufiger reisen und 62 Prozent meinten, sie würden mehr Geld ausgeben, wenn das Angebot stimmen würde. «Barrierefreies Reisen ist ein Zukunftsmarkt, der von der Tourismuswirtschaft noch nicht ausreichend erkannt wurde», stellt Peter Neumann, einer der Autoren der Studie, fest. Neumann sagt auch, dass barrierefreies Reisen nicht nur für Behinderte interessant ist: Auch ältere Menschen, Menschen mit vorübergehenden Unfallfolgen oder Familien mit Kinderwagen würden ganz erheblich von den Angeboten profitieren. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes geben Menschen mit Behinderungen in Deutschland jährlich 1,5 Milliarden Euro für den Tagestourismus und 1,6 Milliarden Euro für Übernachtungen aus. Wie groß die Defizite zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim barrierefreien Tourismus tatsächlich sind, zeigen die Ergebnisse des Bundeswettbewerbes «Willkommen im Urlaub - Familienzeit ohne Barrieren». Für dieses Vorhaben reiste eine Jury bestehend aus behinderten und nicht behinderten Menschen durch Deutschland und besuchte Hotels und Urlaubsorte. «Wir sind immer wieder auf Angebote gestoßen, die nicht für Reisende mit Handicap geeignet waren», sagt Tilo Braune, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes. «Vielfach trafen wir auf unüberwindbare Türschwellen, auf zu schmale Eingänge und auf Salatbüffets, die unerreichbar waren.» sch