
Würzburg (kobinet) Täglich werden neue "Heime" geplant und gebaut, mal für behinderte, mal für alte Menschen. Tatsächliche Bedürfnisse der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner werden ignoriert. "War es gestern ein Alten'heim', ist es heute eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und morgen das Pflege'heim", empört sich Gerhard Bartz, Vorstandsmitglied des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.). Anstatt das Recht mitten in der Gemeinde leben zu wollen und können endlich umzusetzen, würden immer mehr so genannte Heime gebaut. Schon zum 1. Juli lobt die St. Josefs-Stift- gGmbH die Stelle für eine Wohn'heim'leiterin bzw. einen -leiter aus. Zusammen mit dem Zentrum für Körperbehinderte Würzburg / Heuchelhof würden die Planungen für ein neues Wohnheim für 32 "geistig" und körperlich behinderte Menschen beginnen. "Da hilft es auch nichts, dass in der Stellenausschreibung bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen oder Bewerber mit einer Behinderung bevorzugt würden", meint Bartz. Er hofft, dass sich kein behinderter Mensch so weit herablässt, eine stationäre Einrichtung zu leiten, ohne selbst in einer solche leben zu wollen. "Und überhaupt: was heißt in einer Einrichtung leben zu wollen?", fragt Bartz. "Das wollen nur diejenigen, denen man erzählt, dass sie ambulant versorgt vereinsamen würden und nicht die notwendige Assistenz und Unterstützung bekämen". Wer unter diesem Druck befragt würde, dem bliebe wohl kaum was anderes übrig als zu sagen, er "wolle" ins so genannte Heim. "Ich frage mich, wozu eine Gesetzgebung taugt, die klipp und klar 'ambulant vor stationär' vorgibt, wenn mit öffentlichen Geldern immer neue Aussonderungseinrichtungen geschaffen werden", so Bartz weiter. Es sei wie ein Kampf gegen die Windmühlen, oder vielleicht besser noch gegen eine hundertköpfige Hydra. Wenn man einen Kopf abschlägt - sprich eine Einrichtung auflöst, würden unzählige neue nachgebaut. omp
Beate Gokorsch schrieb am 28.05.2006, 17:11
Ich möchte gerne in Augsburg eine Hausgemeinschaft mit Körperbehinderten und Nichtbehinderten Menschen zusammen gründen. Dafür such ich Mitstreitende in der Umgebung. Alles weitere telefonisch oder per E-Mail. Beate Gokorsch
Arnd Hellinger schrieb am 27.05.2006, 14:53
Wenn - wie im jetzigen Fall aus Würzburg - klassische Üüberzeugungsarbeit nicht zu funktionieren scheint, müssen wir uns etwas Neues überlegen. Das birgt zwar Konfliktstoff, lässt sich aber nicfht immer ganz vermeiden.
So könnten z.B. ForseA und WüSL hier gezielt Anwohner (Nachbarn) des geplanten "Heims"dazu übereden, baurechtliche Enwände zu erheben. Diese bawirkeen zumindest, dass die Baugenehmigung für die Anstallt später kommt und das Vorhaben öffentlich hinterfragt werden kann. Auch besteht die Chance, dass dadurch mögliche Geldgeber die Geduld verlieren.
Weiter sollte man auf den Vorstand der Aktion Mensch einwirken. Wenn von dort kein Geld mehr für stationäre Einrichtungen mehr kommt, werden auch keine (oder weniger) neu gebaut. Gleiches gilt für staatliche bzw. kommunale Zuschussgeber.
Dass die hier zu bohrenden Bretter nicht wrklich dünn sind, ist mir klar...
Dipl.-Soz.Arb. Uwe Heineker schrieb am 27.05.2006, 13:01
... wird wohl Generationen dauern, so tiefverbohrt sind noch die Stukturen ...
Aber unser Kampf hat längst schon begonnen und wir dürfen nicht nachlassen.
Unsere Folgegenation(en) wird dankbar sein ...
Andreas Schäfer schrieb am 27.05.2006, 12:10
Es sollte jedem klar sein, dass es nur um die wirtschaftlichen Interessen verschiedener Gesellschaften, welche Heime betreiben, geht. Die ach so sozialen Verbände, wie z.B. Arbeitwohlfahrt, ASB, DRK, Caritas etc... bilden hier keine Ausnahme. Ich war letztes Jahr auf einer Tagung in Saarbrücken (das Sozialministerium hatte eingeladen), auf der es um das persönliche Budget ging. Anwesend waren fast nur diese Verbände, die ihre Pfründe sichern wollen. Es scheint für viele dieser Heimbetreiber völlig unlogisch, dass behinderte Mitbürger frei leben und selbstbestimmt wohnen möchten, ohne die Einrichtungen von diversen Heimen in Anspruch zu nehmen. Es gibt noch viel zu kämpfen. Tun wir es ohne uns entmutigen zu lassen. Auch wenn es oft sehr schwer ist.
Waltraud David schrieb am 27.05.2006, 09:28
Schade ist es, daß diese wichtige Forsfchungsarbeit nirgendwo berücksichtigt wird!
Dort wurde doch klar bewiesen, daß die meisten Gelder ganz einfach in der Verwaltung verschwinden.
Wer auch noch nie richtitg in einer "Menschenverwahrsanstalt" gelebt hat,kann da auch nicht mit reden.
Daß die großen "Paratätischen Wohlfahrtsverbände gegen die Assistenznehmer sind, war mir schon während des Projektes klar!
Aber wenn sie selbst mal so leben müssen, wie sie es jetzt von anderen verlangen, ist es zu spät!
Einrichtungen sind mit "Gefängnissen gleichzu sätzen, nur dort wird auf die Durchführung und Einhaltung der Rechtsvorschriften geachtet, aber in den "Anstalten" nicht.
Das aber schimpft sich dann oft auch noch "Christlich", aber hat nichts damit zu tun!
Waltraud David