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29.05.2006 - 08:30

Kritik an Förderpraxis der Aktion Mensch.

Kassel (kobinet) Ottmar Miles-Paul vom Netzwerk Artikel 3 hat die Förderpraxis der Aktion Mensch kritisiert, wonach diese immer noch Gelder für neue "Wohnheime" bereitstellt. In Erfurt nahm gestern zum Beispiel ein u.a. von der Aktion Mensch gefördertes "Wohnheim" für 24 so genannte geistig behinderte Menschen seinen Betrieb auf. Wie die TLZ.de berichtet bietet der neue 1,6 Millionen Euro teure Neubau des "Wohnheims" Platz für 24 Menschen. Die Kosten teilen sich der Freistaat, der Bund, die Aktion Mensch und die Lebenshilfe. In Thüringen gibt es nach Angaben des Sozialministeriums derzeit 5.828 Plätze in Wohnstätten für behinderte Menschen. "Es ist eine gute Sache, wenn die Aktion Mensch mit der einen Hand die Reform von Groß- und Komplexeinrichtungen fördert. Wenn dann auf der anderen Seite aber viele Gelder in den Bau von neuen Einrichtungen gepumpt werden, ist dies nicht stimmig", so Ottmar Miles-Paul. Man mache hier ähnliche Fehler wie mit dem Aufbau von Großeinrichtungen. "Wenn 24 Menschen zusammen wohnen müssen, ist dies auf den ersten Blick sicher besser, wie mit mehreren hundert, doch bleibt auch hier der institutionelle Charakter einer Einrichtung gegeben, der meist herzlich wenig mit einem echten Leben in der Gemeinde zu tun hat", kritisierte Miles-Paul. "Wenn wir echte Teilhabe und Gleichstellung wollen, müssen wir nun auch konsequent dafür sorgen, dass behinderte Menschen auch die gleichen Chancen bekommen, um so wie alle anderen auch, in der Gemeinde leben zu können. Die wenigsten Nichtbehinderten würden derzeit wohl freiwillig wählen, mit 23 anderen Menschen in einer Einrichtung zu leben, in der sie sich meist auch dem Einrichtungsalltag unterordnen müssen. Warum sollte das bei behinderten Menschen anders sein", fragt sich der Behindertenrechtler. Daher sei es angesagt, auf die Aktion Mensch, aber auch auf die Länder und Wohlfahrtsorganisationen einzuwirken, um deutlich zu machen, dass solche Einrichtungen nicht mehr akzeptiert sind und echte Alternativen her müssten. elba 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Lothar Schwarz schrieb am 17.01.2009, 11:59

Kritik an Hilfsorganisationen

Die Kritik an Aktion Mensch muß erweitert werden. Die Vergabepraxis ist undurchschaubar. Für meine schwerstbehinderte Lebenspartnerin hatte ich von Aktion Mensch eine persönliche
Hilfe bei Aktion Mensch erbittet. Die Antwort war, daß diese Org. nur an "Projekte" Gelder
ausgibt ! Soll wohl bedeuten: Ab in eine solche Institution. Der Grundgedanke der Selbst-
versorgung bzw. selbstständiges Leben wird scheinbar nicht gefördert.

Viele Jahre mit dem Thema Hilfsorganisationen befaßt müßte dann auch noch etwas anderes Kritisiert werden. Viel zuviel Gelder fließt in den bürokratischen Aufbau und vielfach auch in
die Geldbeutel von Vorständen, Manager etc. ! Kaum daß man einmal erfährt, wieviel Gelder Manager, Vorstände u.A. in den Organisationen verdienen. Dazu Skandale wie bei UNICEF Deutschland !

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