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kobinet-nachrichten 23.06.2006 - 20:07
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Empowerment für Assistenz

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Berlin (kobinet) Dass die Methodes des Peer Counseling, also der Beratung von Behinderten durch Behinderte, ein wichtiges Instrument für die Nutzung des Arbeitgebermodells und persönlicher Budgets ist, wurde heute bei einer Veranstaltung in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Berlin deutlich. Ein Bündnis von Behindertenverbänden unter Federführung des Berufsverbandes Peer Counseling (BVP) hatte zu der Veranstaltung unter dem Motto "Empowerment für Assistenz: Peer Counseling zum Arbeitgebermodell und persönlichen Budget nach Berlin eingeladen. Bereits zu Beginn der Veranstaltung machte der Behindertenbeauftragte und Staatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Richard Auernheimer in seinem Grußwort als Schirmherr der Veranstaltung deutlich, wie wichtig das Peer Counseling für die Behindertenarbeit ist. "Wir befinden uns derzeit in einer 'Fortschrittsfalle', für deren Bewältigung wir dringend Ihre Hilfe als Betroffene brauchen", so Dr. Richard Auernheimer. In der Behindertenpolitik sei nicht zuletzt mit den persönlichen Budgets einiges in Bewegung gekommen, um die Selbstbestimmung behinderter Menschen zu fördern. "Hierfür brauchen wir nun Menschen, die sagen können: 'Ich hab's gemacht' und damit anderen behinderten Menschen Mut machen können, ähnliche Wege zu mehr Selbstbestimmung zu wagen. Wir brauchen also viele Mutmacher und dafür eignet sich das Peer Counseling, das beispielsweise in Rheinland-Pfalz in vielen Projekten angewandt wird, bestens", so Auernheimer. VertreterInnen verschiedener Organisationen stellten Beispiel für Peer Counseling Angebote und Schulungen vor, die von der Schulung zur Organisation und Beratung in Assistenzfragen, bis zur Beratung zum Persönlichen Budget reichten. "Ich habe das Gefühl, wir haben hier zwar viele tolle Projekte kennen gelernt, doch dabei auch viele 'Eintagsfliegen' kennen gelernt, weil die Projekte meist eben modellhaft und zeitlich befristet sind. Es muss also immer wieder von vorne angefangen werden und viel Energie verpufft, weil es keine langfristige Finanzierung gibt", bemängelte die Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz, Marita Boos-Waidosch, die Situation. Die Rollstuhlnutzerin war erst letzte Woche mit einer Delegation der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, in Schweden und zeigte sich von diesen Erfahrungen sehr beeindruckt. "Wir brauchen einen klaren Politikwechsel und eindeutige gesetzliche Vorgaben, mit denen die Uhren eindeutig auf ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde statt in Sondereinrichtungen umgestellt werden. Dann wird auch eine Dynamik einsetzen, um die nötigen Hilfen, wie das Peer Counseling für behinderte Menschen vor Ort bereit zu stellen. Dieser internationale Eindruck wurde in der Diskussion von Dinah Radtke, der Vizepräsidentin von Disabled Peoples' International bestätigt. "Die Japaner sind beispielsweise den Weg gegangen, dass sie mit der Einführung einer gesetzlichen Assistenzabsicherung auch den Aufbau von 100 Zentren zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen verbunden haben. Das war für die dortige Behindertenbewegung zwar eine riesige Herausforderung, doch hatte dies viele positive Aspekte, denn Peer Counseling spielt dort nun eine zentrale Rolle. Elke Bartz vom Forum selbstbestmmter Assistenz behinderter Menschen machte mit ihrem Vergleich, dass wir allzuoft mehr damit beschäftigt sind, jede kleine Bordsteinkante abzuflachen, statt die Landesbauordnung entsprechend zu ändern, das Dilemma deutlich, in dem wir hierzulande oft stecken. "Es gibt viele tolle Projekte mit einem enormen Engagement, aber an der Grundsituation ändert dies leider kaum etwas. Wir brauchen klare gesetzliche Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Grundsatzes ambulant vor stationär, durch die auch die Beratungsangebote für behinderte Menschen abgedeckt werden. Für Uwe Frevert vom Vorstand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hatte die Veranstaltung im Berliner Regierungsviertel einen wichtigen symbolischen Wert. "Vor 12 Jahren haben wir die erste Weiterbildung zum Peer Counseling konzipiert, nun kommen wir endlich langsam aber sicher im Regierungsviertel an. Die Behindertenpolitik darf schlichtweg nicht mehr an den Kompetenzen und dem Engagement behinderter Menschen vorbei gehen. Denn was heute mit den persönlichen Budgets angestrebt wird praktizieren wir behinderte ArbeitgeberInnen zum Teil schon seit über 20 Jahren, nämlich eine stärkere Selbstverantwortung für unser Leben und eine gegenseitige Unterstützung, um dies leben und umsetzen zu können", so Uwe Frevert. Matthias Rösch vom Berufsverband Peer Counseling, der diese Veranstaltung zusammen mit Maik Nothnagel organisiert hatte, machte deutlich, dass in Sachen Peer Counseling viele Herausforderungen und Facetten vorhanden sind. "Peer Counseling ist ein wichtiger Schlüssel zum Empowerment, sozusagen, das Werkzeug der Selbstbestimmt Leben Bewegung, das wir in viele Ecken der Behindertenarbeit tragen müssen. Denn es gilt noch sehr viele Türen, die für behinderte Menschen geöffnet werden müssen, um echte Gleichstellung und Selbstbestimmung leben zu können", so Matthias Rösch. omp 

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