
Hollenbach (kobinet) Große Freude herrscht beim Vorstand des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.). Das Kuratorium der Aktion Mensch hat die Förderung der Kampagne mit dem Titel "Ich muss uns Krankenhaus - und nun?" zugesagt. "Ohne diese Förderung könnten wir die Kampagne nicht durchführen", erklärt ForseA-Vorsitzende Elke Bartz. Dabei hätte sie gerade in den vergangenen Monaten immer wieder zu hören bekommen, wie wichtig eine solche Kampagne sei. "Sobald man dieses Thema bei behinderten Menschen, Angehörigen oder Vertretern anderer Verbände anspricht, bestätigen alle, dass es häufig große Probleme gibt, wenn behinderte Menschen ins Krankenhaus müssen. "Egal, ob es Menschen mit hohem Assistenzbedarf sind, der im Krankenhaus nicht gedeckt werden kann, oder Menschen mit Lernschwierigkeiten, für die diese ungewohnte Situation beängstigend ist, oder gehörlose Menschen, die sich nicht verbal verständigen können: überall gibt es Verbesserungsbedarf", ergänzt Vorstandsmitglied Gerhard Bartz. Hier wolle ForseA ansetzen. Von 1000 Krankenhäusern hat Vorstandsfrau Isolde Hauschild die Adressen zusammengefasst. Diese würden befragt, ob und wie sie notwendigen Hilfen für Menschen mit Behinderungen sichern könnten. Außerdem sollen in einer "qualitativen" und einer "quantitativen" Umfrage die Erlebnisse in Krankenhäusern zusammengefasst werden. Es gehe weder darum, an der akutmedizinischen Versorgung zu zweifeln, noch Krankenhäuser wegen mangelnder Leistungen "anzuschwärzen". Vielmehr solle sachlich dargestellt werden, welche behinderungsbedingten, zusätzliche Hilfen gebraucht würden und wie diese zu decken möglich wäre. "Behinderte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben neben der häufig erfahrenen Unterversorgung das Problem nicht zu wissen, was mit ihren Assistentinnen und Assistenten geschehen soll, wenn sie ins Krankenhaus müssen. Einerseits würden diese dringend zur Pflege im Krankenhaus gebraucht. Andererseits stellen die Kostenträger häufig die Leistungen bei stationären Aufenthalten sofort ein, so dass die Finanzierung der Assistenzkosten nicht mehr erfolgt", berichtet Elke bartz. Die Probleme verschärfen sich zusätzlich, wenn Assistenzpersonen entlassen werden müssten und während der Arbeitslosigkeit in andere Jobs vermittelt würden. "Dann wird es fatal, denn bei der Entlassung aus dem Krankenhaus steht kein (komplettes) Assistenzteam mehr zur Verfügung. Vom Krankenhaus aus lässt sich kaum ein neues organisieren". Eine Rechtsexpertise solle neben den Erhebungen die rechtliche Situation darstellen und Lösungsansätze entwerfen. "Aber erst einmal gibt es am 19. Oktober ab 14 Uhr im Rahmen der REHACARE 2006 in Düsseldorf die eigentliche Auftaktveranstaltung in Form einer Podiumsdiskussion", sagt Gerhard Bartz. "Neben der Bundesbehindertenbeauftragten, Karin Evers-Meyer, werden Ilona Brand, eine behinderte Frau mit Krankenhauserfahrung, Priv.-Doz. Dr. med. Uwe Mellies, Universität Essen, Helmut Budroni, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Witten-Herdecke, sowie Bern Finke, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Sozialhilfeträger (BAGüS) und der Vertreter einer Krankenkasse teilnehmen. Das wird sicher eine spannende Veranstaltung, zu der wir uns viele Publikumsgäste erhoffen". Zum Abschluss der Kampagne im herbst 2007 sollen die Ergebnisse zusammengefasst der Bundesbehindertenbeauftragten und den behindertenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen übergeben werden mit der Bitte sich für notwendige gesetzliche Änderungen einzusetzen. omp