02.09.2006
- 12:54
Einzigartiger Beleg für NS-'Euthanasie'-Verbrechen.
Hadamar (kobinet) Mit dem Wiederaufbau der Busgarage in der Gedenkstätte Hadamar hat die Gedenkstätte einen einzigartigen Beleg für die NS-"Euthanasie"-Verbrechen geschaffen.
In einer Gedenkveranstaltung, die an den Beginn des II. Weltkrieges vor 67 Jahren erinnerte, ist gestern auch der Wiederaufbau der ehemaligen "T4"-Busgarage in der Gedenkstätte Hadamar gewürdigt worden. Der Landeswohlfahrtsverband Hessen, der das Gedenken an die etwa 15.000 Opfer der "Euthanasie"-Morde des NS-Regimes in der damaligen nassauischen Tötungsanstalt wach halten will, konnte die einzige noch erhaltene Busgarage vor dem endgültigen Verfall retten. "Dieses Zeugnis der NS-'Euthanasie'-Morde sollte erhalten bleiben", sagte LWV-Beigeordneter
Dr. Peter Barkey bei der Veranstaltung. Insgesamt wurden mehr als 100.000 Euro für die Wiedererrichtung beigetragen. Nur so konnte das Gebäude restauriert und am ursprünglichen Standort wieder errichtet werden.
Die Gedenkstätte Hadamar erhält durch die wiedererrichtete Busgarage eine authentische Ergänzung zu den Originalräumen und dem Friedhof, wie der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Georg Lilienthal, darstellte. Diese "gegenständlichen Zeugnisse" bringen für die pädagogische Arbeit eine neue Qualität. Sie helfen, die durch den zeitlichen Abstand und Fehlen von Zeitzeugen wachsende Distanz zur Vergangenheit zu überbrücken.
In ähnlich hölzernen Busgaragen waren nach Informationen des LWV Hessen während der ersten Mordphase im Jahr 1941 in den insgesamt sechs "Euthanasie"-Tötungsanstalten die berüchtigten grauen Busse der "Gemeinnützigen Krankentransport-GmbH" (Gekrat) stationiert. Die Garage in Hadamar konnte drei dieser Busse aufnehmen, mit denen Patientinnen und Patienten aus den sogenannten Zwischenanstalten abgeholt und nach Hadamar gebracht wurden. Die Patienten durften die Busse nur im Innern des abgeschlossenen Gebäudes verlassen, damit sie vor fremden Blicken abgeschirmt waren und keine Gelegenheit zur Flucht hatten. Ins Hauptgebäude führte ein Schleusengang.
Nur wenige Stunden nach der Ankunft wurden die Menschen auf grausame Weise in der Gaskammer ermordet. Die sog "T4-Aktion", benannt nach dem Sitz der Verwaltungszentrale der Gasmordaktion in der Berliner Tiergartenstraße 4, war nach Informationen des LWV Hessen der erste vom NS-Regime organisierte Massenmord, dem zwischen 1940 und 1941 rund 70.000 Menschen zum Opfer fielen, davon über 10.000 allein in der Tötungsanstalt Hadamar. Der 1. September ist nicht allein der Tag der Wiederkehr des Kriegsbeginns: Auch datierte Hitler seine Ermächtigung zum "T4"-Krankenmord auf diesen Termin.
An der wiedererrichteten Busgarage informieren sechs Informationstafeln über die NS-"Euthanasie"-Verbrechen und die Bedeutung der Busgarage. Jeweils eine Tafel ist in englischer, russischer und in leichter Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten verfasst. Damit sind Informationen für Gedenkstättenbesucher verfügbar, die außerhalb der Öffnungszeiten kommen. omp
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