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20.09.2006 - 09:12

Uwe Adamczyk gibt wegen rechten Terrors auf.

Meerane (kobinet) Der Einzug der NPD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat die Diskussion über das Treiben rechtsextremer Kräfte in Deutschland wieder ins Licht der Öffentlichkeit gebracht. Der langjährig behindertenpolitisch engagierten Uwe Adamczyk ist vor seiner Haustür in Meerane mit dem rechten Terror tagtäglich konfrontiert. Dies hat nun dazu geführt, dass er seine politischen Ämter aufgibt und wegzieht. Dies teilte Uwe Adamczyk den kobinet-nachrichten mit.

Wie der ehemalige Landtagsabgeordnete der PDS den kobinet-nachrichten mitteilte, kam es in der Nacht vom Freitag, den 15.09. auf Samstag, den 16.09.2006 gegen 3:20 Uhr zu einem erneuten Anschlag auf das von ihm bewohnte Gebäude in Meerane im Chemnitzer Land. "Gegen 3:20 Uhr drangen mehrere der rechtsorientierten Szene zugehörige Personen über ein Schaufenster in das Gebäude ein und zündeten ein dort abgestelltes Kleinkraftrad S51 an. Wie mir nun zwischenzeitlich bekannt geworden ist, war es die eindeutige Absicht der Täter meinen Tod billigend in Kauf zu nehmen. Damit werden aus meiner Sicht eindeutig die Straftatbestände Einbruch, Brandstiftung, versuchter Mord und Sachbeschädigung erfüllt", schrieb Uwe Adamczyk. "Mein Dank und Anerkennung gilt dem aufmerksamen Verhalten eines Nachbarn, der sofort die Feuerwehr alarmierte und dem schnellen Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr Meerane, so konnte größerer Schaden verhindert werden. Zum Zeitpunkt der Tat hielten sich drei Mieter in dem Gebäude auf, die ohne Verletzung das Gebäude verlassen konnten".

Nicht zum ersten Mal haben rechtsorientierte Kräfte versucht Uwe Adamczyk Schaden zuzufügen. In der Nacht vom 13.12. zum 14.12.2005 wurde nach dessen Informationen eine Schaufensterscheibe eingeschlagen bzw. eingetreten. In der Nacht vom 27.12. zum 28.12.2005 wurde zweimal eine Schaufensterscheibe eingeschlagen mit einem Bierglas bzw. einem Fahrradständer und in der Nacht vom 29.12. zum 30.12.2005 wurden zwei weitere Schaufensterscheiben mittels Steinen eingeschlagen. "Der entstandene Sachschaden beträgt in diesen Fällen etwa 3.000 Euro. Zu diesen wie auch weiteren Vorfällen (Illigeale Graffittisprühereien, Einbruch) wurde meinerseits Anzeige erstattet. Alle Ermittlungen hierzu wurden zwischenzeitlich durch die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit der Begründung 'man könne die Täter nicht ermitteln' eingestellt", so Uwe Adamczyk.

Dies waren aber nicht die einzigen Ereignisse in dieser Zeit. So wurden auch Scheiben des Wohnhauses des Bürgermeisters der Stadt Meerane Prof. Dr. Ungerer und das Schaufenster eines Dönerladens in der August-Bebel-Str. in Meerane durch rechtsorientierte Personen eingeschlagen. Übergriffe und Pöbeleien von rechtsorientierten Personen auf andersdenkende und anderaussehende Personen waren laut Uwe Adamczyk ebenfalls an der Tagesordnung. "Zumeist wurde hier nicht mehr Anzeige erstattet, weil kaum noch jemand ernsthaft glaubt, dass ihnen geholfen wird bzw. das man die Täter tatsächlich ermittelt und zur Verantwortung zieht", schreibt der selbst behinderte Politiker.

"Die Polizei versucht nun die Täter zu ermitteln. Zu hoffen bleibt, dass diese Ermittlungen nicht wieder im Sande verlaufen und die Täter endlich einer gerechten Strafe entgegensehen sollen. Die zwischen der Polizei und mir geführten Gespräche lassen hoffen. Aber auch die Bürger selbst sind zu mehr Zivilcourage aufgerufen. Rechtsextremen und rassistischen Parolen und Verhaltensweisen muss eindeutig Einhalt geboten werden. Jeder Bürger hat daran selbst eine eigene Verantwortung", schreibt Uwe Adamczyk. "Als Konsequenz aus diesem Anschlag werde ich die Stadt Meerane verlassen und damit auch mein Mandat als Stadtrat von Meerane und als Kreisrat des Chemnitzer Land aufgeben", so die persönliche Konsequenz von Uwe Adamczyk. omp
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Iris Heisrath schrieb am 05.10.2006, 20:09

Volkes Wille?

Wir beobachten diese Tendenzen mit Sorge. In Talkshows wird das Thema je nach aktueller Situation mal mehr und mal weniger aufgegriffen. Und immer dann wird der Vorwurf gegenüber den politischen Kräften im Lande laut. - Es reicht ber nicht, nach der Politik zu rufen, denn Politik macht letztlich das Volk. Auch wenn wir das bisweilen anzweifeln, weil wir das Politkarussell als Zuschauer argwöhnisch betrachten. Und doch müssen wir uns alle die Frage stellen: Was soll die Politik bewirken, wenn in einer Kleinstadt wie Meerane gerade einmal 200 Menschen zusammenkommen, um ihre Sympathie mit Adamzcyk zu bekunden und in persona gegen die Täter aufstehen? - Das Schweigen der Daheimgebliebenen muss uns in tiefe Nachdenklichkeit versetzen. Eine Nachdenklichkeit, die uns alle wachrütteln muss, damit nicht aus Desinteresse ein stummes Zugeständnis wird. An uns ist es, den politischen Kräften unseren Willen zu bekunden. Sonst muss sich keiner zum Kläger erheben, dass er nicht gehört worden sei.

Rudi Richter schrieb am 20.09.2006, 16:29

Bestürzend

Die Erfahrungen von Uwe Adamczyk sind wirklich bestürzend. Wenn wir schon wieder so weit sind, dass politisch engagierte Menschen vor dem Terror rechtsradikaler Kräfte aufgeben und zurückstecken müssen, dann wird es Zeit, dass unsere Gesellschaft einmal inne hält.

Neben platten und einfachen Erklärungsversuchen, wie fast nach jeder Wahl, bei der die Rechten zugelegt oder die Wahlbeteiligung in den Keller gegangen ist, vorgebracht, tut es dabei dringend Not, einmal tiefer auf unser soziales Gefüge zu blicken.

Reiche werden ständig reicher, Dauerarbeitslosigkeit in vielen Bereichen der Republik, wenig Perspektiven für Jugendliche, all diese Herausforderungen müssten doch in einem noch sehr reichen Land wie Deutschland gemeinsam zu schultern sein. Vielleicht tut etwas weniger Egoismus und mehr Gemeinwohl bei uns allen Not.

Rudi Richter

Hans-Werner Hoppe schrieb am 20.09.2006, 12:18

Wen wundert es noch...

Hallo liebe Leser.

Wen wundert es?

Denn, selbst "offiziell" äußert ein NPD-Mann:
"...
Ganz anders kommt Spitzenkandidat Udo Pastörs daher.
...
Statt Frauen, Behinderte und Asylbewerber zu unterstützen,
solle man das Geld zur Förderung von Familien und des
ländlichen Raumes einsetzen.
..."
(Quelle:
"Nach den Wahlen
Die NPD nimt Kurs auf den Bundestag"
www.welt.de/data/2006/09/19/1041663.html )


Ein weiteres, in meinen Augen erschütterndes, Beispiel
"rechter" Gewalt und die daraus entstanden Konsequenzen
sind gestern abend (19.09.06/ 22:45 Uhr) in der ARD
gezeigt worden:
"Menschen bei Maischberger
Biedermänner oder Brandstifter – wie gefährlich sind die
Rechten?"
( www.daserste.de/maischberger/sendung_dyn~uid,yn4jf9ehhig2svzyqcy506nm~cm.asp )
Dort wurde die Geschichte von Noel Martin
( de.wikipedia.org/wiki/No%C3%ABl_Martin
bzw.
www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,437450,00.html )
erzählt.

Man wird wütend, wenn man diese und ähnliche Geschichten
liest...

H.-W. Hoppe

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