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kobinet-nachrichten 13.10.2006 - 08:45
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Geld für neues Heim in Frankfurt gestrichen

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Frankfurt am Main (kobinet) Der von der Behindertenbewegung heftig kritisierte Bau eines neuen Heimes in Frankfurt am Main kommt doch noch einmal ins Wanken. Obwohl mittlerweile ein Grundstück zur Verfügung steht, hat der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) die Zuschüsse für den Heimbau gestrichen. Dies berichtete die Frankfurter Neue Presse. Der Verein "Gib mir deine Hand" setzt sich dem Bericht zufolge seit Jahren dafür ein, dass eine Einrichtung geschaffen wird, in der Behinderte ganztags versorgt werden können. Der LWV als größter Geldgeber drohe nun von dem Projekt abzuspringen. Mithilfe des Frankfurter Liegenschaftsamtes hatte der Verein bereits das Grundstück in der Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Straße 2 in Hausen gefunden, das sie per Erbpacht übernahmen. Dort wäre Platz für einen Neubau, in dem 24 Behinderte - darunter acht schwerst mehrfachbehinderte Menschen - stationär versorgt werden könnten. Auch der Bauplan sei schon genehmigt und der Finanzplan erstellt - eigentlich könnten bald die Bagger anrücken. Die Absage des LWV wird dadurch begründet, dass im Haushalt kein Raum für das Projekt sei. Der Behindertenverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) begrüßte die Entscheidung des LWV kein Geld für den Bau eines neuen Heimes zur Verfügung zu stellen. "Wenn es in einer Stadt wie Frankfurt mit vielfältigen innovativen Angeboten in der Behindertenpolitik nicht gelingt, ambulante Angebote für behinderte Menschen als Alternative zu schaffen, dann steht es um die Behindertenpolitik in Hessen schlecht", kritisierte Uwe Frevert vom Vorstand der ISL die Stadt Frankfurt für ihre bisherige Unterstützung des Vorhabens. "Ich freue mich, wenn beim LWV endlich ein Umdenken einsetzt und unsere bundesweite Kampagne für einen Baustopp neuer 'Heime' endlich einen konkreten Umdenkungsprozess in der Politik und Verwaltung bewirkt". Für Harald Reutershahn vom Vorstand des Frankfurter Clubs Behinderter und ihrer Freunde (CeBeeF) stieß die Nachricht, dass sich der LWV voraussichtlich aus der Finanzierung des neuen "Heims" zurückzieht auf große Hoffnung, dass die neue Einrichtung vielleicht doch noch verhindert werden kann. "Wir vom CeBeeF treten seit über dreißig Jahren dafür ein, dass behinderte Menschen wie alle anderen auch in der Gemeinde leben können und nicht mehr auf Sondereinrichtungen verwiesen werden. Wenn nun in Frankfurt ein neues sogenanntes Heim gebaut werden soll, ist dies ein Affront gegen eine moderne Behindertenpolitik. Deshalb freuen wir uns darüber, dass die Sache beim LWV doch noch auf kritische Ohren zu stoßen scheint", so Harald Reutershahn. Nicht nur der CeBeeF sieht das neue "Heim" in Frankfurt kritisch, auch die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft, die in Frankfurt sozusagen die Funktion eines Behindertenbeirates ausübt, hat sich schon mehrfach mit dem geplanten Neubau befasst und sich eindeutig ablehnend gegen diesen Heimneubau und alle weiteren Neubauten von Heimen ausgesprochen. "Wenn es in Schweden gelungen ist, die Heime abzubauen, frage ich mich, warum wir hierzulande immer noch neue bauen müssen. Viel wichtiger ist es kreative und engagierte Alternativen für ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde aufzubauen", so Harald Reutershahn, der sich auch in der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft engagiert. omp 

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Rudi Richter schrieb am 13.10.2006, 18:21

LWV muss bei Entscheidung bleiben

Die Nichtgenehmigung der Förderung für das neue "Heim" in Frankfurt ist für den LWV vorbildlich. Ich hoffe nur, dass dieser auch bei der Entscheidung bleibt. Denn wenn es der Verband ernst damit meint, einen Paradigmenwechsel voran zu treiben und behinderten Menschen ein Leben in der Gemeinde zu ermöglichen dürfen keine neuen Mauern aufgebaut werden.

Dass sogenannte "Heime" Mauern sind, die oft von institutionellen Zwängen geprägt sind und für die Betroffenen große Abhängigkeit und Ausgrenzung erzeugen, dafür gibt es Beispiele genug. Denn meist ist es in den sogenannten "Heimen" gar nicht so heimelig, wie es der Name vorgaukelt. Denn sonst würden ja wohl mehrere andere Menschen Heime gründen und dort auch einziehen.

Rudi Richter

Gustav Zechmeister schrieb am 13.10.2006, 14:28

Gute Alternativpläne gesucht

Es ist eine vorbildliche Entscheidung des LWV Hessen die finanziellen Mittel zu streichen.
Ich sehe die Sache etwas kritisch. Wir sollten die Macht der Einflußnahme auf betroffene Behinderte der Verantwortlichen nicht vergessen. Behinderten, die schon seit Jahren an das Heimleben gewöhnt sind, wird erzählt, dass andere Behinderte ihnen neue, bessere Wohnmöglichkeiten durch ihre Proteste unmöglich gemacht haben.
Vielleicht haben diese Betroffenen sich schon seit einiger Zeit auf ein neues Zuhause gefreut.
Deshalb sollten Menschen vor Ort gleich nach neuen alternativen Wohnangeboten Ausschau halten und bei dringendem Bedarf etwas als Ersatz anbieten zu können.
Diese Vorgehensweise wäre für Betroffene auf jeden Fall fairer.

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