
Stuttgart (kobinet) Götz Werner, Chef der Drogeriekette "dm" plädierte heute in der Radiosendung "Leute" in SWR1 für ein vom Staat garantiertes Grundeinkommen von 750 - 900 Euro als Gegenmodell für mehr Kreativität und zur bestehenden Verteilungsbürokratie. Götz Werner machte im Gespräch mit SWR-Moderator Wolfgang Heim deutlich, dass ein adäquates Einkommen eine Grundvoraussetzung ist, um in dieser Gesellschaft leben zu können. Die gegenwärtige Verteilungsbürokratie, für die Menschen, die bei der herkömmlichen Erwerbsarbeit keine Chance mehr haben, gestalte sich sehr umständlich und aufwändig. Ein staatlich garantiertes Grundeinkommen zwischen ca. 750 und 900 Euro pro Monat könne hier Abhilfe schaffen. Es sei ein Trugschluss, dass dies der Gesellschaft teurer käme, denn für Menschen mit sozialen Schwierigkeiten gäbe der Staat heute schon viel Geld aus und das solle auch zukünftig so bleiben. "Die Erwerbsarbeit geht uns zunehmend aus. Auf der anderen Seite haben wir einen großen Bedarf im sozialen und kulturellen Bereich", betonte Götz Werner, der auf das Engagement der Menschen setzt, etwas sinnvolles für andere tun zu wollen. omp
Dirk Gebauer schrieb am 14.11.2006, 13:06
Beim bedingunslosen Grundeinkommen geht es gerade auch darum, dass der Einzelne seine Arbeit nicht des Geldes wegen verrichtet, sondern dass der Einzelne sich ausrichtet, eine Tätigkeit zu erfüllen, die seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Wieviele Lehrer, Politiker und Wirtschaftsbosse... gibt es,mal ganz ehrlich, die Ihren Beruf rein aus der Verlockung eines hohen Gelderwerbs ausüben. In meinen Augen ist das schon korrupt.( korrupt=verschmutzt im Geist)
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Gebauer
Klaus Binder schrieb am 14.11.2006, 03:42
Sendungen über das "bedingungslose Grundeinkommen" gibt es noch viel zu wenig. Dieses Thema wird oft wie das Hobby einer Einzelperson behandelt. Nicht etwa, daß die BGE-Bewegung auf Götz Werner verzichten könnte, keineswegs! Es ist eher umgekehrt: ohne die vielen Tausenden Bürger die sich inzwischen mit diesem Thema in sehr unterschiedlicher Weise befassen, bliebe das BGE des Götz Werner tatsächlich nur ein antroposophisches Steckenpferd eines interessanten Einzelgängers.
Die "geniale" Idee selbst leuchtet ja vielen Bürgern ein, besonders solchen, die noch ein intaktes Langzeitgedächnis besitzen und von daher wissen, daß wir schon seit zwei Jahrzehnten "Massenarbeitslosigkeit" haben.
Die Frage ist, ob diese schöne Idee realisierbar ist. Gerade der Umstand aber, daß immer mehr Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und politischen Lagern, von "Spießer" bis "Spinner", sich damit befassen, deutet auf eine Realisierbarkeit hin. (Um das derzeitige Ausmaß dieser noch sehr kleinen Bürgerbewegung abzuschätzen, kann man z.B. in google unter "bedingungsloses Grundeinkommen" suchen.)
Vielleicht könnte in künftigen Sendungen der Zusammenhang solcher wirklich verdienstvollen Aktivisten, wie Werner, mit der restlichen Bewegung wenigstens mal erwähnt werden?
mit freundlichen Grüßen
Klaus Binder
-----------------
PS-Info: Dr. Harald Wozniewski entwickelt sich mehr und mehr zu einem Wernerschatten. Seine Entgegnung postet er unverändert überall hin, wo von Götz Werner die Rede ist.
Dr. Harald Wozniewski schrieb am 13.11.2006, 18:58
Das bedingungslose, konsumsteuer-finanzierte Grundeinkommen, wie es u. a. Götz W. Werner mit viel finanzieller Macht voran treibt (s. www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/stundenlohn.htm, Rang 65), ist eine heimtückische Falle für unsere Volkswirtschaft. Es lockt die breite, seit Jahrzehnten der Armut verfallenden Bevölkerung wie der Gesang der Sirenen.
In Wirklichkeit dient es der Festigung des modernen Feudalismus in Deutschland und fördert die weitere Vermögenskonzentration bei unseren zehntausend Meudalherren (und -frauen) in Deutschland:
1. Diese werden von lästigen Einkommens- und Ertragssteuern befreit, nach heutigem Maßstab in Millionenhöhe. Die Konsumsteuer hängt allenfalls noch vom persönlichen Lebenswandel, aber nicht mehr vom persönlichen Reichtumszuwachs ab. Unternehmer wie die reichsten 300 Deutschen (manager-magazin, Sonderheft 2005), zu denen auch Götz W. Werner gehört, würden ihre Unternehmen völlig steuerfrei betreiben und noch schneller aufblähen als sie es heute können. Konkurrenz am Markt haben sie ohnehin nicht mehr - jedenfalls nicht durch die breite Bevölkerung.*
2. Hinzu kommt, dass die längst hereinbrechende Gefahr von Umsatzrückgängen auch bei den Unternehmen der Meudalherren (95% der Bevölkerung verliert seit den 1960er Jahren permanent an Kaufkraft) durch das Grundeinkommen abgewehrt wäre.
3. Götz W. Werner meint schließlich, dass das Grundeinkommen die bestehenden Löhnen und Gehältern substituieren solle. In Höhe des Grundeinkommens brauche ein Arbeitgeber keine Löhne und Gehälter mehr zu bezahlen. Ob in diesem Maße der Unternehmer dann auch seinen Umsatz mindert (durch Preissenkung) soll "natürlich" diesem überlassen bleiben. M. a. W.: Das Grundeinkommen kassiert nicht der Arbeitnehmer, sondern der Unternehmer - zusätzlich zu dem eigenen Grundeinkommen. Bei Götz W. Werner mit etwa 23.000 Mitarbeitern wären das also etwas 23.001 Grundeinkommen in der Schatulle von Götz W. Werner. Arbeitnehmer arbeiten jeden Monat bis zum erreichen der Höhe des Grundeinkommens für den Arbeitgeber umsonst.
4. Zu bedenken ist schließlich, dass die Koppelung des Grundeinkommens an eine Konsumsteuer - wie Götz W. Werner es verlangt - zu einer Art Garantie für Umsätze bei den Unternehmen ausartet: Denn ohne Umsätze keine Konsumsteuer, ohne Konsumsteuer kein Grundeinkommen.
Die Meudalherren sichern mit diesem Grundeinkommen à la Götz W. Werner ihre Unternehmensumsätze, ihre Miet- und Darlehenszinsen, senken ihre Lohnkosten, vergrößern ihren Reichtum, drängen die übrige Bevölkerung noch mehr und noch schneller vom Markt und verweisen sie in deren wirtschaftliche Schranken, tragen aber nur noch mit ein wenig Konsumsteuer zur Finanzierung des Grundeinkommens und der Staatsaufgaben bei.
Chapeau! Sehr schön ausgedacht!
Mehr dazu unter www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/bge.htm