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kobinet-nachrichten
14.10.2003 - 11:29
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org
Von kobinet-Korrespondent Franz Schmahl
Düsseldorf (kobinet) Morgen öffnet die REHACare in Düsseldorf ihre
Pforten für Gäste aus aller Welt. Für die deutschen Besucher steht die
Messe wie nie zuvor im Spannungsfeld zwischen technischen Möglichkeiten
einerseits und bezahlbaren Wünschen oder Erfordernissen andererseits. Im
Vorfeld der international führenden Leistungsschau für Produkte und
Dienstleistungen in der Pflege und Rehabilitation behinderter und
chronisch kranker Menschen war in den Medien mehr von belastenden Kosten
als von den Vorteilen moderner Rehabilitation und Pflege zu lesen.
In der Reform-Debatte der Parteien von Regierung und Opposition wird das
«Handicap für Kämmerer» (Spiegel vom 29.9.03) eher wahrgenommen als die
Angst der vom Sparkurs Betroffenen. Die Sorgen um die «Zukunft der
Eingliederungshilfe - Teilhabe, Selbstbestimmung und Integration vor dem
Hintergrund leerer Kassen und wachsender Bedarfe» (Thema des
Bundesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte am 17. Oktober in
Berlin) spielen eine untergeordnete Rolle. So kommentierte das Hamburger
Nachrichten-Magazin das Meinungsmacher-Blatt mit den großen Buchstaben:
«Stütze-Empfänger wie Florida-Rolf und Viagra-Kalle, so dreist sie auch
abgezockt haben, sind für die Kommunen nur ein Randproblem - ärgerlich,
aber nicht wirklich kostspielig. Der wahre Treibsatz für die
Sozialhilfe-Etats steckt in den Ausgaben für Schwerstbehinderte ...»
Spannend wird diese Messe wie in den vergangenen Jahren durch den Dialog
zwischen Anbietern und Verbrauchern. Die haben diesen Schauplatz der
Möglichkeiten immer auch als Resonanzboden für die herangereiften
politischen Forderungen genutzt. Karl Hermann Haack, der Beauftragte der
Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, der an den ersten
beiden Messetagen seinen Besuch angesagt hat, wird ein dickes Notizbuch
für die Anregungen seiner hier massiv vertretenen Klientel mitbringen
müssen.
Am Stand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland
(ISL e.V.) in Halle 3 (C89/B86) werden Petra Groß und Waltraud David vom
Netzwerk People First Deutschland am 16. Oktober ab 13.00 Uhr auf Karl
Hermann Haack warten. Petra Groß sagte gegenüber kobinet: «Seit Februar
2003 hat das Netzwerk Unterschriften gesammelt. Wir Frauen mit
Lernschwierigkeiten fordern, dass in Werkstätten für behinderte Menschen
und in Wohnheimen eine Ansprechpartnerin da ist. Wir wollen
Frauenbeauftragte, damit wir zum Beispiel mit ihnen über sexuellen
Missbrauch und Gewalt gegen uns sprechen können.»
Am Samstag geht es am ISL-Stand um die Zukunftsperspektiven behinderter
Menschen. Wie sieht sie aus, die Zukunft von Menschen mit Behinderungen?
Werden wir ein selbstbestimmteres Leben führen können? Erhalten wir die
Hilfen, die wir brauchen? Wie muss es aussehen - das
Assistenzsicherungsgesetz? Welche Unterstützung brauchen Menschen mit
Lernschwierigkeiten, um ihre Vorstellungen von einem selbstbestimmten
Leben zu verwirklichen und sich selbst zu vertreten? Was können wir vom
schwedischen Assistenzmodell lernen? Zu diesen und weiteren Fragen kommt
auch Dr. Adolf Ratzka von der Stockholmer Kooperative zum
selbstbestimmten Leben - STIL nach Düsseldorf. Schwedisches Beispiel für
das Reformhaus Deutschland?
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