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22.11.2006 - 15:18

Ausstieg nach Wunsch nicht für Rollstuhlfahrer.

Jena (kobinet) Nachdem Michael Spörke von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) gestern tagsüber noch beim Visionenkongress des Verbandes über Visionen für eine barrierefreie Gesellschaft diskutierte, wurde er am Abend in die Realität der Beförderungspraxis der Deutschen Bahn zurückversetzt. Der Rollstuhlnutzer aus Jena wollte eigentlich am Dienstag, den 21.11., mit Umsteigen in Fulda und Weimar von Bremen nach Jena vom Kongress zurück nach Hause fahren, wie er dies bei der Mobilitätszentrale gebucht und bestätigt bekommen hatte. Jedoch wurde ihm in Fulda mitgeteilt, dass er statt in Weimar jetzt in Erfurt aussteigen müsse, da in Weimar kein Personal da sei, welches die Hebebühne bedienen könnte. In Erfurt sollte Michael Spörke dann eine Stunde auf den nächsten Zug nach Jena warten. "Ich finde es unglaublich, wie die Deutsche Bahn mit ihren behinderten Kunden umspringt und dass man sich anscheinend auf nichts mehr verlassen kann," so Spörke. "Für die Reisenden der ersten Klasse will die Bahn zukünftig verstärkt extra Kofferträger auf den Bahnsteigen vorhalten und Rollstuhlfahrer sollen ihre Bahnfahrten nach dem Gutdünken der Bahn ausrichten," zeigte sich Michael Spörke empört. Nach einigen heftigen Debatten mit den Bahnbediensteten entschied sich Michael Spörke trotzdem bis Weimar zu fahren und sich von Mitreisenden mühsam und nicht ungefährlich aus dem Zug tragen zu lassen und von dort mit einem Taxi nach Jena zu fahren. "Durch dieses Erlebnis bin ich sehr schnell wieder in der Realität der gegenwärtigen Behindertenpolitik angekommen und wurde es mir umso deutlicher, wie wichtig es ist, dass wir für unsere Rechte kämpfen", so Michael Spörke. omp 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Hergith Albrecht schrieb am 22.11.2006, 21:41

Visionen sind gestrichen

Schwerbehinderte dürfen zwar die selben gesalzenen Preise der Bundesbahn zahlen, wie alle anderen Fahrgäste, doch sie haben nicht die selben Rechte bei der Fahrt. Rollstuhlfahrer können nur dahin reisen, wo Personal zur Verfügung steht um sie aus dem Zug zu holen. Ausserdem müssen sie früh zurückfahren, denn wenn die Bahnbeamten Feierabend machen, muss auch der Behinderte wieder Zuhause sein. Da bleibt nicht viel Zeit für die Freizeit-gestaltung und Abendver-anstaltungen sind somit ganz gestrichen für alle, die auf dem Land leben, oder dorthin fahren wollen. Ein Spaziergang in unberührter Natur ist wegen Personalmangel gestrichen, fast überall. Wer jetzt noch an eine Vision für die Zukunft glaubt, in der sich etwas ändert, kann wohl noch lange träumen, denn der Geldtopf ist leer, sagen zumindest alle.

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