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02.05.2003 - 14:45

Es geht um unser eigenes Leben.

Kassel (kobinet) Die deutsche People First Bewegung hat viel von der US-amerikanischen People First Bewegung gelernt und schließlich von dieser auch den Namen People First übernommen. Zur Zeit ist mit der Vorsitzenden von People First Arizona, Patricia Jones, eine prominente Vertreterin dieser Bewegung in Deutschland zu Gast. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Patricia Jones am Rande der People First Tagung «Unsere Geschichten» in Kassel über ihre Arbeit und Ziele.

kobinet-nachrichten: Woher kommen Sie genau und was machen Sie in den USA?

Patricia Jones: Ich wohne in Phoenix in Arizona, komme ursprünglich aber aus Pittsburg. Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich mache. In meinem bezahlten Job arbeite ich als Verkäuferin in einem Supermarkt. Ehrenamtlich engagiere ich mich für die Selbstvertretung behinderter Menschen und bin Vorsitzende von People First Arizona. Für die nationale Selbstvertretungsorganisation bin ich die regionale Vertreterin in Arizona. Zudem bin ich in Behindertenbeirat für Menschen mit Lernschwierigkeiten berufen worden, die vom Governeur des Staates Arizona eingesetzt wurde.

kobinet-nachrichten: Wie sind Sie zur People First Bewegung gekommen?

Patricia Jones: Der Schlüssel ist mein eigenes Leben. Ich wollte in der Selbstvertretungsbewegung aktiv werden und ich hatte eine Person, die mit mir eine Persönliche Zukunftsplanung durchgeführt hat. Ich habe erzählt, dass ich etwas tun wollte, damit Menschen mit Behinderungen sich besser vertreten können. Dann hatten wir eine neue People First Gruppe in Arizona, zu der ich von dieser Person eingeladen wurde und jetzt bin seit dieser Zeit aktiv. Das war im Juli 1997.

kobinet-nachrichten: Warum ist People First so wichtig?

Patricia Jones: People First ist wichtig, damit wir klar stellen, dass nichts über uns ohne uns gemacht wird. Es geht um unser Leben. Wir sollten die Kontrolle über unser eigenes Leben haben, wir sollten die Entscheidungen, die unser Leben betreffen, selbst treffen. People First lehrt uns, wie wir uns besser zu Wort melden können und den Leuten sagen können. «Hey, trefft die Entscheidungen nicht für uns, gebt uns die Informationen die wir brauchen, damit wir selbst die Entscheidungen treffen können».

kobinet-nachrichten: Was hat People First in den USA erreicht?

Patricia Jones: Es hat wahrscheinlich die ähnlichen Veränderungen gebracht, wie People First hier in Deutschland. Es hat einen Unterschied für einzelne Personen gemacht, wir haben Veränderungen im persönlichen Bereich bewirkt, wo wir uns weiter entwickelt haben. Und wir haben politische Veränderungen bewirkt, auf lokaler, bundesstaats und nationaler Ebene. Es betrifft letztendlich veschiedene Bereiche. Viele People First Gruppen - auch auf nationaler Ebene - waren sehr aktiv, dass die großen Einrichtungen geschlossen werden. Sie haben eine Kampagne «Open the doors to institutions». Sie haben viele Einrichtungen im ganzen Land geschlossen. In Arizona haben wir nur noch eine Einrichtung übrig und wir arbeiten daran, dass wir diese auch noch los werden. Wir haben dabei natürlich auch viel Widerstand, weil die Leute, die dort arbeiten, Angst haben, ihren Job zu verlieren und ihre eigenen Interessen haben. Im Beirat hat erst kürzlich jemand gesagt, wie toll diese Einrichtung und ihre Angebote sind, da sagte ich, wie schön sie auch immer die Wände streichen, es ist immer noch eine Einrichtung, die uns einengt.

kobinet-nachrichten: Welche Botschaft haben Sie an die deutsche Bewegung?

Patricia Jones: Macht weiter, treibt eure Sache vorwärts. Hört einander zu, seid einfach wie ihr seid und habt auch Spaß bei dem was ihr tut.

(Das Interview führte kobinet-nachrichten-Redakteur Ottmar Miles-Paul)

 

 
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