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15.12.2006 - 12:11

Erfahrung in Behinderteneinrichtung hat mich tief geprägt.

Berlin (kobinet) Die Erfahrung in ihrer Arbeit in einer Behinderteneinrichtung hat Silvia Schmidt tief geprägt. Vor zwei Wochen hat die behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion daher die "Bundesinitiative Daheim statt Heim" mit angeschoben. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit ihr über ihr Engagement und die neue Initiative. kobinet-nachrichten: Frau Schmidt, Sie sind eine der treibenden Kräfte der neuen Bundesinitiative Daheim statt Heim. Was hat Sie veranlasst, dieses heiße Thema anzupacken? Silvia Schmidt: Mein persönliches und berufliches Ziel war es immer, mit behinderten Menschen zu arbeiten. Ich hatte dazu die Gelegenheit, als ich noch in der ehemaligen DDR als Pflegerin in einer Behinderteneinrichtung arbeitete. Ohne ins Detail gehen zu wollen, kann ich nur sagen, dass mich diese Erfahrung tief geprägt hat. Die Menschen mit Behinderungen wurden nicht in ihrer Persönlichkeit geachtet und hatten sich den autoritären Vorgaben der Leitung und des Personals zu unterordnen. Ich habe versucht etwas zu ändern, stieß aber auf viel Widerstand. Viel besser wurde das nach der Wende nicht. Als ich dann nach Jahren selbst eine Einrichtung mit behinderten Kindern und Jugendlichen leitete, habe ich weiter dafür gekämpft, diese Situation zu ändern. Ich konnte einiges bewegen, was die Einstellung und Qualifikation der Mitarbeiter angeht sowie den Betrieb der Einrichtung neu ausrichten. Das reichte mir aber nicht und deshalb weiß ich die Möglichkeit zu schätzen, die mir mein Mandat gibt, die Situation behinderter Menschen zu verbessern. Ich werde deshalb weiterhin meine ganze Kraft dafür einsetzen, die Heime für ältere und behinderte Menschen langsam aber stetig in den Prozess der Ambulantisierung mitzunehmen. kobinet-nachrichten: Der Aufruf umfasst sechs Forderungen vom Baustopp für neue Heime bis zu gesetzlichen Änderungen für ein Leben Daheim statt im Heim. Was ist dabei für Sie das Wichtigste? Silvia Schmidt: Für mich ist das Wichtigste, dass die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst entscheiden können. Sie sollen selbst entscheiden, wer sie versorgt, wo sie wohnen und gegebenenfalls arbeiten wollen. Dafür sind das Wunsch- und Wahlrecht sowie das Persönliche Budget des SGB IX zentral. Von vielen wird immer nur betont, dass das alles nicht umgesetzt wird. Deshalb ist es wichtig, dass diskutiert wird und dass die vorhandenen Ansätze und Instrumente genutzt werden. Alle müssen mithelfen, dem SGB IX mehr Leben einzuhauchen. Man darf die Auslegung nicht den Bürokraten überlassen, sondern muss aktiv mitgestalten. kobinet-nachrichten: Wenn Sie träumen dürfen, wie sieht Ihr Traum für ein Leben behinderter Menschen in der Gemeinde für die Zukunft aus? Silvia Schmidt: Ich denke, dass in dieser Gesellschaft eigentlich alle das gleiche wollen: geachtet werden, beachtet werden, eine Chance bekommen aus ihrem Leben etwas zu machen und dabei fair behandelt werden. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der alle Menschen in der Lage sind, ihre Fähigkeiten aktiv einzubringen. Das sollte auch eine Gesellschaft sein, in der nicht mehr in stigmatisierende Kategorien eingeteilt wird. Alter und Behinderung sollten als normaler Bestandteil des Lebens betrachtet werden. Ich hoffe, dass wir mit dem Abbau von Sonderwelten für ältere und behinderte Menschen einen Schritt in diese Richtung gehen werden. Ich möchte im Alter nicht von anderen irgendwo hingebracht werden. Ich möchte selbst entscheiden was für mich das beste ist. Was für einen selbst gut genug ist, sollte in einer solidarischen Gesellschaft auch der Maßstab für den Umgang mit anderen sein. kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview. omp Link zur Bundesinitiative Daheim statt Heim 

 
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