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kobinet-nachrichten
13.01.2007 - 08:36
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org
Wien (kobinet) Seit einem Monat ist Österreichs neuer Hochgeschwindigkeitszug ICE unterwegs und wurde von 70.000 Kunden genutzt, berichtet heute BIZEPS-INFO. Nicht in der Höchstgeschwindigkeit, doch bei der Beförderung von Fahrgästen im Rollstuhl hat er die Deutsche Bahn bereits überholt. Vertreter der Deutschen Bahn und der Österreichischen Bundesbahnen hatten im August 2006 den Intercityexpress mit Neigetechnik Behindertenorganisationen sowie einem Vertreter des Verkehrsministeriums vorgestellt. Der ICE verfügt über ein barrierefreies WC, hat allerdings keine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe. Bei dieser Vorstellung wurde schnell klar, dass das Platzangebot für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern gering ist. Die Deutsche Bahn sah keinen Handlungsbedarf, weitere Rollstuhlplätze einzurichten. Um behinderten Menschen ein gleichberechtigtes Reisen mit dem Komfortzug zu ermöglichen, wurde eine den Grundsätzen des österreichischen Behindertengleichstellungsgesetzes entsprechende Regelung gesucht, gefunden und vereinbart. Diskriminierenden Abweisungen von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer - wie sie in Deutschland noch oft vorkommen - wurden in Österreich beim ICE behördlich untersagt. Wenn der einzige Rolli-Platz belegt ist, so das Verkehrsministerium, ist bei Bedarf weiteren Rollstuhlbenutzern der Zugang zum Zug zu ermöglichen. Gegenüber BIZEPS-INFO sagte Dr. Stefan Wehinger, Vorstandsdirektor der ÖBB-Personenverkehrs AG: "Wir haben durch interne harte Arbeit immer mehr Mitarbeiter dazu gebracht, die Beförderung von mobilitätseingeschränkten Menschen nicht als Last, sondern als natürlichen Teil unserer Aufgabe zu sehen." So sei sichergestellt worden, dass der ICE in Österreich ein qualitativ hochwertiges und gut benutzbares Fahrzeug für alle Fahrgäste ist. sch
Martin Ladstätter schrieb am 17.01.2007, 18:56
Die Bahnen müssen sparen und wirtschaftlich arbeiten. Das ist gut so, weil staatliche Betriebe in der Vergangenheit oft sehr sorglos mit Steuergeldern umgegangen sind. Das ist bei uns in Österreich genauso wie wahrscheinlich in Deutschland. So gesehen, kann ich verstehen, wenn die Deutsche Bahn gut wirtschaften möchte.
Wo aber jedes Verständnis aufhört ist, wenn ein Anbieter öffentlich zugänglicher Leistungen ein ungenügendes Angebot stellt. Bei uns in Österreich ist dies seit dem 1.1.2006 gesetzeswidrig, weil das Behindertengleichstellungsgesetz dies untersagt. Soweit ich in kobinet gelesen habe, gibt es ein ähnliches Gesetz auch in Deutschland.
Kunden haben Rechte im Sinne des Konsumentenschutzes und der Bürgerrechte. Das Recht auf Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gehört dazu und das hat meiner Meinung nach auch die Deutsche Bahn einzuhalten. Ob dies etwas mehr kostet oder nicht, ist unbedeutend, weil gesetzlich vorgeschrieben.
Max Mütze schrieb am 15.01.2007, 18:27
... müssen wir der Deutschen Bahn nicht noch Vorschläge unterbreiten, wie sie durch knappes Platzangebot und eine nicht mehr zeitgemäße Ein- und Ausstiegshilfe „Kosten kompensieren“ kann. Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität müssen eher so bedacht werden, dass die Bahn ihr Wachstumspotenzial bei diesen Kunden wirklich ausschöpfen sollte. Dazu sind Vorschläge von Leute nötig, die nah und fern unterwegs sind.
Frank Winkel schrieb am 15.01.2007, 18:03
Hallo, Herr Hellinger!
Ihre Idee geht schon in die richtige Richtung. Die Wertmarke würde dadurch teurer werden, aber wenn man mehr Rolliplätze haben möchte, muss dies auch irgendwie finanziert werden.
Man muss dabei den Unterschied zwischem dem Nah- und dem Fernverkehr beachten: Der Nahverkehr wird von den Ländern aus Regionalisierungsmittel (seit 01.01.1996 - politisch gewollt) bezahlt (keine Subvention in dem Sinne) und der Fernverkehr ist eigenwirtschaftlich tätig.
Unter diesem Gesichtspunkt wäre es durchaus auch möglich, die Gültigkeit der Wertmarke auf den ICE und IC/EC auszudehnen. Aber die Frage ist nur, ob dies jemals durchsetzbar ist.
Arnd Hellinger schrieb am 15.01.2007, 17:23
Genau diese von Heiko Focken dargestellte Tatsache, dass "die Bahn" wenigstens (mit dem Betrieb der Züge - für Bahnhöfe und Netz gibt es Bundesmittel) kostendeckend arbeiten muss und möglichst Gewinne einfahren sollte, versuche ich den kobinet-Lesern schon länger zu erläutern. Bisher hatte ich damit keinen großen Erfolg...
Fazit: Wenn wir im Fernverkehr z.B. mehr Rollstuhlplätze pro Zug möchten, was ich keinesfalls ablehne, müssen wir der Bahn irgendetwas vorschlagen, wie sie die dadurch reduzierte Gesamtzahl buchbarer Plätze ökonomisch kompensiert bekommt. Man könnte das - wie im Nahverkehr - über Zahlungen des Bundes an DB Fernverkehr pro Wertmarkeninhaber regeln, nur verteuerte das eben die Wertmarken erheblich, was hier dann auch keiner wollte...
Wer hat also brauchbare Ideen?
Heiko Focken schrieb am 15.01.2007, 13:34
"...und mehr Rolli-Plätzen verkehren würden."
Hallo,
ein einziger Rollstuhlstellplatz kostet bis zu vier "normale" Sitzplätze. Die DB AG ist daher gut zu verstehen, wenn sie im eigenwirtschaftlich betriebenen Fernverkehr nicht mehr Rollstuhlplätze einrichten will.
Aha, wieder so ein herzloser Euro-Ketzer, der gegen Behinderte polemisiert?
Mitnichten! 1994 wurde der aus Bundesbahn und Reichsbahn hervorgegangenen DB Aktiengesellschaft per Gesetz auferlegt, Gewinne zu erwirtschaften. Inzwischen will die DB AG sogar an die Börse. Für Sentimentalitäten wie mehr Rollstuhlplätze ist da leider kein Platz. Die Zeiten der "Daseinsvorsorge" sind vor 13 Jahren gesetzlich abgeschafft worden.
Heiko
Max Mütze schrieb am 13.01.2007, 18:37
Gut, dass in Österreich jetzt der Rolli selbst entscheiden kann. Besser noch wäre gewesen, wenn die ICE hier mit fahrzeuggebundener Einstiegshilfe und mehr Rolli-Plätzen verkehren würden.
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