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16.01.2007 - 08:29

Leistungsverweigerung mit Stasi-Methoden.

Heppenheim / Hollenbach (kobinet) Als Leistungsverweigerung mit Stasi-Methoden bezeichnet Wolfram-Armin Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP), das Vorgehen der AOK Mittelfranken. Die AOK hatte Leistungen eingestellt, nachdem sie hinter dem Rücken ihrer Versicherten mit deren Nachbarin die künftige Medikamentengabe vereinbarte. Die DGVP bezeichnet den Umgang der Krankenkasse mit einer Patientin in ihrer Pressemitteilung als "Ungeheuerlichkeit". Sie rät allen, die möglicherweise ähnliche Erfahrungen machen, diese keinesfalls hinzunehmen. Bereits Ende November 2006 hatte die AOK die bisherige Kostenzusage zur Genehmigung einer wöchentlichen Medikamentengabe durch die Sozialstation aufgehoben. Zuvor hatte sie laut DGVP mit der Nachbarin der Patientin gesprochen und deren Bereitschaft ermittelt, die Medikamente bedarfsgerecht vorzusortieren. Die Einarbeitungskosten dafür wollte die AOK übernehmen. Im Schreiben heiße es nach Angaben der DGVP wörtlich: "Nach unseren neuen Erkenntnissen haben Sie bereits in der Vergangenheit die von Ihrem Hausarzt / Ihrer Hausärztin verordneten und von der Sozialstation vorsortierten Medikamente selbständig aus der vorhandenen Medikamentenbox heraus und eingenommen. Wie uns Ihre Nachbarin, Frau… nun bestätigte, wäre es kein Problem für sie, die Medikamente nach einer Anleitung durch ihren Sozialdienst in diese Medikamentenbox vorzusortieren. Die Kosten für diese Anleitung von Frau … durch die Fachkräfte Ihrer Sozialstation werden wir selbstverständlich bis zu 5x übernehmen". Dazu meint Candidus: "Offensichtlich wurde hinterm Rücken der Patientin die Nachbarin ausgehorcht, intime Daten einer Patientin, die dem Datenschutz unterliegen, mit völlig Unbeteiligten diskutiert …". Die DGVP hat die AOK Mittelfranken mittlerweile um eine Stellungnahme zum Vorgang gebeten. Dazu meint Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA e.V.) heute gegenüber den kobinet-nachrichten: "Auch wenn der Vorfall bereits zwei Monate zurückliegt und uns erst jetzt bekannt wurde, kann er nicht einfach so unter den 'Tisch gekehrt' werden". Es sei im Gegenteil wichtig, solche Vorgehensweisen in der Öffentlichkeit anzuprangern. "Die Krankenkasse scheint hier jegliche Hemmungen verloren zu haben. Sie scheut nicht, gegen den Datenschutz zu verstoßen und, um Kosten zu sparen, hinter dem Rücken ihrer Versicherten vertrauliche Daten preiszugeben. Wenn ich mir vorstelle, ein Nachbar, den ich vielleicht nicht gut kenne oder nicht leiden kann, soll in meine Wohnung kommen, um Behandlungspflegeleistungen erbringen, nein danke". Wenn diesem Gebaren nicht sofort Einhalt geboten würde, käme das einem Dammbruch gleich. "Vielleicht steht dann eines Tages die Nachbarin auf der Matte, um bei der inkontinenten alten Dame die Windel zu wechseln. Schließlich hat die Nachbarin als Mutter von zwei kleinen Kindern ja Erfahrung damit. Ein kleiner Kurs, von der Krankenkasse finanziert, und schon kann der ambulante Dienst vor der Haustür bleiben", sagt Bartz. Wer das als Polemik abtue, sei noch nie mit dem Einfallsreichtum von Leistungsträgern konfrontiert worden, wenn es darum gehe, Kosten zu sparen. "Da gibt es anscheinend keine Tabus mehr". omp  

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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Gerd Frank schrieb am 17.01.2007, 10:12

Da hilft nur eines

Wehrt euch die solche miesen Praktiken einer Krankenkasse. Ich habe se selbst schon erleben müssen. Ich habe kurzerhand die Krankenkasse gekündigt (Barmer Ersatzkasse) und mir eine andere gesucht. Auch wenn ihr behindert oder krank seit braucht ihr euch solche Stasimethoden nicht bieten lassen

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