
Memmelsdorf (kobinet) Der 16-jährigen, schwer behinderten Nailya aus Memmelsdorf droht die Abschiebung in ihr Heimatland Russland. Auf einen Bericht in Frankenpost-online macht kobinet-Leser Manfred Keitel heute aufmerksam. Danach droht der spastisch gelähmten jungen Frau die Ausweisung, weil ihre Aufenthaltsgenehmigung angeblich "erschlichen" sei. Von dieser Drohung bleibt ihr nicht behinderter Bruder verschont. Anfang 2004 hatte Nailyas Mutter Olga den Deutschen Steffen Kempf in Moskau geheiratet. Als Steffen Kempf seine Frau und deren Sohn nach Deutschland holte, blieb Nailya noch acht Monate, bis eine barrierefreie Wohnung gefunden wurde, in Russland.
Hintergrund für die drohende Ausweisung ist nach dem Bericht der Frankenpost-online, dass bei Beantragung der Einreisegenehmigung die Frage, ob Nailya krank sei, mit "nein" beantwortet wurde. Dieses "Nein" sei dadurch entstanden, dass Nailya keine Infektionskrankheit habe, sondern ausschließlich mit einer Behinderung lebe. Das Verschweigen der Behinderung - nach einer solchen wurde nicht gefragt - wertet die Ausländerbehörde Bamberg nun als falsche Angabe bei der Beantragung des Visums.
"Aufgeflogen" ist die angebliche Erschleichung der Aufenthaltsgenehmigung, als Nailya auf eine Empfehlung der Schule hin in eine heilpädagogische Tagesstätte in Coburg ging und der Bezirk Oberfranken die Kosten (zunächst) übernahm. Diese solle nun der "Stiefvater" übernehmen. Er sieht sich dazu nicht in der Lage, obwohl er eine Erklärung unterschrieben hat, in der er sich zur Zahlung möglicher Kosten im Krankheits- und Pflegefall verpflichtete. Dies und die, laut Behörde, falschen Angabe bei der Beantragung der Einreiseerlaubnis veranlasst sie, Nailya aufzufordern, Deutschland bis zum 14. Juni 2007 zu verlassen. elba
Bianca Oelschlegel schrieb am 30.05.2007, 22:57
Hallo,
ich bin Mutter eines -rein rechtlich gesehen- behinderten Sohnes.
Das ist doch reiner Bürokratie-irrsinn und nicht mehr.
Wenn mich jemand fragt " ist ihr Kind Krank"-antworte ich " Nein, er ist gesund".
Krankheit bedeutet für mich etwas ansteckendes, ein Schnupfen, eine Grippe.
Behinderung ist etwas ganz anderes.
Behinderte Menschen sind NICHT gleich Krank.
Nun kann es sicher aber das zuständige Amt gerne auslegen wie es möchte.
Ich kenne die Familie und es ist ein Skandal was da nun abläuft.
Armes Deutschland!
Manfred Keitel schrieb am 17.05.2007, 23:38
Hallo Andreas,
ich zitiere einfach mal aus der Seite nach dem Link:
"Ist nun eine Behinderung eine Krankheit? Nach Ansicht der Ausländerbehörde sind diese zwei Begriffe weder aus medizinischer Sicht noch nach dem allgemeinen Verständnis keine sich ausschließenden Gegensätze. „Ziel der Fragestellung ist es, mögliche Folgekosten einer Aufenthaltserlaubnis für die öffentliche Hand abschätzen zu können. Das ist für die Befragten auch erkennbar“, so die Pressesprecherin. Normalerweise würden die Eltern darauf hingewiesen, dass die Einreise eines behinderten Kindes erst geprüft werden muss und eventuell nicht möglich ist. Wenn die Eltern darauf keine Rücksicht nähmen, müssten sie mit Konsequenzen rechnen."
Auch wenn man davon absieht, daß keine Fragen nach einer "Behinderung" gestellt wurden, ist vermutlich absehbar, was diese Haltung für Asylanten mit Beeinträchtigung (o.ä.) sehr schnell bedeutet... Interessant finde ich auch, wie hier mit den Begriffen "Behinderung" und "Krank" verfahren wird.
Gruß
Manfred
Andreas Schäfer schrieb am 17.05.2007, 09:49
Es geht hier nicht darum, dass Naily wegen einer Behinderung abgeschoben werden soll. Die Ausländerbehörde geht
grundsätzlich rigoros gegen Asylbewerber und sonstige Flüchtlinge etc... vor. Es wird selbst vor Familiennachzug nicht halt gemacht und wenn dann noch jemand behindert ist, so wird vielleicht noch etwas härter durchgegriffen. Solch eine radikale Ausländer- und Asylpolitik haben wir unseren Innenministern, die wir alle indirekt gewählt haben, zu verdanken.
Die Mitmenschlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Ich erlebe es in der Stadt Lebach (Saarland), in der sich ein Auffanglager für Asylbewerber und Aussiedler befindet, immer wieder, dass des Nachts von der Polizei, Familien auseinander gerissen werden. Hier lebenden Asylbewerber wird von der Ausländerbehörde das Leben schwer gemacht. Nur als Beispiel: Sie sollen Deutsch lernen, es gibt fast gar keine Deutschkurse. Ohne Sprachkentnisse gibt es keine Arbeit. Und ohne Arbeit keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.
Von christlichem Verhalten in unserem Staat kann schon lange keine Rede mehr sein. Müssten unsere Politiker und rechts denkenden Einwohner mal flüchten, so würde es Ihnen hoffentlich genauso ergehen? Denn anderes kann man ihnen nicht wünschen. Selbst wenn dies nicht gerade christliche Gedanken sind.
Gerd Frank schrieb am 17.05.2007, 00:42
Das ist doch mal wieder typisch für unseren wiehernden Amtschimmel. Behindert = krank so ein Schwachsinn. Da zeigt sich mal wieder plastisch was in den Köpfen dieser unfahigen Bürokraten vorgeht. Gibt schon echt zu denken behinderte Menschen so zu behandeln. Diese Bürokraten sollten sich schämen.