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kobinet-nachrichten 09.06.2007 - 00:05
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http://www.kobinet-nachrichten.org

Schläge im Namen des Herrn

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Düsseldorf (kobinet) Unter dem Titel "Schläge im Namen des Herrn" wird am 19. Juni an der Fachhochschule Düsseldorf ein verdrängtes Kapitel in der Heimerziehung der Bundesrepublik beleuchtet. Eingeladen wurde dazu Spiegel-Autor Peter Wensierski, dessen gleichnamiges Buch erst in den letzten Monaten öffentlich bekannt machte, wie die Heimkinder der 50er bis 70er Jahre unter teilweise massiven Misshandlungen und Diskriminierungen zu leiden hatten.

Erst Jahrzehnte später kommt nun heraus, wie flächendeckend und systematisch diese Missstände waren. Viele Betroffene haben Jahrzehnte über ihre Erlebnisse geschwiegen, beteiligte Einrichtungen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weigern sich bis heute, sich ihrer Mitverantwortung zu stellen.

In Anwesenheit des Autors, zweier Betroffener sowie Prof. Dr. Manfred Kappeler soll nun dieses verdrängte Kapitel der Heimerziehung nicht zuletzt mit der Frage diskutiert werden, welche Konsequenzen sich für die heutige Kinder- und Jugendhilfe ableiten lassen.

Die Semesterabschlussveranstaltung wird organisiert vom Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Fachhochschule Düsseldorf in Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt "Rechtsextremismus und Neonazismus". sch

Mehr auf www.schlaege.com
 

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Bernhard Pietzsch schrieb am 25.02.2009, 16:36

Erniedrigungen in einem katholischen Kinderheim

Ich war von meinem 9. - 14. Lebensjahr (1951 - 1956) in einem katholischen Kinderheim untergebracht.
Das Heim wurde von Nonnen (Franziskanerrinnen) geleitet. Es waren jedoch auch weltliche Kräfte angestellt. Sowohl Grundschule als auch Kapelle waren in der Heimanlage.
Die Nonnen haben bei dem kleinsten Anlaß geschlagen und uns mit Worten erniedrigt. Wir wurden auch zu Arbeiten (Socken waschen, Kartoffeln schälen, Gartenarbeit, Stallarbeit, Raumpflege) herangezogen. Wir kamen uns wie kaserniert vor, da man nur eine Chance hatte, das Heimgelände zu verlassen, wenn man zum Arzt oder Friseur mußte. Dazu war das Heimgelände auch mit einer ca. 2m hohen Mauer umgeben.
Die Nonnen schliefen in unserem Schlafsaal (ca. 2x 20 Jungen) in einem "Verschlag", der lediglich von einer ca. 2m hohen, nach oben offenen Holzwand von unseren Betten getrennt war. Beim kleinsten Verstoß mußte der "Delinquent" für ca. 1 Stunde vor einer Nonne knieen, die dies auf einem Stuhl sitzen überwachte.
Einmal die Woche (sonntags) wurden wir in den nahen Stadtwald ausgeführt. Ebenso war einmal die Woche (meist samstags) Duchen in einer Gemeinschaftsduche anbefohlen, das von einer Nonne überwacht wurde. Es traute sich aber keiner von uns Jungen die Badehose auszuziehen, um sich dort zu waschen.
Im Winter mußte jedes Kind zum Mittagessen seinen Suppenlöffel präsentieren, um eine Portion Lebertran zu empfangen, der scheußlich schmeckte. Wer es nicht tat, dem wurde der Lebertran in das Essen geschüttet.
Es gab im Heim auch einen schwulen Schuster, zu dem man zu reparierende Schuhe brachte. Jedoch hat keiner von uns Jungen meines Wissens diesen Umstand der Heimleitung gemeldet.
Dies ist ein Teil von Eindrücken, die mir nach so langer Zeit im Gedächtnis geblieben sind.
Mit freundlichem Gruß
Bernhard Pietzsch

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