Druckversion
kobinet-nachrichten
19.06.2007 - 12:15
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Frankfurt a.M. (kobinet) Im Schuljahr 2007/08 dürfen zwölf behinderte Kindern in Frankfurt keine Regelschule besuchen. Trotz ausdrücklichen Wunsches der Eltern auf eine Beschulung im Gemeinsamen Unterricht verweigerte das Schuldezernat die Zuweisungen an Regelschulen. Die Kinder haben einen anerkannten sonderpädagogischen Förderbedarf, der die Voraussetzung für eine Unterstützung in einer Regelschule bestimmt.
Energischen Protest gibt es aus der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG). "Das Grundgesetz sagt, niemand darf aufgrund seiner Behinderungen benachteiligt werden und Eltern haben das vorrangige Recht, über die Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu entscheiden", erklärte die Vorsitzende der FBAG, Sabine Eickmann. Nach 25 Jahren Gemeinsamen Unterrichts an Deutschlands Schulen sei mehrfach wissenschaftlich erwiesen, dass die gemeinsame Unterrichtung von Kindern mit und ohne Behinderungen die individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler unterstützt und ein höheres Maß an sozialen Kompetenzen vermittelt. Trotzdem sei der Widerspruch zwischen den Rechten von Kindern mit Behinderungen auf Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben und der praktischen Umsetzung an den Frankfurter Schulen zum neuen Schuljahr 2007/08 so groß wie noch nie, seit der Gemeinsame Unterricht eingeführt wurde.
Eickmann wies heute darauf hin, dass von dieser Diskriminierung noch mehr behinderte Kinder betroffen seien. "Die Anzahl der Eltern die vorab schon so desillusioniert wurden, dass sie gar keinen Platz im Gemeinsamen Unterricht bekommen werden und deshalb erst gar keinen Antrag mehr darauf gestellt haben, ist ungleich höher", so die FBAG-Vorsitzende. Sie stellt die Frage: "Was ist aus den Zusagen des staatlichen Schulamtes geworden, dass alle Kinder mit Behinderungen, die am Gemeinsamen Unterricht teilnehmen wollen, dies auch können?" Die FBAG fordert das Land Hessen auf, der Stadt Frankfurt am Main die notwendigen finanziellen Mittel und personellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit diese die Grundrechte der Kinder mit Behinderungen erfüllen kann.
Aus dem Frankfurter Schuldezernat war keine Stellungnahme zu dem Vorgang zu bekommen. Der Club Behinderter und ihrer Freunde in Frankfurt (CeBeeF) als Träger der Individuellen Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen an Frankfurter Regelschulen zeigte sich entsetzt über diese Situation. "Behinderte Kinder aus dem Gemeinsamen Unterricht auszuschließen ist soziale Euthanasie", empört sich der CeBeeF-Vorstand. Es könne nicht hingenommen werden, dass Eltern von den Schulämtern und der hessischen Landesregierung gezwungen werden, ihre behinderten Kinder gegen ihren Willen aus den Regelschulen fernzuhalten. Das sei ein Akt von Unmenschlichkeit, der an die Selektion behinderter Kinder im 3. Reich erinnere. hjr
C. Dorn schrieb am 05.05.2008, 20:01
Hallo alle zusammen
auch wir werden vom Schulsystem aussortiert.
mein Kind sprach und entwicklungsverzögert wollen Sie auf eine Schule für praktisch Bildbare einschulen.
Aber ich werde für mein Kind kämpfen damit es eine Chance bekommt.
Viele Grüße
Sibylle Hausmanns schrieb am 28.06.2007, 16:37
Hallo Herr Blum und alle anderen betroffenen Hessinnen und Hessen,
Eltern, die in einer ähnlichen Lage sind, treffen sich am Samstag, 30. 6. um 11.00 Uhr in Frankfurt, Kurfürstenstraße 18, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sie sind herzlich willkommen. Für Kinderbetreuung ist gesorgt. Bitte kurz per Mail anmelden gllaghessen@t-online.de.
Sascha Blum schrieb am 26.06.2007, 15:48
Unser Sohn sitzt seit 2004 aufgrund eines Krebsleidens im Rollstuhl.
Wegen seiner Körperbehinderung verweigert das Schuldezernat Rüsselsheim die Zustimmung des integrativen Unterrichts an einer Regelschule.
Wir werden uns dagegen wehren.Haben solche Kinder keine Rechte etwas zu Lernen???
Armin Liebl schrieb am 20.06.2007, 21:59
erfolgt die Zwangseinweisung von Kindern in Förderschulen,
ohne dass ausreichend überprüft würde, ob eine
Beschulung in Regelschulen möglich ist.
Leider gibt es keine Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren,
da Bildung Ländersache ist und es einige Landespolitiker
gibt, die Integration nur der Presse gegenüber befürworten,
in der Praxis jedoch konsequent verweigern.
Es bleibt nur, das Bundesland zu wechseln oder auszuwandern
(was in einigen Fällen schon geschehen ist).
Doreen Kröber schrieb am 19.06.2007, 16:36
Sollten sich hier Familien finden, denen es in Berlin momentan so ergeht bzw. bald ergehen wird, melden Sie sich bei uns.
Mit freundlichen Grüßen
Doreen Kröber
Gerd Frank schrieb am 19.06.2007, 15:48
Bevor hier ein Schlauberger meint mich belehren zu müssen. Ich weiß das Frankfurt in Hessen liegt. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen in NRW läuft es keineswegs besser. Man sollte mal genau das neue Schulgesetz(NRW) lesen. Das verstehe ich nicht unter Intergration eher Aussonderung in besonders hohen Maße. Im übrigen wird da nicht mehr von Sonderschule geredet sondern von Förderschulen, nämlich das verstehen diese selbsternannten Fachleute als Integration.
Gerd Frank schrieb am 19.06.2007, 13:07
Betrachtet man die Vorgehensweise in NRW ist die Regelbeschulung im Grunde nach so gut wie abgeschafft. Sonderbeschulung wird wohl eher die Regel sein. Ausnahmen wird es sicherlich geben. Die Politik versteht wohl eher unter Gleichstellung eine besondere Art der Aussonderung behinderter Menschen, weil sie der Meinung sind sie bedürfen eine besondere Art "Fürsorge" weil sie ja selbst nicht wissen was gut für sie ist. Es lässt sich vermuten, dass die sich noch als Wohltäter fühlen. Erinnerungen an unsere Vergangenheit bleiben da nicht aus.
Uwe Heineker schrieb am 19.06.2007, 12:41
... - und mir fehlen die Worte !!!
Wird je einmal das Zeichen der Zeit (= Regelbeschulung behinderter Kinder) von den Verantwortlichen begriffen oder erkannt?!
© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten