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kobinet-nachrichten
31.08.2007 - 14:05
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Kassel (kobinet) Uwe Frevert vom Vorstand der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) feiert heute in Kassel seinen 50. Geburtstag. Der Kämpfer gegen Anstalten blickt auf ein bewegtes Leben zurück, indem er so manchen Skeptikern aus der Behindertenarbeit immer wieder die Stirn geboten und gezeigt hat, dass die Selbstbestimmung behinderter Menschen groß geschrieben werden muss und kann.
Uwe Frevert ist nicht derjenige, der sich ins Rampenlicht drängt, sondern vielmehr ein solider Arbeiter und Freund des Details. Und dies zeichnet den Berater zu Assistenz- und Budgetfragen beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) in Kassel und das Vorstandsmitglied der ISL aus. Denn ohne Uwe Frevert hätte es in Deutschland das Arbeitgebermodell, bei dem mittlerweile ca. 2.000 behinderte Menschen ihre Assistenz selbst organisieren, wohl nicht oder erst viel später gegeben. Mit dem Verbund behinderter Arbeitgeber in München hat er zusammen mit seinen Mitstreitern diesem Modell in den 90er Jahren durch sein beharrliches Engagement den Weg geebnet. Und, so ist Uwe Frevert heute überzeugt, dass das Arbeitgebermodell letztendlich auch ein wichtiger Ursprung der heutigen persönlichen Budgets ist, die zum 1. Januar 2008 flächendeckend in Deutschland eingeführt werden.
Bis Uwe Frevert zur Behindertenbewegung und zum Arbeitgebermodell kam, war es jedoch ein langer Weg. Mit knapp zwei Jahren hatte Uwe Frevert Kinderlähmung (Poliomyelitis). "Fast hätte ich damals während der akuten Polio-Erkrankung mit einer Eisernen Lunge (Unterdruckkammer) beatmet werden müssen und auch heute habe ich zuweilen Einschränkungen mit meiner Atemmuskulatur. In Folge von Polio benutze ich einen Elektrorollstuhl und bin auf personelle Hilfen (Assistenz) angewiesen", schrieb er in einem Erfahrungsbericht. Zehn Jahre verbrachte er im Krankenhaus in München Schwabing auf der Station 8/1, dem damaligen Polio-Kinderkrankenhaus von München, weil es in den 60er Jahren für Menschen mit seiner Behinderung keine andere Unterstützung gab.
"Das medizinische Krankenhauspersonal bestimmte die Zeiten, zu denen ich aufstehen durfte und an denen ich im Bett sein musste", schildert er die damalige Situation. Schlechte Erfahrungen habe er damals gemacht und diese bestätigten sich später aufgrund der vielen Kontakte mit anderen behinderten Personen, als allgemein gültige Gegebenheit in der BRD. "Unser Anderssein wurde mit krank gleich gesetzt und Ärzte in gehobener Position, die vielleicht während des Dritten Reiches ausgebildet wurden, oder deren Schüler, haben uns Schmerzen und Narben zugefügt."
Ein wichtiges Rollenvorbild war damals für Uwe Frevert ein Mitpatient namens Adolf Ratzka. "Adolf hat damals das einzig Richtige gemacht. Er machte im Krankenhaus sein Abitur per Fernlehrgang und wanderte anschließend in die USA. aus, um an der renomierten Universität in Berkeley studieren zu können." Das war dann auch Ansporn für Uwe Frevert, sich nach und nach aus der Abhängigkeit zu befreien. "1969 zog ich mit meinen drei Geschwistern und meiner geschiedenen Mutter in ein großes Rehabilitationszentrum der Pfennigparade·e.V. in München: 'dieses Ghetto' mit über 500 Behinderten galt damals als fortschrittlich. Es liegt ganz in der Nähe des Krankenhauses München Schwabing", so Uwe Frevert. "Damals, im elften Lebensjahr, konnte ich kaum schreiben, geschweige denn ein ganzes Buch lesen, weil ich keinen Sinn beim Lernen im Krankenhaus erkennen konnte. Dank des liebevollen Verständnisses meiner Mutter konnte ich mich doch noch von ihr dazu bewegen lassen, die Mittlere Reife und die Fachoberschule für Technik mit Erfolg abzuschließen." Später studierte er und machte seinen Abschluss als Sozialpädagoge.
Den Geist der Freiheit einmal geschnuppert, machte sich Uwe Frevert auf, das Leben kennen zu lernen und die Behindertenpolitik zu verändern. Er verbrachte einige Zeit in den USA, atmete dort den neuen Wind der Independent Living Bewegung behinderter Menschen ein und brachte viele neue Ideen zurück nach Deutschland. So wirkte er an der Gründung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) mit und war dort sozusagen einer der konsequentesten Hüter der Grundsätze eines selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen. "Behinderte Menschen müssen selbst Verantwortung in ihren Organisationen übernehmen und diese kontrollieren, denn es geht ja schließlich um uns", erklärte er immer wieder. Aber auch die Dienstleistungen für behinderte Menschen müssen seiner Ansicht nach entscheidend von behinderten Menschen selbst bestimmt werden, "denn sonst wird ein ambulanter Dienst schnell zum 'Heim' und wir müssen uns Dienstplänen unterordnen anstatt sich die Hilfen uns anpassen", sagte Uwe Frevert. Dass behinderten Menschen die Selbstbestimmung nicht immer in die Wiege gelegt wurde, ist für ihn keine Ausrede für Fremdbestimmung. "Wir müssen in die Schulung behinderter Menschen investieren, denn diese haben meist ihr Leben lang damit zu tun", ist seine Ansicht. Deshalb hat er auch die Weiterbildung zum Peer Counseling, der Beratung behinderter Menschen durch behinderte Menschen, mit konzipiert, die mittlerweile zum zehnten Mal durchgeführt wird. Uwe Frevert war bei jedem Weiterbildungskurs mit als Trainer dabei. "Empowerment ist für mich der Schlüssel für eine zukunftsweisende Behindertenpolitik, denn wir können auf die Erfahrungen und Lösungsansätze der Betroffenen selbst schlichtweg nicht verzichten", davon ist der heutige Jubilar fest überzeugt.
Wenn Uwe Frevert heute also seinen 50. Geburtstag feiert, kann er nicht nur auf ein bewegtes Leben mit vielen Herausforderungen und Erfolgen zurück blicken, sondern sich auch über viele Weggefährtinnen und -gefährten freuen, die im Gedanken oder bei der Feier in Kassel in person dabei sind. Er hat viele Menschen berührt und viele Spuren hinterlassen, darin sind sich die AktivistInnen der Selbstbestimmt Leben Bewegung einig und bauen darauf, dass er dies auch in den nächsten 50 Jahren noch tun wird. Eine Vielzahl von Veranstaltungen zum persönlichen Budget, über das Uwe Frevert seit mehreren Jahren engagiert referiert, steht bereits aus seinem Terminplan. omp
Michael Knuffmann schrieb am 04.09.2007, 10:18
Auch von mir, dem Knuffi Alles Gute für de nächsten 50. Mache weiter so, Uwe.
Denn wir 50er haben viel ausgehalten und erlebt. Davon können die jüngeren nur
von uns lernen. Denn unsere Lebenserfahrungen zeigen vieles wider. Okay, man
sieht sich irgendwo auf irgendeiner Veranstaltung, bis dahin, Gruß vom Knuffi
Gerd Frank schrieb am 04.09.2007, 07:58
der 50.ziger. Herzlichen Glückwunsch auch von mir zu diesem runden Geburtstag
Petra Nöhre schrieb am 02.09.2007, 18:43
Hallo Uwe,
auch aus Neuss alles gute zu deinen Geburtstag.
LG
Petra
Carola Szymanowicz schrieb am 01.09.2007, 09:15
Alles Gute nachträglich zum 50. Geburtstag aus Falkensee verbunden mit den besten Wünschen und weiterhin viel Kondition in der Behindertenarbeit.
Mit vielen Grüssen
Carola Szymanowicz u. Familie
A. Heinker schrieb am 01.09.2007, 02:35
Hallo Frau Groß,
ich habe Ihren Glückwunsch für U. f'revert gelesen.
Und möchte Ihnen schreiben: Bitte machen Sie sich keine Sorgen wegen (vielleicht gemachter) Rechtschreib"fehler".
Jeder Mensch schreibt so, wie er möchte und kann und das ist auch gut so!
Mit freundlichen Grüßen,
A. Heinker.
ursula lehmann schrieb am 01.09.2007, 00:27
lange haben wir nichts voneinander gehört und gesehen. Und jetzt so was "Liebling, auch wir werden älter". Denkst Du noch manchmal an unsere gemeinsame Demo in Kassel? Wo immer wir uns begegnet sind, es war wie ein Klassentreffen. Mensch Uwe, "wer kämpft kann verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren". Halte durch, ich tue es auch!
Herzlichst, Uschi L. aus Berlin
Petra Groß schrieb am 31.08.2007, 21:53
Hallo Uwe,
Ich habe gelesen das du heute 50 jahre schon bis siehst aber jünger aus.
noch weite gute gesundheit für dich und Fam und Feier mal schön mit deinen Freude und bekante.
Sory das ich so viele fehler geschrieben habe.
Viele Grüße von Petra Groß auas Kassel
Gerhard Bartz schrieb am 31.08.2007, 20:33
Zwei "mittel-alte" Mitstreiter aus der Behindertenbewegung melden sich auch noch zu Wort. Wir kennen uns ja mittlerweile auch schon 1 1/2 Jahrzehnte und haben in dieser Zeit immer am selben Strang gezogen. Und auch noch in die selbe Richtung!
Lieber Uwe, wir wünschen Dir für die nächste Hälfte alles Gute, voran Gesundheit und Zufriedenheit.
Der Behindertenbewegung wünschen wir, dass Dein Tatendrang nicht nachläßt und noch viele wertvolle Anstöße von Dir ausgehen.
Herzliche Grüße aus Hollenbach
Elke und Gerhard Bartz
Uwe Heineker schrieb am 31.08.2007, 14:38
zum "runden" Geburtstag und Dir weiterhin viel Kraft und Tatendrang!
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