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31.08.2007 - 17:26

Stimmungsmache der Bild-Zeitung zur Pflegesituation kritisiert.

Berlin (kobinet) Als verantwortungslose Stimmungsmache und unhaltbares Zahlenspiel bezeichnete der Paritätische Wohlfahrtsverband heute die aktuelle Meldung der Bild-Zeitung, wonach in der Pflege erhebliche Pflegedefizite zu verzeichnen seien. Aussagen, wonach jeder Dritte nicht genügend zu essen bekomme, mehr als ein Drittel der demenzkranken Heimbewohner "nicht vernünftig versorgt" würden und über 35 Prozent der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner wundgelegen seien, weist der Verband als in der Sache eindeutig falsch zurück. Diese Angaben seien nicht aus dem von der Zeitung als Quelle angegebenen Bericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkasse zu entnehmen.

"Die Bild-Zeitung entwirft völlig haltlose Horrorgemälde, die mit der Realität der Pflege aber auch gar nichts zu tun haben", kritisiert Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. "Wir hätten erwartet, dass der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen, Herr Dr. Peter Pick, sofort mit einer entsprechenden Richtigstellung reagiert hätte."

Der Paritätische weist darauf hin, dass nach dem zitierten Bericht 94,3 Prozent der Pflegebedürftigen in ambulanter Pflege und 90 Prozent der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner angemessen versorgt werden. Über 90 Prozent seien nach dem Bericht mit ihrer Pflege zufrieden.

Schneider: "Die von der Bildzeitung in eklatanter Weise falsch ausgelegten Zahlen beziehen sich nicht auf die konkrete Situation der gepflegten Menschen, sondern resultieren aus einer Interpretation von schriftlich dokumentierten Arbeitsabläufen." Offensichtlich zeige die Methodik der Berichterstattung des Medizinischen Dienstes einige Schwächen, wenn die Bewertung nach dem Papier mit der tatsächlichen Situation der Bewohner so wenig in Einklang zu bringen sei.

"Selbstverständlich ist jeder einzelne Fall von unzureichender Pflege zuviel und nicht akzeptabel", betonte Schneider. Er wies zugleich daraufhin, dass die Verbände in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung der Pflegequalität in den Einrichtungen unternommen hätten und dies bereits einen deutlichen Niederschlag in der Zufriedenheit der Bewohner gefunden habe. sch
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Gerhard Lichtenauer, "Daheim statt Heim" Österreic schrieb am 01.09.2007, 16:28

Überwiegend angemeldete Prüfungen

Da es sich lt. MDK- Bericht überwiegend um angemeldete "Prüfungen" (>75 %) handelte, was mir völlig unverständlich ist, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass alles noch viel schlimmer ist, als es nun ohnehin beschrieben ist.
Nur eine wirklich unangemeldte Überprüfung (von der vorher auch sicher nichts durchsickerte), besitzt in meinen Augen eine vertrauenswürdige Aussagekraft, vor der man also nach wie vor die Augen verschließt!

Susanne Baumstark schrieb am 31.08.2007, 18:23

Angaben nicht völlig falsch

Der Paritätische weist die Angaben der Bild-Zeitung als in der Sache eindeutig falsch zurück. Das wiederum weise ich als falsch zurück: Laut Prüfbericht des MDS auf Seite 18 ist die Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung in rund 70 Prozent der Fälle angemessen. Rund 40.000 Pflegebedürftige waren einbezogen. 70 Prozent von 40.000 sind 28.000 Pflegebedürftige. Also ist in 12.000 von 40.000 Fällen die Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung unangemessen. Es kommt also ungefähr hin, dass jeder Dritte nicht ausreichend versorgt wird. Echauffieren sollte man sich bei dieser Angelegenheit weniger über die Berichterstattung als vielmehr über die Zustände. Link zum Prüfbericht: www.mds-ev.de/index2.html
Susanne Baumstark

Andreas Schäfer schrieb am 31.08.2007, 17:57

Dies war zu erwarten

Die Stellungsnahme des Paritätischen Wohlfahrtverbandes durch ihren Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider war zu erwarten. Betreiben doch der Paritätische Wohlfahrtverband und einige seiner Mitglieder eine nicht geringe Zahl an Alten- und Pflegeeinrichtungen. Wer läßt sich denn gerne das eigene Nest beschmutzen? Der Pflege- und Altenverwahrungssektor ist längst zum millardenschweren Markt geworden. Jeder versucht doch ein Stück davon zu ergattern.
Durch solche Berichte, wie ihn die Bildzeitung veröffentlichte, soll auch das Bewußtsein der Bevölkerung geweckt werden. Die Missstände müssen öffentlich angeprangert werden. Es kann nicht sein das man alte und pflegebedürftige Menschen, aufgrund personeller Engpässe, vernachlässigt oder gar fixiert, mit Medikamenten ruhig stellt etc... . Wo bleibt die Menschlichkeit, wo bleibt unsere soziale und christliche Verantwortung?
Kosten hin, Kosten her... . Entscheidungsträger, wie Politiker, Industrielle usw..., brauchen sich über ihre Zukunft im Alter keine Gedanken zu machen. Sie sind finanziell gut abgesichert, um später privat gepflegt zu werden. Wo aber, bleibt der ganz "normale" Bürger? Es gibt nicht nur schlechte Pflegeeinrichtungen, dies muss auch mal gesagt werden.

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