
Berlin (kobinet) Um Missstände in Pflegeheimen aufzudecken fordert der Sozialverband VdK u.a. regelmäßige unangemeldete Kontrollen.
"Demenzkranke können sich nicht wehren. Um menschenunwürdigen Missständen auf die Spur zu kommen, muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Pflegeheime regelmäßig unangemeldet kontrollieren." Dies fordert der Präsident des Sozialverbands VdK Deutschland, Walter Hirrlinger, anlässlich des aktuellen Pflege-Prüfberichts.
Demenz ist die Hauptursache für die stationäre Pflege. Die Zahl der Demenzkranken wird weiter steigen. "So viele Altenheime, wie bei der demographischen Entwicklung erforderlich wären, können kaum gebaut werden, weil das Geld fehlt. Deshalb müssen die ambulanten Dienste ausgebaut werden, damit Pflegebedürftige ausreichend zu Hause versorgt werden können", fordert Walter Hirrlinger.
Menschen, die nicht mindestens 90 Minuten Hilfe am Tag brauchen, bekommen bisher überhaupt keine Pflegeleistungen. Das sind diejenigen, die beispielsweise nur zu drei Viertel in die Pflegestufe 1 gehören. Dazu zählen insbesondere Demenzkranke, die vor allem Betreuung und nur teilweise Pflege benötigen. Daher fordert der Sozialverband VdK im Rahmen der Pflegereform eine Pflegestufe 0 einzuführen.
Die Anhebung der Leistungen für Demenzkranke von 460 Euro auf bis zu 2.400 Euro im Jahr reicht bei weitem nicht aus, um die Pflege von Demenzkranken zu Hause zu organisieren. "Die finanziellen Leistungen für niederschwellige Angebote für Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung müssen kurzfristig angehoben werden", so der VdK-Präsident. omp
I. Sch. schrieb am 17.11.2008, 16:26
Ich selbst habe auch schon oft von solch desolaten Bedingungen sowohl für die Bewohner eines Pflegeheims, als auch für die Mitarbeiter gelesen, gehört oder Reportagen gesehen.
Ich arbeite selbst seit 6 Jahren in der Pflege, bin seit etwas über einem Jahr Altenpflegerin und liebe meine Beruf.
Gott sei Danke habe ich bis jetzt noch nicht unter solch heftigen Bedingungen arbeiten müssen, da meine Einrichtung Assistenzpflege durchführt die mir genügen Raum und Zeit für alles was der Patient benötigt lässt.
Im Rahmen meiner Ausbildung war ich verpflichtet ein 3-monatiges Praktikum im stationären Bereich durchzuführen. Nach all dem was ich so gelesen und vor allem von meinen Mitschülern gehört hatte, hatte ich einen riesen Angst davor, weil ich unter keinen Umständen arbeiten wollte wie am Fließband. Ich war schließlich durch meine Einrichtung sehr "verwöhnt".
Und was soll ich sagen? Ich war sehr positiv überrascht. 27 Bewohner auf einem Wohnbereich mit einer Fachkraft und 2 Pflegehelfern. Azubis und Praktikanten waren zusätzlich da, so we es ja auch sein soll. So waren wir im Frühdienst zum Teil 5 Personen. Wir hatten also ausreichend Zeit, konnten aktivierende, reccourcenfördernde Pflege drchführen. Außerdem gab es für die Bewohner einige Angebote der Beschäftigung. Angefangen von Frühlingsfesten, Tanznachmittag, Bastelgruppen bis hin zu einem Arkordenspieler der jeden Mittwoch auf jedem Wohnbereich war und nach Wunsch die alten Lieder zum besten gegeben hat.
Was ich damit sagen will, ist, dass es auch anders gehen kann. Dass nicht in jedem Pflegeheim desolate Rahmenbedinungen herrschen, die eine satt, sauber Pflege zur folge haben. Nur leider, und das muss ich zugeben, sind das wohl noch Ausnahmen.
A. Heinker schrieb am 15.09.2007, 04:44
Hallo,
der Frauenverband Courage e.V., der Solidaritätskreis menschenwürdige Pflege und die ver.di Betriebsgruppe Klinikum Neukölln laden ein:
Dienstag, den 25.09.2007, 18.30 Uhr ins ver.di-Haus, Köpenicker Str. 30, 10179 Berlin (S-Bhf. Ostbahnhof, U-Bhf. Heinrich-Heine-'Str.), Raum 601.
Veranstaltungsort, inkl. Toiletten sind barrierefrei, jedoch nicht der U-Bf. Heinrich-Heine-Straße, jedoch der S- (zugleich Fernbahnhof ) Ostbahnhof.
A. Heinker
Grisu Florian schrieb am 15.09.2007, 03:40
Wo soll ich anfangen?
Bei Fuseck aus München, der die Mafiastruckturen in der Altenpflege oder in den Heimen seit Jahren anprangert?
Bei I.Seifert der Gebetsmühlenhaft seit Jahren darüber redet und informiert, dass jeder 3te Heimbewohner nicht genug zu trinken und zu essen bekommt?
Oder andere Wahrheiten?
Nur wer will sie hören? Wer unternimmt etwas gegen die Zustände in den Pflegeheimen?
Ein paar Beispiele aus meinem Umfeld.
An unserem Wohnort wurde ein neues Pflegeheim unter Privater Trägerschaft eröffnet. Leiter ist ein verdientes Mitglied einer Partei.
Besagtes Haus suchte per Anzeige 400 Euro Kräfte mit Examen.
In ein anderem Heim machte eine Bekannte von mir alleine Nachtdienst. Gut das die 80 Heimbewohner nicht so stressig sind. Oder etwa doch? Achso, ich vergass, die Bekannte war früher mal Kassiererin bei einem Discounter. Das Qualifizierte war wohl der Lehrgang zu ihrem Führerschein? Hier, Lebensrettende Sofortmaßnahmen, 3 Doppelstunden bei einer Hilfsorganisation.
Als Dozent in einer Pflegeschule ist mir und den Teilnehmern bewußt,
das Sie aus der Arbeitslosigkeit kommen und die meisten nach 3 Jahren mit Examen wieder in die Arbeitslosigkeit entlassen werden.
Zum Schluss, als Ausschussmitglied in einem Kommunalparlament wurde nach der Ist-Situation in den Heimen nachgefragt. Seitens der Kommunalen Heimaufsicht "Friede, Freude, Eierkuchen".
Von seitens des MDK wurde dieses bestritten und jedes 2te Heim wies Mängel gegen über seinen Bewohnern auf. Aber Aufgrund des Datenschutzes ist es etwas schwierig die Namen der Heime öffentlich zu benennen.
Noch etwas zum Schluss, bei der letztjährigen Reha-Care gab es Aussteller, die Fesselungen für Heimbewohner immer noch im Programm hatten und Interesssierten die Handhabung erklärten.
Ich meine liebe Messeleitung, darauf kann man doch gut und gerne verzichten.
Detlef Luther schrieb am 12.09.2007, 18:59
Lassen Sie mich Ihnen danken, dass ich meine Erfahrungen in der stationären Pflege als Leserbrief vortrage.
Häufig wird über die desolaten, beklagenswerten Verhältnisse in den stationären Pflegeeinrichtungen gesprochen – es gibt sie tatsächlich, nicht nur in Bayern,nein auch bei uns in Brandenburg.Es sind nicht Einzelfälle, ich habe nunmehr in 6 Jahren in 3 Pflegeeinrichtungen arbeiten können und diese desolaten Zustände herschen überall.Im Rahmen meiner kontinuierlichen Beobachtung findet täglich eine "'Satt und sauber', Pflege statt und diese können wir auch nicht mal mehr täglich leisten",!
Kontrollen des Blutdrucks, des Blutzuckers und Verabreichung von Injektionen werden durchgeführt. Bettlägerige Bewohner werden gelagert, Wunden und Infusionen versorgt. Ärztliche Visiten werden vorbereitet und begleitet, Medikamentenbestellungen und andere Dienste koordiniert.
Ich erlebe täglich , dass 66 Bewohner aller Pflegestufen, wobei die Pflegestufe III überwiegt, von 4 Pflegekräften, in einer Arbeitsschicht versorgt werden.
Diese 4 Personen führen die Körperpflege bei den Betroffenen durch ! Anleitung zur Ressourcennutzung ist nicht mehr möglich.
Nahrung muß zubereitet, dargereicht und verabreicht werden, Sondennahrung und Medikamente ebenfalls verabreicht werden. Es darf kein Bewohner mehr als 5 Minuten für die Einnahme der zu verabreichenden Nahrung incl. Getränke benötigen! Morgens wird bereits bestimmt wer am Tag im Bett liegen bleibt und wer aus dem Bett geholt wird. Hier wird viel Zeit eingespart, da die Körperpflege nur im Gesichtbereich vorgenommen wird. Ausscheidungen werde 2x am Tag beseitigt, wenn der einzelne Bewohner Pech hat nur einmal.Glück hat der jedoch, wenn sich Angehörige als Besuch angemeldet haben.
Rechenbeispiel:
4 Pflegekräfte versorgen gesamt 66 Bewohner, hiervon sind 36 Bewohner mit der Pflegestufe III belegt, 23 Bewohner mit der Pflegestufe II und 7 Bewohner mit der Pflegestufe I.
Arbeitszeit für den einzelnen Mitarbeiter max. 8 Std. für die Fachkraft 6 Std, für Pflegehelfer . Macht in diesen Betrieb genau 28 Arbeitstunden (1680 Minuten)im Frühdienst.
Legt man im Durchschnitt 15 Minuten für die Körperpflege fest ergibt dieses bereits schon 990 Minuten für die Körperpflege.Die Restlichen 690 Minuten verbleiben für Nahrung/Getränke: Darreichen, Verabreichen, Mobilisieren, Gespräche, Reinigung,Medikamenten darreichen, Verabreichen, Wundbehandlungen, Lagerungen Dokumentaionen u.s.w ( jeder von uns weis was noch alles geleistet wird) Nun Frage ich hier . Ist das Pflege?????
Ich sage nein! Die notwendige individuelle Planung der Pflege unter Berücksichtigung biographischer Anteile wird abgelöst durch die von den Pflegekassen erwartete Dokumentation und Planung. Heute steht die Abrechenbarkeit von Leistungen im Vordergrund. Hier fragt sich jeder wie die Krankenkassen die nachgewiesenen Pflegeminuten tatsächlich anrechnen.
Der Kreislauf findet keine Unterbrechung.
Ich bin ausgestiegen!!!
Detlef Luther
Inge Rosenberger schrieb am 02.09.2007, 11:29
es ist schon erschreckend, wie viele Missstände aufgedeckt werden, obwohl die 'Kontrollen' vorher angekündigt werden müssen. Was würde man vorfinden, wenn die Kontrolleure zu völlig unterschiedlichen Tagen und Uhrzeiten auftauchen würden?
Würde sich dann endlich etwas ändern - oder wäre der finanzielle Mehraufwand für die Menschenwürde zu hoch?