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02.09.2007 - 06:58

Deutschland beim Freedom Drive gut vertreten.

Mainz (kobinet) Wenn der diesjährige Freedom Drive des Europäischen Netzwerks zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen (ENIL) am Dienstag beginnt, wird Deutschland mit ca. 50 TeilnehmerInnen diese Aktion tatkräftig unterstützen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Corina Zolle vom Forum selbstbestimmter Assistenz (ForseA), die die deutschen Aktivitäten der Aktion für die Rechte behinderter Menschen koordiniert.

kobinet-nachrichten: Vom 4. - 6. September findet in Straßburg der Freedom Drive für Behindertenrechte statt. Was verbirgt sich genau dahinter?

Corina Zolle: Der Straßburg Freedom Drive ist eine Europäische Rallye zum Europäischen Parlament nach Straßburg für die Rechte behinderter Menschen. Das Europäische Netzwerk zum selbstbestimmten Leben (ENIL) - eine Organisation behinderter Menschen aus ganz Europa - organisiert den Straßburg Freedom Drive, eine europaweite Veranstaltung zur Förderung und Unterstützung von Aktiven der Behindertenbewegung in der Europäischen Union, insbesondere behinderten Menschen, die Persönliche Assistenz benötigen und selbstbestimmt leben möchten, nun schon zum dritten Mal. Behinderte Menschen aus ganz Europa werden im Europäischen Parlament in Straßburg zusammen kommen um ein selbstbestimmtes Leben und ihre Menschenrechte einzufordern. Hierzu wurden Termine mit den jeweiligen Europaabgeordneten sowie der Disability Intergroup des Europäischen Parlaments vereinbart.

kobinet-nachrichten: Haben die Deutschen da auch was geplant?

Corina Zolle: Ja, unsere deutsche Gruppe wird am Dienstagnachmittag mit 20 deutschen Europaabgeordneten diskutieren. Am Mittwoch gibt es dann wieder eine gemeinsame "Rolli-Rallye" zum Parlament, wo wir dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Professor Dr. Hans-Gert Pöttering und dem Präsidenten der Disability Intergroup, Richard Howitt , eine Petition überreichen werden. Der Freedom Drive will sicher stellen, dass ein selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen überall in der Europäischen Union Realität wird und ihre Rechte auf Würde und Selbstbestimmung anerkannt werden. Der Freedom Drive will ebenso auf die Bedürfnisse behinderter Menschen in Entwicklungsländern hinweisen.

kobinet-nachrichten: In den vergangenen Jahren ging diese Initiative ja eher an der deutschen Behindertenbewegung vorbei, wie sieht das dieses Jahr aus?

Corina Zolle: Nachdem in den vergangenen Jahren die deutsche Beteiligung leider nur sehr mager ausgefallen ist, ist es uns dieses Mal gelungen annähernd 50 behinderte Menschen und ihre Assistenten zu mobilisieren nach Straßburg zu kommen und am Freedom Drive teilzunehmen. Wir bilden somit dieses Mal die größte nationale Gruppe. Weitere Aktivisten kommen aus Norwegen, Schweden, Großbritannien, Irland, Bulgarien, Belgien, Frankreich und aus Italien.

kobinet-nachrichten: Welche Ziele verfolgen Sie, wenn Sie nächste Woche Gespräche und Aktionen in Straßburg durchführen?

Corina Zolle: Ein Hauptthema, das wir beim diesjährigen Freedom Drive hervorheben wollen, ist der Mangel an umfassender persönlicher Assistenz innerhalb Europas. Wir glauben, dass das Geld, das für die Institutionalisierung behinderter Menschen in jedem Staat ausgegeben wird, sinnvoller in Form von Persönlichen Budgets direkt an die Menschen ausgezahlt werden sollte, anstatt an kostspielige Institutionen. Die Finanzierung von persönlichen Assistenten würde behinderten Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, die Möglichkeit geben, selbstbestimmt und in Würde innerhalb des gewohnten Lebensbereichs zu leben und mehr Leistung für gleiches Geld zu erhalten. Es ist besser aktive Bürger zu schaffen, die an der Gesellschaft teilhaben können, als weiterhin Institutionen zu bauen, um Menschen darin zu verstecken. Um das Bewusstsein für das Thema Behinderung innerhalb der Europäischen Union zu fördern, wollen wir über die Erfahrungen behinderter Menschen in Europa berichten. Wir sind mehr als 60 Millionen behinderte Menschen in Europa. Rund drei Millionen von uns leben in Institutionen. Das allein ist tragisch genug, doch die Zahl steigt.

kobinet-nachrichten: Wie gestaltet sich eigentlich die Barrierefreiheit in Straßburg, haben alle TeilnehmerInnen barrierefreie Unterkünfte bekommen?

Corina Zolle: Natürlich war es nicht einfach für über 200 Leute in Straßburg barrierefreie Unterkünfte zu finden. Viele Hotels in Straßburg und Umgebung verfügen jedoch über eine Anzahl barrierefreier Zimmer. Viele nehmen auch für jeden Tag eine längere Anreise auf sich. Ein großer Teil der deutschen Gruppe reist aus München an und ist in einem Hotel 50 Kilometer von Straßburg entfernt untergekommen.

kobinet-nachrichten: Wann starten die TeilnehmerInnen nach Straßburg?

Corina Zolle: Das kommt ganz auf die Entfernung nach Straßburg an. Die Iren starteten beispielsweise bereits am Samstag, ebenso die 20-köpfige bulgarische Gruppe, die in vier Autos über Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland schließlich am Montag Straßburg erreichen wird. Von Deutschland aus müssen wir solche Strapazen glücklicherweise nicht auf uns nehmen. Wir starten erst am Montag oder Dienstag.

kobinet-nachrichten: Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

 

 
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