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kobinet-nachrichten
02.09.2007 - 15:58
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org
Graz (kobinet) Schwer Vorwürfe erhebt Gerald Grosz, Generalsekretär des BZÖ, im BIZEPS-INFO Interview im Zusammenhang mit dem geplanten Ankauf von Straßenbahnen in Graz.
Mitte August hatte die in Schweizer Eigentum stehende Stadler Pankow GmbH den Auftrag für 45 neue Niederflurstraßenbahnen in Graz zugesprochen bekommen. Angesichts des Auftragswertes von rund 100 Millionen Euro ein Auftrag, den mehrere Unternehmen gerne gewonnen hätten.
Siemens ist bei der Ausschreibung unterlegen und erhebt nun Einspruch gegen den Zuschlag an Stadler.
BZÖ fordert Prüfung
"Im Rahmen des Vergabeverfahrens wurde die behindertengerechte Ausstattung nicht bewertet und negiert", weist der BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz im BIZEPS-INFO Interview auf einen ihm wichtigen Punkt hin und führt aus: "Das Angebot der Firma Siemens umfasst behindertengerechte Straßenbahngarnituren, die auch ohne bauliche Maßnahmen an den Haltestellen einen Einstieg von Rollstuhlfahrern ermöglicht hätte."
Das BZÖ fodert eine "sofortige Überprüfung des Grazer Straßenbahndeals" durch eine Sonderprüfung des Bundesrechnungshofes.
"Desweiteren sind die angebotenen Straßenbahngarnituren so ausgestattet, das 7 Rollstuhlplätze oder auch Kinderwageplätze Platz pro Wagon finden würden", so Grosz, der festhält: "Gerade bei einem Neukauf hat man die verdammte Pflicht, auf diese Kriterien zu achten."
Siemens erhebt Einspruch
Siemens Österreich erhob beim Unabhängigen Verwaltungssenat der Steiermark Einspruch gegen die Auftragsvergabe berichtet das Wirtschaftsmagazin "trend".
"Der zentrale Punkt bei unserem Einspruch ist, dass hier ein Fahrzeug gewonnen hat, das bisher nicht erprobt wurde", erklärt Siemens-Österreich-Sprecher Harald Stockbauer gegenüber dem Wirtschaftsmagazin.
Bei Stadler gehen zehn Prozent mehr Fahrgäste in die Waggons. Dadurch sinken die Kosten pro Fahrgast, erläutert Wolfgang Malik, Vorstand der Grazer Stadtwerke. Stockbauer kontert: "Dafür gibt es in unseren Waggons sieben Kinderwagen- beziehungsweise Rollstuhlplätze, wie es den heutigen Anforderungen im urbanen Verkehr entspricht."
Siemens erhebt daher aus mehreren Gründen Einspruch im Vergabeverfahren. "Ausdrücklich wurde darauf verwiesen, dass es sich dabei um Niederflurstraßenbahnen im Betriebseinsatz handeln muss. Diese Anforderung kann jedoch durch die STADLER Pankow GmbH nicht erfüllt werden, weil diese bislang keine einzige Niederflurstraßenbahn hergestellt hat", hält Siemens fest.
"Die Bewertung der Auftraggeberin ist daher nicht nachvollziehbar und völlig willkürlich erfolgt", meint Siemens abschließend. lad
Michael Zander schrieb am 03.09.2007, 23:13
Es ist ein deutliches Zeichen für die politische Krise der Behindertenbewegung, dass BIZEPS und kobinet kommentarlos bzw. positiv den Generalsekretär des rechtsextremen "Bündnisses Zukunft Österreich" zitieren. Das BZÖ ist eine Abspaltung der FPÖ und vertritt nationalistische, ausländerfeindliche und neoliberale Positionen, wiederholt fielen einzelne Politiker durch faschistische Sprüche auf. Schlimmwer als naiv ist es, einzelne "behindertenfreundlich" klingende Äußerungen isoliert davon zu betrachten und zu unterstützen. Man fällt auf die Strategie herein, die in Deutschland auch die NPD benutzt und mit der durch scheinbar soziale und kommunale Aktivitäten politische Geländegewinne gemacht sowie neue Mitglieder und Sympathisanten rekrutiert werden sollen.
Michael Zander, Berlin
Arnd Hellinger schrieb am 02.09.2007, 23:01
Aus grundsätzlichen Erwägungen antworte ich nicht auf anonym verfasste Leserbriefe. Wenn A. H. also an einer Klärung seiner/ihrer Fragen interessiert ist, kann er/sie mich gerne unter bahnarnd@hotmail.com kontaktieren.
Hier nur soviel: Wenn der Kunde CVAG im Gegensatz zu anderen Verkehrsunternehmen bei Stadler keine Klapprampen bestellt, sagt das mehr über die Chemnitzer Kommunalpolitik aus als über die technisch realisierbare Barrierefreiheit einer Straßenbahn-Baureihe...
A. H. schrieb am 02.09.2007, 22:05
Hallo Herr Heiliger,
ich möchte Sie fragen, ob Sie die Niederflurstraßenbahnen in Chemnitz selber getestet haben? Woher haben Sie Ihre Informationen, die gen. Straßenbahnzüge seien behinderten- / also auch rolligerecht?
Die Niederflurstraßenbahnen in Chemnitz haben weder Hublifte noch herausklappbare Überfahrbrücken zum Berollen und zum Verlassen der derselben und so kann man an nicht erhöhten Haltestellen(inseln) in der oder außerhalb der Straßenbahnen versauern, entweder man kommt aus der Straßenbahn nicht raus oder in dieselbe nicht hinein.
Ich bitte Sie, das auch selber vor Ort nachzurecherchieren.
A. H.
Arnd Hellinger schrieb am 02.09.2007, 21:40
Hätte sich Herr Grosz etwas sachkundig gemacht, wäre ihm nicht entgangen, dass die für Graz vorgesehenen Züge der Bauart "VarioBahn" von Stadler Pankow u.a. bereits nach Chemnitz, Nürnberg, München sowie Helsinki und an den Verkehrsverbund Rhein-Neckar geliefert worden sind. Sie fahren dort bereits im normalen Linienbetrieb - z.T. schon seit 2001. Barrierefrei sind sie dort auch...
Dass Siemens so etwas gerne verschweigt, ist aus deren Sicht nachvollziehbar.
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