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04.09.2007 - 15:27

Weltwärts - mit dem Rollstuhl nach Sao Paulo!?.

Hamburg (kobinet) Gestern hat die Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul den neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst "weltwärts" vorgestellt, mit dem Jugendliche zwischen 18 und 28 Jahren einen Freiwilligendienst in anderen Ländern absolvieren können. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und der ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V. haben sich bei einem Treffen für die Teilnahme von Menschen mit Behinderung an diesem Programm ausgesprochen.

Im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) und der UN-Konvention zum Schutz der Rechte behinderter Menschen fordern die Verbände Chancengleichheit und setzen sich dafür ein, Menschen mit Behinderung als Zielgruppe gleichberechtigt in dieses neue Programm einzubinden. Sie möchten behinderte Menschen außerdem ermutigen, diese Möglichkeit zum interkulturellen Austausch für sich zu nutzen. "Es handelt sich hierbei um Neuland, ohne vorgefertigte Angebote und Lösungen", erklärte Christian Judith von der ISL. Menschen mit Behinderung, die sich für einen weltenweiten Freiwilligendienst interessieren, sind eingeladen, sich an die ISL e.V. Tel. 03641/ 234795 oder an ICJA e.V., Tel. 030/ 2123-8252) zu wenden. omp
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Peter Sehrbrock schrieb am 19.10.2007, 16:46

Konkret werden!!

Die kritische Auseinandersetzung von Herrn Beckann mit den Äußerungen von ISL und ICJA kann ich ganz gut nachvollziehen, weil diese Äußerungen auch bei mir einen Profilierungsbeigeschmack hinterlassen haben. Das BMZ ist in der Tat gewillt, die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen auch bei weltwärts zu berücksichtigen. Diese Aussage kann ich deswegen machen, weil u.a. ich als wissenschaftlicher Betreuer der Diplomarbeit einer Kommilitonen im Rollstuhl mit Assistenz, die nach Afrika gehen will und wird, genau dieses Programm hinsichtlich seiner Offenheit für die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen in Afrika aber auch von Menschen mit Beeinträchtigungen aus Europa in Afrika evaluieren werde. Entscheidend ist, dass die konkreten Bedürfnisse von Assistenz sowohl inhaltlich, als auch organisatorisch als auch finanziell geklärt werden. Welcher Art die Assistenz sein muss und auch wer die Assitenz leisten soll, kann nur Frl. Furian selbst entscheiden. z.B. wäre eine von ihr ausgebildete brasilianische Assistenz denkbar mit dem zusätzlichen Effekt der Nachhaltigkeit. Neben der Frage der Assistenz ist auch die der qualifizierten pädagogischen Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung zu klären/organisieren. Wenn das Ministerium um die konkreten Anforderungen weiß, wird es auch positiv darauf anworten. Das sind meine Erfahrungen.

Wasilios Katsioulis schrieb am 11.09.2007, 13:14

Ohne Adaptionen

ist eine Teilnahme behinderter Menschen nicht möglich. Aus diesem Grunde ist es nötig bei Auflegung solcher Programme immer daran zu denken, dass Behinderte Menschen teilnehmen können und das für diese (erhöhten) Aufwendungen Budgetposten zur Verfügung gestellt werden. Sinnvoll wäre meiner Ansicht nach bei jedem Projekt die ADG-Stelle des Bundes zu bitten, ob das Projekt diskriminierungsfrei ist oder nicht.

Dass es Lesebriefeschreiber gibt, die diesen Zusammenhang nicht ausreichend erkennen, beweist, dass noch zu wenige Menschen mit Behinderungen dort arbeiten, wo über die Koordination solcher Projekte entschieden wird.

Beste Grüsse
Wasilios Katsioulis

Wilfried Furian schrieb am 05.09.2007, 14:08

Getroffene Hunde bellen

Da hat kobinet ja jemandem ganz ordentlich auf die Füße getreten. Ich verstehe zwar nicht so ganz warum, denn was die beiden Organisationen gemacht haben, ist ja nur, dass sie gefordert haben, dass auch Menschen mit Behinderung an diesem Programm teilnehmen können. Wenn jemand behauptet, das sei doch selbstverständlich, weil nichts gegenteiliges vermerkt ist, der ist entweder blauäugig oder man hat ihm wirklich auf die Füße getreten und einen wunden Punkt erwischt.
Wäre ja schön wenn das dann so geht. Meine Tochter, Rollifahrerin (ICP und Sehbehinderung) hat schon mal angefragt. Wenn das dann alles so ist, wie Herr Beckann das meint, dann wird sie ja wohl bald eine Zusage bekommen. Die Frage bleibt, wer zahlt die Kosten für die Assistenz ?

Martin Beckann schrieb am 04.09.2007, 20:29

Nur Selbstprofilierung?

Die Forderungen der beiden genannten Organisationen ist mir völlig unverständlich. Wer das sehr transparente Konzept (Richtlinie) zu weltwärts liest, findet dort an keiner Stelle Hinweise, dass junge Menschen mit Behinderungen jeglicher Art ausgeschlossen werden. Ausschließlich Bereitschaft zum Engagement und Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe sowie einige Kriterien wie Sprachkenntnisse werden als Kriterien genannt und diskriminieren in keiner weise eine Minderheit, sondern sind leicht verständliche Voraussetzungen für einen gelungenen Freiwilligendienst. Eine medizinische Eignung für das Leben und Arbeiten in den Entwicklungsländern, also auch unter medizinisch vergleichsweise unterentwickelten Strukturen, wird zudem erwartet und ist naheliegend. Keine Entsendeorganisation sollte im Sinne der zu tragenden Verantwortung diesen Aspekt vernachlässigen – dies wäre für die jungen Menschen unverantwortlich, ob nun mit oder ohne Behinderung. Die Ziele die mit weltwärts erreicht werden sollen sind zu unterstützen, entsprechen aber nicht einer Therapie und sollen diese auch nicht ersetzen. Es spricht also nichts gegen eine Teilnahme von jungen Menschen mit Behinderung, solange die von den Entsendeorganisationen verantwortlich durchgeführt werden kann. Insbesondere widerspricht dies nicht dem Konzept und dem BMZ ist in diesem Punkt kein Vorwurf zu machen.

Indem die beiden genannten Organisationen einen Vorwurf der Diskriminierung konstruieren der nicht vorhanden nutzen sie die Öffentlichkeit die mit einer Zielgruppe zu erzeugen ist, für deren Belange es sich an viel wesendlicheren Punkten zu engagieren gilt. Ich bekomme das Gefühl, dass durch künstlich heraufbeschworene Kritik der Versuch unternommen wird, sich in den Vordergrund zu spielen (Kritik ist nun mal leider auffälliger als Lob). Es stellt sich mir zugleich Frage, ob es diesen Organisationen wirklich um die Freiwilligen geht bzw. insbesondere um die behinderten Freiwilligen (die mit Sicherheit einer Lobby bedürfen) und nicht um sich selber. Ich würde mich (insbesondere als behinderter Menschen) nicht einer Organisation anvertrauen, der die eigene Selbstprofilierung wichtiger ist als die gute Sache, für die sie angeblich eintritt.

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