
Bielefeld (kobinet) In einer gemeinsamen Veranstaltung warben die Bundesbehindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer und die Landesbehindertenbeauftragte von Nordrhein-Westfalen Angelika Gemkow in Bielefeld für das Persönliche Budget.
Vor mehr als 330 Menschen mit Behinderung, Vertretern der Selbsthilfe, der Behörden, von Einrichtungen und Anbietern von Sozialleistungen aus ganz Nordrhein-Westfalen äußerten Karin Evers-Meyer und Angelika Gemkow die Hoffnung, dass möglichst viele Menschen mit Behinderung das Persönliche Budget künftig als eine Chance für mehr Selbstbestimmung und mehr Lebensqualität nutzen werden.
Ab dem 1. Januar 2008 haben behinderte Menschen Anspruch auf ein Persönliches Budget. Mit dieser neuen Sozialleistung werden bisher fest definierte Dienst- und Sachleistungen durch Barleistungen an die Betroffenen ersetzt. Mit diesem Geld können behinderte Menschen sich als Käufer, Kunde oder Arbeitgeber eigenverantwortlich für ihre ganz persönlichen Unterstützungsleistungen entscheiden.
"Menschen mit Behinderungen wissen selbst am besten, welche Unterstützungsleistungen sie benötigen und welche Art der Hilfestellung ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Das Persönliche Budget ermöglicht es ihnen, als Experten in eigener Sache selbst zu bestimmen, welche Art der Unterstützung sie wann und von wem in Anspruch nehmen. Leistungen können so effizienter und individueller erbracht werden. Und, das Geld kommt endlich ungefiltert bei denen an, für die es bestimmt ist", erklärte Karin Evers-Meyer. "Das Persönliche Budget ist ein neues Angebot für behinderte Menschen, das ihnen einen Zugewinn an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung bringen soll. Für mich gilt jetzt, das Persönliche Budget bekannter zu machen und behinderten Menschen Mut zu machen, die neuen Möglichkeiten auszuprobieren. Ihnen muss die Angst genommen werden, dass das Persönliche Budget zu einer Kürzung ihrer bisherigen Leistungsansprüche führt. Bestehende Herausforderungen müssen offen angepackt werden", so das Plädoyer von Angelika Gemkow. Gemkow rief alle Akteure, Behörden, Anbieter von Sozialleistungen und die Organisationen der Menschen mit Behinderung zur Zusammenarbeit und Kooperation auf.
In vielen anderen europäischen Ländern bestehen bereits ähnliche Regelungen für behinderte Menschen. Aus Sicht der beiden Beauftragten ist die neue Leistungsform nun auch in Deutschland Ausdruck einer neuen Politik für Menschen mit Behinderung. Die Veranstaltung in Bielefeld am 25. September war Teil einer bundesweiten Informationskampagne unter dem Motto "Selbstbestimmt leben: Persönliches Budget", die die Bundesbehindertenbeauftragte gemeinsam mit den Behindertenbeauftragten der Länder durchführt. Weitere Informationen zum Persönlichen Budget und zur Infotour gibt's unter www.budget-tour.de. omp