Essen (kobinet) Die Fußball-Nationalmannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes hat das erste großes Testspiel unter ihrem neuen Trainer Dietmar Schacht mit 1:19 verloren. Thomas Wein vom FUBA-NETzwerk machte kobinet auf den Bericht "Schicht im Schacht" über das Spiel am 28. November in Goch am Niederrhein aufmerksam:
Der sportliche Vergleich hinkt - da waren sich alle Beteiligten vor dem Testspiel der Nationalmannschaft der Menschen mit geistiger Behinderung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) gegen die Verbandsliga-Mannschaft von Viktoria Goch einig. Im Rahmen des zweiten Lehrgangs der Nationalkicker um Neu-Bundestrainer Dietmar Schacht trafen beide Teams im Hubert-Houben-Stadion der Stadt an der Niers aufeinander und ernüchternder konnte das Ergebnis mit 1:19 für den WM-Dritten am Ende kaum sein.
Schnell drängte sich die Frage auf, ob der ehemalige Duisburger Profi sich und vor allem seinen Kickern mit der Auswahl des Gegners einen Gefallen erwies. Frustrationsschwellen liegen bei Menschen, die dem runden Ball hinterher jagen im Moment der Aktion auf dem Platz im Durchschnitt sehr tief. Dass sie von Menschen mit einer Lernbehinderung oder Problemen im Sozialverhalten noch schneller überschritten werden, erst recht wenn sie eine hohe Niederlage erleiden müssen, ist nicht nur Pädagogen bekannt. Für Menschen mit einer mentalen Schwäche ist der Prozess der Bewältigung langwieriger und aufwändiger.
Schacht gilt als ausgewiesener Fußball-Fachmann, der mit Ruhrpott-Mentalität seine ihm anbefohlenen Spieler zu steuern weiß. Als "harter Hund" wird er von seinen Kritikern bezeichnet. Gerade dieser Führungsstil scheint dem nach der WM neu aufzubauenden Team gut zu tun, denn positiv auffällig war das Sozialverhalten der Spieler auf dem Feld schon. Selten bis nie konnte man ein solch diszipliniertes Verhalten in einer Niederlage der Spieler mit geistiger Behinderung in der Vergangenheit beobachten.
Andreas Timm und Co blieben aufrecht gegen die Übermacht der körperlich und natürlich spielerisch weit überlegenen Scholz-Truppe vom Niederrhein. Nicht eine Undiszipliniertheit auf dem Feld war zu beobachten, was Schacht nach dem Spiel mit Stolz erfüllte: "Das Ergebnis ist absolut nebensächlich. Ich wollte die Spieler in einer Extremsituation beobachten. Sie haben trotz konditioneller Probleme dagegen gehalten und 90 Minuten ihr Bestes gegeben. Daher bin ich alles andere als enttäuscht, sondern sehr stolz auf meine Jungs", sagte ein überaus gut gelaunter Coach. "Schade, dass der Stadionsprecher unseren einzigen Torschützen Wissam El Hamadi nicht benennen konnte, aber bei den vielen Treffern verliert man schon mal schnell den Überblick."
In der Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2008 in England sieht der Ex-Bundesligaprofi vor allem auf der Torhüterposition Handlungsbedarf. "Es wäre schön, wenn wir hier noch etwas verändern können. Vielleicht ist es sogar möglich, einen der beiden WM-Torhüter zu reaktivieren. Ich werde mich mit den Landestrainern und dem DBS beraten und gegebenenfalls gezielte Sichtungen vornehmen." Im Frühjahr reist die Mannschaft in ein Trainingslager in der Türkei, um an der Spieltaktik zu feilen. Soziale Kompetenz wird bei Schacht bereits jetzt groß geschrieben - bei gegenteiligen Entwicklungen heißt es vermutlich "Schicht im Schacht". sch