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07.12.2007 - 07:31

Wir machen´s einfach.

Mainz (kobinet) "Wir machen´s einfach", so hatte der Leiter der Abteilung Soziales des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums, Klaus-Peter Lohest, kürzlich auf den Aufruf von Mensch zuerst geantwortet. Mensch zuerst hatte gefordert, den Begriff "geistig behindert" abzuschaffen. Stefan Göthling von Mensch zuerst sprach nun mit Klaus Peter Lohest darüber, wie in Rheinland-Pfalz mit dem Begriff umgegangen wird. elba

Stefan Göthling: Sie haben den Aufruf von Mensch zuerst unterstützt, dass der für uns diskriminierende Begriff "geistig behindert" abgeschafft werden soll. Wie gehen Sie damit im Sozialministerium in Rheinland-Pfalz um?

Klaus Peter Lohest: Ganz einfach: In Reden, Presseerklärungen und Broschüren nutzen wir den Begriff "geistig behindert" nicht. Wir sagen: "Menschen mit Lernschwierigkeiten". Und wir sagen auch, dass "Menschen mit Lernschwierigkeiten" dies auch so wünschen.

Stefan Göthling: Welche Erfahrungen machen Sie damit, wenn Sie statt dem Begriff "geistig behindert" den Begriff "Menschen mit Lernschwierigkeiten" benutzen?

Klaus Peter Lohest: Viele glauben, wir meinten "lernbehinderte Menschen", wenn wir "Menschen mit Lernschwierigkeiten" sagen. Deshalb erklären wir, dass das nicht so ist. Viele kennen den neuen Begriff aber noch nicht. Das ist schade.

Stefan Göthling: Was könnte man tun, dass auch andere Ministerien und Organisationen wie Sie den Begriff "geistig behindert" nicht mehr nutzen?

Klaus Peter Lohest: Wir müssen allen sagen, dass der Begriff "geistig behindert" nicht gut ist. Ja, das er Menschen mit Lernschwierigkeiten abwertet. Das dauert noch etwas Zeit, aber wir schaffen das schon.

Stefan Göthling: Was würden Sie sich wünschen, wie man Menschen mit Lernschwierigkeiten mit mehr Respekt begegnen kann und wie sie besser unterstützt werden können?

Klaus Peter Lohest: Menschen dürfen nicht daran gemessen werden, was sie nicht können. Jeder Mensch ist einzigartig. Wichtig ist der Mensch mit dem, was er anderen geben kann. Liebenswürdigkeit, Da-Sein, Lachen oder Zuhören zum Beispiel. Das müssen wir klar machen. Es ist aber noch viel Arbeit. Wir machen gerne dabei mit. Außerdem: Jeder von uns kann morgen einen Unfall haben. Dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Das müssen wir auch klar machen. Wir müssen lernen, in leichter Sprache zu sprechen. Dann verstehen das alle Menschen. Es sind ja nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten, die Probleme haben, Politiker zu verstehen. Das geht doch vielen so. Also: Leichte Sprache hilft allen.

Stefan Göthling: Vielen Dank für das Gespräch.


Über 300 Personen und VertreterInnen von Organisationen haben inzwischen den Aufruf von Mensch zuerst zur Abschaffung des Begriffes "geistig behindert" unterstützt.

Link zur Unterschriftenliste von Mensch zuerst
 

 
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Leserbriefe zu diesem Artikel:.

Luis Zubizarreta schrieb am 12.12.2007, 18:36

Keine Antwort!

Liebe Frau Aulehla,ich habe Frau Naumann
und allen Mitglieder der Petitionsauschuss folgendes geschrieben:"Ihre Begründung ,die Bezeichnung "Geistigbehindert"werde von den Betroffenen nicht als diskriminierend empfunden,ist m.E. beleidigend ,ja sarkastisch.
-Die behinderten Mitmenschen,die diese Bezeichnung nicht verstehen ,müssen sie erdulden.
-Die Betroffenen ,die in der Lage sind sie zu verstehen,finden sie mehrheitlich als diskriminierend.Das gibt die Lebenshilfe-D- zu

Hier offenbart sich,dass viele Mitglieder des Petitionsauschusses nicht wirklich Kontakt mit den Betroffenen und ihren Familien haben...Traurig!"

Ich habe keine Antwort erhalten.

Luis Zubizarreta

Margarete AULEHLA schrieb am 12.12.2007, 15:15

Welche Betroffenen wurden gefragt?

"Die Vorsitzende Frau K.Naumann-DIE LINKE-"begründete"dies ,weil die LEBENSHILFE(D) den "Begriff der geistigen Behinderung verwendet"und "von Seite Betroffener diesem Begriff nicht ein diskriminierender Gehalt zugeschrieben wird"

Da frage ich mich, wie diese Befragung zustande kam. Welche Betroffenen wurden befragt? Es könnte sein, dass es solche Menschen sind, die den Unterschied nicht kennen, der zwischen ihnen und den "anderen Menschen" gemacht wird.

ZB. weil sie noch nie versucht haben, an einer Universität zu studieren. Vielleicht bekommen sie eher eine Hilfe dazu, wenn es mehr Verständnis dafür gibt, dass es eben Menschen gibt, die mehr Schwierigkeiten mit dem Lernen haben als andere.

Das braucht ja nicht mit der Person zusammenhängen so wie ein Schild wo drauf hängt, und wir wissen: Das heißt so und so, weil es drauf steht. Sondern weil Lernen für die Leute, die Lernen, davon abhängig ist, mit wem sie lernen dürfen und von wem, und auf welche Weise, deshalb sind Lernschwierigkeiten etwas, das wir (leider) alle haben, als Gesellschaft.

Nicht nur diejenigen, die einen entsprechenden Behindertenausweis haben.



Margarete AULEHLA schrieb am 12.12.2007, 08:34

"Geistigbehinderte/r" ist eine Anrede, die beleidi

Wenn ich sage: "Du bist ja geistig behindert..", dann beleidige ich dich damit. So ist es im "normalen Leben".

Deshalb kann ich verstehen, dass niemand als "geistig behindert" bezeichnet werden möchte.

Wenn ich hier lese, dass die Lebenshilfe in Deutschland noch Menschen als "geistig behindert" führt, dann glaube ich, dass das deshalb so ist, weil dann viele Menschen mitleidig sind und Spenden geben; und damit kann die Lebenshilfe dann ihre verschiedenen Projekte finanzieren/bezahlen. Vielleicht fürchten sie, dass dann weniger Geld gespendet würde, wenn es "Menschen mit Lernbehinderung" heißen würde?

Luis Zubizarreta schrieb am 10.12.2007, 18:23

Habt IHR eine Idee?

Liebe Freunde vom KOBINET ,ist es EUCH nicht möglich ,die gute Unterschriftaktion vom "Mensch zuerst"gegen die unwürdige Bezeichnung GEISTIGBEHINDERT immer wieder weiter zu empfehlen?
IHR habt sicher eine gute Idee!
Danke.
Luis zubizarreta

Luis Zubizarreta schrieb am 09.12.2007, 13:32

IHR macht mir MUT

Stefan Göthling,Peter Lohest, Gerd Frank,Waltraud David,Cordula Müller und viele andere...machen mir Mut!Etwas Mutlos war ich als der Petitionsausschuss des Bundestages dieses Anliegen am 1.02.2007 mit den Stimmen aller Parteien ausser der Grünen abgeschmätert hat.Die Vorsitzende Frau K.Naumann-DIE LINKE-"begründete"dies ,weil die LEBENSHILFE(D) den "Begriff der geistigen Behinderung verwendet"und "von Seite Betroffener diesem Begriff nicht ein diskriminierender Gehalt zugeschrieben wird"
Wann haben diese "Volksvertreter" mit BETROFFENEN gesprochen?
Wann wird die LEBENSHILFE dem Beispiel der Österreicher folgen und nicht an diesen unwürdigen Begriff feshalten ,der- Laut eigene Aussage- keine Zukunft hat.
Welche VERENGUNG des GEISTES herrscht bei uns s.g. nicht Geistigbehinderte?!
Luis Zubizarreta

Waltraud David schrieb am 08.12.2007, 08:06

Was ist schon "Einfach"?

Ja, es klingt leider sehr vieles Einfach, ist es aber dann nicht.
Das Wort "Geistige Behinderung" müßte als "befremdetes Wort" verboten sein! - Was heißt eigentlich "Geistig behindert?"? - Wie kann ich einen Geist erfassen? ihn messen? Jeder Geistesblitz ist eine Geistigetätigkeit! - Wer aber hat keine? Muß man Geist nur durch Sprache/Schrift oder änlich zum Ausdruck bringen? - Jeder Mensch hat andere Fähigkeiten, jeder Mensch ist wertvoll, denn sonst wäre er kein Mensch! Nur Menschlichkeit kann einen Menschen auszeichnen! Also lassen wir uns "Menschlich werden"! Brauchen wir nicht gerade das in unserer Zeit? Also löscht das bösartige Wort "Geistigebehinderung" aus Eurem Wortschatz, aus den Schriften und aus Euren Taten! Denn es gibt es auch nicht! -Was es nicht gibt, das sollte man auch nicht benennen wollen!
Waltraud David

Gerd Frank schrieb am 08.12.2007, 07:25

Überfällig

Der Begriff "geistig behindert" ist schon längst überfällig. Wenn ich den Begriff erklären sollte habe ich da ein Problem. Immer wieder stelle ich mir die Frage wie kann ein (Geist) behindert sein. Eine Erklärung gibt es allerdings. Ich würde eher nichtbehinderte Menschen als geistig behindert bezeichnen die immer wieder durch ihre Rücksichtslosigkeit auffallen.(z.B. Parken auf Behindertenparkplätzen die dort nichts zu suchen haben und sich dann Argumente vorbringen die völlig abwägig sind oder mit wüsten Beschimpfungen reagieren und sogar körperliche Gewalt anwenden wenn man Sie darauf anspricht das sie auf einem Behindertenparkplatz parken. ) Dies ist ein Beispiel von vielen. Fazit: Das sind für mich " geistig Behinderte" Menschen mit Lernschwierigkeiten so zu bezeichnen empfiinde ich schlichtweg als Frechheit. Vor allem die Lebenhilfe sollte sich endlich von diesem Begriff verabschieden und nicht mit dämlichen Argumenten diesen noch zu rechtfertigen. Ich denker wenn die Lebenshilfe den ersten Schritt unternimmt hat sich der o.g. Begriff ganz schnell erledigt. Das beste Beispiel Aktion Mensch früher Aktion Sorgenkind. Aktion Mensch hat gezeigt das es auch anders geht.

luis Zubizarreta schrieb am 07.12.2007, 17:11

Die ANTENNE


Jeder Mensch,Du,Er oder Ich
hat sein eigenes Gesicht.

Jeder Mensch ,Ich,Du oder Er
in Vielfalt einzigartig ein"Wer"!

Jeder Mensch,Er,Ich oder Du
"Geistigbehindert" ist tabu!

Jedem von uns wünsche ich
die Tiefe und klare Sicht,
dass der Geist in jedem Menschen
niemals behindert ist.

Jedem von uns wünsche ich
die ANTENNE in feiner Einstellung,
die bei seinem Nächsten spürt
den Geist ganz auf Sendung.
L.Z.(2004)

Luis Zubizarreta schrieb am 07.12.2007, 10:41

Weiter kämpfen

Herr Lohest, Sie sind super! JA,wir müssen allen sagen ,dass wir MITMENSCHEN nicht GEISTIGBEHINDERT bezeichnen dürfen!
Wir ,die LEBENSHILFE (D) ,die SCULMINISTERIEN,SOZIALÄMTER u.s.w.müssen dafür kämpfen, dass dieser Begriff verschwindet!Die Ausrede ,wir haben noch keine einhaltliche Bezeichnung ist kein Argument ,damit wir MITMENSCHEN weiterhin DISKRIMINIEREN!!!
Seit mehr als 15 Jahren kämpfe ich ,damit unsere PERSÖNLICHKEITEN nicht als Geistigbehindert abgestempeltwerden.Deswegen ,Herr Lohest danke ich Ihnen!

Luis zubizarreta,Sculleiter i.R.

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