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13.12.2007 - 14:00

UN-Konvention schnell umsetzen.

Erlangen (kobinet) Heute vor einem Jahr war Dinah Radtke von Disabled Peoples' International in New York mit bei der Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen mit dabei. Heute setzt sie sich für deren Ratifizierung und Umsetzung ein. Uwe Frevert sprach mit der Streiterin für die Rechte behinderter Menschen aus Erlangen. omp

Uwe Frevert: Dinah Radtke, wie fühlt man sich am einjährigen Geburtstag der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen, die ja heute vor einem Jahr von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet wurde?

Dinah Radte: Ich und wahrscheinlich sehr viele andere aus der Behindertenbewegung freue mich, dass immer mehr Länder die Konvention und das Fakultativprotokoll unterzeichnet haben. Die Resonanz dafür ist enorm und stimmt mich sehr optimistisch, denn schon weit über 100 Länder haben die Konvention unterzeichnet. Wir arbeiten jetzt aber schon intensiv daran, viele Politikerinnen und Politiker dazu anzustoßen, dass die Konvention auch ratifiziert und schnell umgesetzt wird. Denn es ist wichtig, dass die Inhalte dieser Konvention schnell praktisch sichtbar und die Lebensbedingungen behinderter Menschen verbessert werden.

Uwe Frevert: Was war für Sie zurückblickend im Prozess der Verabschiedung der Konvention besonders wichtig?

Dinah Radtke: Das wichtigste war für mich, dass die Delegierten der einzelnen Länder bei vielen Punkten auf die internationale Behindertenbewegung gehört und uns als Expertinnen und Experten anerkannt haben. Vor allem bei den Diskussionen zur Stärkung der Rechte behinderter Frauen war klar zu sehen, dass wir mit unserem Druck etwas erreichen konnten und einen Dialog auf gleicher Augenhöhe geführt wurde. Dieser Geist der Einbeziehung und der Berücksichtigung behinderter Menschen muss unbedingt bei der weiteren Umsetzung in den einzelnen Ländern fortgesetzt werden.

Uwe Frevert: Wenn Sie nun etwas voraus blicken, was denken Sie kann die Konvention bewirken, wenn sie umgesetzt wird?

Dinah Radtke: In Deutschland ist es sehr wichtig, dass behinderte Jungen und Mädchen in die Regelschule gehen können und nicht wie bisher vorrangig auf das Sonderschulsystem verwiesen werden. Dieses Sonderschulsystem muss abgelöst werden. Das ist für uns ein ganz entscheidender Schritt, dass behinderte Menschen von Anfang an einbezogen und einen anderen Platz in der Gesellschaft bekommen. Wenn wir von Anfang an integriert und Teil eines normalen sozialen Netzes sind, bekommen wir ganz andere Chancen später auf dem Arbeitsmarkt und für ein Leben in der Gemeinde statt in Sonderwelten, weil sich damit auch die Sichtweise über Behinderung ändert. Das gilt in vielen anderen Ländern auch. Wir behinderte Menschen sind durch die UN-Konvention jetzt sichtbarer geworden, vor allem auch behinderte Frauen. Unsere Themen und Menschenrechte können nicht mehr so einfach weggedrängt werden und wir müssen verstärkt einbezogen werden. Wichtig ist mir dabei auch, dass wir in Einfluss auf die Entwicklungshilfeprogramme nehmen, so dass dabei von vorne herein behinderte Menschen einbezogen und diese für diesen Personenkreis geöffnet werden.

Uwe Frevert: Was machen Sie heute am einjährigen Geburtstag der Konvention?

Dinah Radtke: Ich gehe in mein Büro und arbeite dort, so lange ich das heute schaffe, denn zu tun gibt es noch genug. Ich musste leider für heute eine Konferenz zum Thema behinderte Frauen in Italien schweren Herzens absagen, da ich stark erkältet bin und die Reise so nicht schaffe. Das ist sehr schade, denn das ist ja mein Leib- und Magenthema. Manchmal ist es sehr schwierig, auf die eigenen Kräfte Rücksicht nehmen zu müssen und nicht voll lospowern zu können.

Dinah Radtke engagiert sich für die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland in vielfältiger Weise in der internationalen Behindertenpolitik. So zum Beispiel als Vorsitzende des Weltfrauenkomittees von Disabled Peoples' International und im Vorstand von Disabled Peoples' International Europa.
 

 
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