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14.12.2007 - 06:33

Sachverständig für barrierefreie Stadt- und Gebäudeplanung.

Berlin (kobinet) Von April bis Dezember veranstaltete die Architektenkammer Berlin einen Lehrgang zum Sachverständigen für barrierefreie Stadt- und Gebäudeplanung (kobinet 7.12.07). Peter Woltersdorf, für den Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSV) im Projekt "Blinden- und sehbehindertengerechte Gestaltung öffentlicher Räume" in Berlin tätig, hat daran teilgenommen und berichtet heute für kobinet:

Zum Thema Barrierefreies Bauen bin ich über blinde Freunde gekommen, mit denen ich eine Hörzeitschrift produziere. Sie haben mich gefragt, ob ich ihnen die Planung des Hauptbahnhofs erläutern kann. Seit 2000 habe ich dann neben meiner Arbeit in einem kleinen Architekturbüro die großen Berliner Bauprojekte der Deutschen Bahn (DB) den ehrenamtlichen Fachleuten im ABSV beschrieben, so dass die geeigneten Maßnahmen für Blinde und Sehbehinderte festgelegt und mit der DB verhandelt werden konnten. Seit 2004 ist hieraus eine Projektstelle geworden, in der ich unter anderem die barrierefreien Umbauten im ÖPNV begutachte und die Anforderungen des ABSV dem Behindertenbeauftragten für seine Stellungnahmen zuarbeite.

Mit der Teilnahme an der Weiterbildung der Architektenkammer wollte ich vor allem meine berufliche Spezialisierung auf die speziellen Bedürfnisse Blinder und Sehbehinderter um das gesamte Gebiet des barrierefreien Bauens erweitern.

Der Lehrgang selber hatte neben der Stoffvermittlung vor allem den Anspruch, für das Thema zu sensibilisieren und ein Gespür für die Bedürfnisse zu vermitteln. Die derzeit gültigen Normen sind ja überwiegend veraltet und können nicht mehr als Stand der Technik betrachtet werden. Zudem hatten viele der Teilnehmer bereits berufliche Erfahrung mit dem Thema. Wichtiger waren eher noch die Vermittlung der Aufgaben eines Sachverständigen und die relevanten Punkte bei der Erstellung eines Gutachtens, sowie die Einführung in spezielle Krankheitsbilder mit deren typischen Einschränkungen. Aber auch die politische Dimension mit Erläuterung der Grundgesetzergänzung und des Gleichbehandlungsgesetzes kam nicht zu kurz.

Die verschiedenen Themengebiete zur Barrierefreiheit wie beispielsweise die Wohnwünsche Älterer, Bauen für Demenz-Wohngruppen, Spielplätze und Sportanlagen, Museen, Sanitäranlagen und Beleuchtung wurden von den Referenten überwiegend interessant dargestellt. Sehr gut wurden die Möglichkeiten zur Selbsterfahrung im Rollstuhl, mit Sehbehinderungsbrillen und im Alterssimulator - ein Overall mit Gewichten und durch Gurte eingeschränkten Bewegungsbereichen der Arme und Beine - aufgenommen. Die zahlreichen Begehungen haben außerdem den Blick für Schwachstellen in der Planung geschärft - hier durfte ich die Seite wechseln und als Referent gemeinsam mit Klaus-Dieter Wüstermann die Teilnehmer durch den Berliner Hauptbahnhof jagen und Mängel aufspüren lassen.

Mich hat neben der guten und offenen Stimmung in der Gruppe vor allem der Wissensdurst der Teilnehmer positiv überrascht. Es gab viele Nachfragen und rege Diskussionen, so dass die Seminarzeiten manchmal hoffnungslos überzogen wurden.

Das Thema Barrierefreies Bauen wird meines Erachtens durch die gesetzgeberische Entwicklung noch weiter an Wichtigkeit gewinnen. Städte wie Berlin setzen hier bereits Maßstäbe, die - bei allen Verbesserungswünschen - Anregung zur Nachahmung sein können. Der Wissenstand um die notwendigen Maßnahmen ist dagegen auch unter Planern noch allgemein gering, vermutlich aus eigener Angst, sich mit der Thematik Behinderung zu befassen. Hier sind vor allem die Kammern und Berufsverbände mit Weiterbildungen und die Hochschulen in der Ausbildung der Planer gefragt.

Aber auch der Selbsthilfe ist anzuraten, in die durch gescheiterte Normentwürfe entstandenen Lücken hinein zu springen. So habe ich festgestellt, dass es gerade bei Leitsystemen für Blinde sogar unter Fachleuten noch viel Begriffsverwirrung gibt, die die Selbsthilfe durch eigene Richtlinien klären könnte. Als gutes Beispiel sei hier die Richtlinie für taktile Beschriftungen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) genannt. sch
 

 
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