![]()
Druckversion
kobinet-nachrichten
11.01.2008 - 17:25
URL: http://www.kobinet-nachrichten.org

Berlin (kobinet) Die sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Silvia Schmidt hat heute die Kultusministerkonferenz aufgefordert, eine behinderte Schüler diskriminierende Entscheidung vom 4. Dezember 2007 zu korrigieren. Es sei skandalös, dass Nachteilsausgleich und Notenschutz in der Sekundarschule II wegfallen sollen. "Damit wird die Chance zum Abschluss des Abiturs für begabte Legastheniker praktisch verbaut", so Schmidt.
Nach Auskunft des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie haben diese Schüler die Fähigkeit, einen begabungsgerechten Schulabschluss zu erreichen. Dazu gehört auch das Abitur. Voraussetzung dafür ist, dass die Nachteile der Hirnstörung mit besonderer Förderung ausgeglichen und eine besondere Benotung garantiert werden.
Schmidt dazu: "Kinder mit Behinderungen werden in Deutschland generell nicht so unterstützt, dass sie eine ihren Fähigkeiten gerechte Ausbildung erhalten. Wir Deutschen machen es uns stattdessen leicht und schieben erst in die Sonderschule und danach in die Werkstatt ab."
Mit Wirksamwerden der UN-Konvention müsse sich das endlich ändern, denn darin verpflichtet sich Deutschland zu einer integrativen Förderung, welche die Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes voll zu Entfaltung bringt. Dies wird gemäß dem Zusatzprotokoll eine Ombudsstelle überwachen. "Wir werden international an Ansehen verlieren, wenn diese Zustände nicht geändert werden und Kinder mit Behinderungen weiter so massiv ausgesondert und ausgeschlossen werden", meint die Politikerin. sch
Cordula Müller schrieb am 13.01.2008, 18:11
Das ist ja schön, dass es auch mal einem Politiker auffällt, dass Kinder mit Handicap benachteiligt sind.Aber es gibt nicht nur Kinder mit Lese /rechtschreibschwäche und Rechenproblemen sondern auch die Kinder, denen das Lernen im Allgemeinen schwerfällt. Wo bleiben die?Weiter in den Sonderschulen? Dann ab in die Werkstätten? Wer will immer entscheiden, welches Kind die Chance auf welchen Bildungsweg bekommt? Die Schulbehörde. Welcher Arbeitgeber nimmt einen Schüler mit LRS, wenn er einen Schüler mit Abi haben kann? Was für eine Perspektive hat ein Schüler, der von einer Lernschule kommt? Die meisten schämen sich ja schon, in der Nachbarschaft zu erzählen, auf welcher Schule sie sind.Leider haben selbst die Hauptschüler oft wenig Chancen.Chancengleichheit gilt nach wie vor unter dem Motto: Alle Schüler sind gleich nur manche eben gleicher! Da macht es erst Sinn, weiter zu denken, wenn die Konvention endlich ratifiziert wird. Nicht morgen, nicht heute, sondern gestern!!
Fred Steeg schrieb am 11.01.2008, 23:15
Kinder, die in der Schule wegen diverser Rückstände im Lernen nicht den Jahrgangsanforderungen entsprechen, sind vom sozialen Abstieg bedroht. Warum? Weil das System des Auslese darauf angelegt ist, den Ausschluß von Bildung gerecht zu vollstrecken! Dabei kommt dem System jede Behinderung gerade recht. Daran sollte einem Kritiker auffallen, dass nicht die Ignoranz des Systems gegenüber der Behinderung der Hit an der Kritik des Systems darstellt, sondern der Zweck des Systems, nämlich im Namen einer kostengünstigen und unanfechtbaren Legitimierung, jeden Unterschied zwischen Kindern dafür zu nutzen, um dieselben kind-"gerecht" in die Pfanne der berühmt berüchtigten Chancengleichheit zu hauen.
© Kooperation Behinderter im Internet e.V.
Alle Rechte vorbehalten